meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen


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Durcheinander

Am vergangenen Dienstag spät abends ist unser Freund gestorben. Friedlich. Viel schneller, als von allen erwartet. In aller Ruhe. Mit vier Frauen an seiner Seite. Das hat ihm bestimmt gefallen…

Seit dem ist alles noch ein wenig chaotischer. Ich bin durcheinander. Es passiert gerade so unglaublich viel. Und nicht nur Trauriges. Also bin ich einen Moment niedergeschlagen, möchte weinen, mich verkrümeln, richtig trauern…

Im nächsten Augenblick bin ich mir meiner Verantwortung für die Kinder bewusst. Wie hat Fabian am Mittwochabend gesagt, als er mit ein bisschen weinen in der Küche überrascht hat? „Wie lange wird das denn dauern, Mama? Dass du so traurig bist?“ T. und ich haben versucht ihm zu erklären, dass das nicht einfach so weg geht, dass es besser wird, immer wieder kommt und vor allem – bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Dass es nicht DEN einen, richtigen Weg gibt zu trauern.

„Boah, wie anstrengend!“ war sein Kommentar und ich habe mir vorgenommen, einen Großteil der Trauerarbeit mit mir selber zu „erledigen“ und ihn da rauszuhalten. Vielleicht ist ihm das zu viel, vielleicht ist er aber auch einfach noch nicht so weit.

Trotzdem habe ich ihn gebeten, sich zu überlegen, ob er mit zu Trauerfeier und Beerdigung kommen möchte. Unser Freund war ein sehr spezieller Mensch und genauso speziell wird garantiert auch diese Feier. Nicht nur, dass er im kompletten schottischen Ornat verbrannt wird, weil er zu Lebzeiten immer in Schottland am glücklichsten gewesen ist und eine starke Verbindung dort hin hat, nein, es gibt ein ausdrückliches Verbot „schwarz“ zu tragen, schließlich ist es eine Feier! Allein schon der Gottesdienst wird sehr besonders, weil der Pfarrer, der uns alle durch unsere Jugend und Pubertät begleitet hat, extra aus Regensburg kommt und garantiert für die eine oder andere Überraschung gut ist. Und auch die Feier im Anschluss wird wohl eher eine große Party mit unglaublich vielen Menschen…alles in allem vielleicht ein guter Moment, um F. (so er möchte) einmal zu einer Beerdigung mitzunehmen. Aber selbstverständlich werden wir hier seinen entsprechenden Wunsch respektieren, die Oma wird einspringen und auf alle Fälle B. bis zur Feier nehmen.

Überhaupt war der Mittwoch ein unglaublicher Tag.

Ganz in der Früh also die Nachricht von A.´s Tod, ein kurzes Telefonat mit meiner lieben Freundin S., ein paar erste Tränen.

Um halb zehn hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Keins von denen, wo man richtig brennend hingeht, schon im Vorhinein weiß, dass man extrem betrübt sein wird, wenn man den Job nicht bekommt, aber für mich ein guter Anfang. Übung. Training. Real life. Und ich habe mich nicht gedrückt. Bin hingefahren. Habe es gut gemeistert. Ist auch mehr so ein Vorab-Termin gewesen, die Stelle wird eh erst im neuen Jahr aktuell, aber es lief gut, ich hab ziemlich genau gemerkt, wo es noch hakt, wo ich mehr hätte sagen sollen, wo vielleicht weniger. Gut. Zufrieden.

Danach einen richtig großen Milchkaffe gekauft, ins Auto eingestiegen und erst mal eine halbe Stunde lang geheult. Die Sonne hat gescheint und die ganze Willkür ist mir so unglaublich auf den Sack gegangen. So viele Leute, die an meinem geparkten Auto vorbeigehastet sind, grimmig, stoisch, mit sich beschäftigt. Am liebsten hätte ich das Fenster runter gekurbelt und ihnen ins Gesicht geschrien: „Was ist los? Warum schaust du so? Vor ein paar Stunden ist ein junger, wichtiger Mensch gestorben. Das ist unfair. Unfair. Unfair. Und du bist nicht dankbar, dass du leben darfst. Du bist nur grimmig!“

Zum Glück hatte ich noch Zeit, bevor ich den kleinen B. vom Kindergarten abholen musste, bin noch ein bisschen spazieren gegangen und hab mich von Wind und Sonne streicheln lassen.

Am Nachmittag schnell mit F. die Hausaufgaben korrigieren, ihn trösten, dass er in der Mathe-Probe nur eine Drei hat (was gar nicht so einfach ist, wenn alles nur Konzentrations-Fehler sind…) und dann los zum Schwimm-Training. Ich fühle mich kalt von innen, kann gar nicht so viel anziehen, dass ich nicht mehr friere. Trotzdem gehe ich mit B. ein bisschen im Herbstlaub spazieren, genieße das Alleinsein mit ihm, Hand in Hand, nur wir beide. Und dann kriegt er noch eine Portion Schwimmbad-Pommes zum Aufwärmen, seine Backen glühen und seine Welt ist in Ordnung. Schön.

Am Abend ist dann noch das Treffen der Gruppe „Sprache, Schule, Ausbildung, Job“ des Asylhelferkreises bei mir im Ort (deren Gruppenleiterin ich bin). Ich habe viel vorbereitet, mir tage- und nächtelang Gedanken gemacht. Bin trotzdem zerstreut, müde und durcheinander. Fasse dann aber schnell den Entschluss mit offenen Karten zu spielen. Erkläre den immerhin fast zwanzig Anwesenden, dass gerade ein Freund von mir gestorben ist und ich auf ihr Verständnis und ihre Mithilfe hoffe. Und dann läuft es. Sie sind toll. Es wird ein super konstruktives, klares, entspanntes Treffen. Wir finden in allen offenen Fragen schnell einen Konsens, teilen Gruppen und Zeiten ein, es läuft ohne Animositäten und Befindlichkeiten. Ich bin so stolz! Was für eine Gruppe! Am Ende kassiere ich ein dickes Lob für meine Vorbereitung, mein Engagement und meinen Einsatz und ich bin erleichtert, froh, traurig und alles gleichzeitig. Wieder sitze ich im Auto und heule. Scheint ein guter Platz dafür zu sein.

Und so vergeht seitdem kein Tag, an dem nicht etwas Tolles, Aufregendes, Besonderes, Glückliches passiert. Auf der anderen Seite bin ich einfach immer und immer wieder traurig, nachdenklich und auf eine besondere Art verletzt.

Und nach wie vor tief besorgt, was da an den Grenzen, nur ein paar hundert Kilometer von hier, mit den Menschen und natürlich vor allem mit den Kindern geschieht. Politische Willkür hat mich schon immer schrecklich mitgenommen, mich so unglaublich hilflos und ohnmächtig gemacht. Kein gutes Gefühl. Gerade kann ich es ganz gut durch die Arbeit im Dorf kanalisieren, mich darauf konzentrieren, aber es geht trotzdem nicht spurlos an mir vorbei.

Dieses ganze widerliche rechte, propagandistische Zeug, mit dem man Tag für Tag konfrontiert wird, tut da nur sein Übriges… damit bin ich noch nicht durch, ganz bestimmt nicht. Aber ich muss mir eben meine Kräfte einteilen. Mein eigenes Durcheinander sortieren. Tun, was ich eben tun kann. Und wenn dann wieder „Kapazitäten“ frei sind…mal sehen…

Heute lerne ich erst mal die afghanische Familie kennen, die letzte Woche neu in unserer Gemeinde angekommen ist. Vater, Mutter und zwei Kinder. Die Kinder dürfen drei Monate lang nicht in die Schule (so viel zum Thema Behördenwillkür) obwohl rein integrativ das für sie sicher der allerbeste Weg wäre. Das sagt sogar der Schulleiter. Aber einen Hortplatz, den konnte ich ihnen ergattern. Und da werde ich sie mal zum ersten „Beschnuppern“ hinbegleiten. Das wird. Ich bin zäh. Und unnachgiebig wenn es sein muss. Ich glaube, dass merken die hier in der Gemeinde langsam auch.

Das Wetter ist herrlich. Ich werde den kleinen B. abholen und wir werden dort hin spazieren und die Luft genießen. Jeden schönen Moment. Das ist so wertvoll. Keiner weiß genau, wann es womöglich der letzte ist.


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Sind langweilige Menschen glücklicher?

Das ist eine der Fragen, die T. und ich uns an diesem herrlichen Sonntag gestellt haben.

Dazu gab es natürlich einen entsprechenden Anlass. Und zwar folgenden: wir hatten für neun Uhr morgens in der wunderschönen Kaffeerösterei Dinzler am Irschenberg (übrigens ein unbedingter „Anhalte-Tip“ auch für alle Nicht-Bayern, die sich auf der A8 Richtung Süden bewegen!) einen Frühstückstisch reserviert und der Verkehr lief so ein wenig schleppend und wir waren ungeheuer gut drauf (Kinder schon fast vierundzwanzig Stunden bei der Oma!), die Sonne schien…

…jedenfalls haben wir in sehr gemäßigtem Tempo ein unglaublich durchschnittliches, silbernes Auto (vermutlich war ein Passat Kombi oder so) überholt, in dem ein Mann am Steuer, auf dem Beifahrersitz (ebenfalls vermutlich) seine Frau und hinten ein etwa zwölfjähriger Junge saßen. Die drei haben nicht miteinander gesprochen sondern stumm geradeaus geschaut. Frau und Sohn trugen den selben (belanglosen) Kurzhaarschnitt, der Mann hatte etwa auf 7mm rasiertes Haar in einer aschfahlen, namenlosen Farbe, in der auch sein Bart, sein Brillengestell und ich glaube auch sein T-Shirt waren.

Die (vorgeschriebenen!) Rettungswesten der drei (und der vierten, nicht anwesenden Person!) waren in den Originalverpackungen unter den jeweiligen Kopfstützen eingeklemmt. Die Farbe der Sitze war übrigens ebenfalls aschfahl.

Und schon waren T. und ich in ein Gespräch verwickelt. Diese Menschen, die da für einen Augenblick die Autobahn und irgendwie auch ihr Leben mit uns geteilt hatten, hatten ein beneidenswert sauberes, ordentliches und aufgeräumtes Auto. Also zumindest auf den ersten Blick. Ich wüsste zum Beispiel gerade nicht einmal ob und wenn ja, wo wir auch nur eine Sicherheitsweste im Auto haben…

Diese Menschen hatten augenscheinlich keinen Gesprächsbedarf. Was ja vielleicht auch ganz nett ist. Das heißt, sie müssen sich auch nicht dauernd streiten, auseinandersetzen, diskutieren, oder?

Sie müssen sich keine Gedanken um ihr Äußeres machen, über Kleidung, Styling, Makeup, Frisur, verlieren sicherlich keine Zeit morgens im Bad oder am Kleiderschrank. Wählen einfach zwischen einem aschfahlen T-Shirt oder einem grauen Pullover.

Sie können einfach untertauchen, sind verwechselbar, austauschbar, nicht wieder zu erkennen, beliebig. Niemand würde sich an sie erinnern.

Wäre so ein Leben vielleicht einfacher? Weil ein ganz großer Teil meiner existenziellen Probleme wegfallen würde? Und ich meine jetzt nicht nur Klamotten und so…

Ordnung im Innen und Außen. Ordnung im Reden und Denken. Muss ja nicht immer alles gesagt werden, was gedacht wird. Oder noch besser, nicht immer alles gedacht werden, was gefühlt wird. Struktur. Disziplin. Ruhe.

T. und ich hatten zwei wundervolle, randvolle Tage. Angefangen mit einem extrem anstrengenden Beziehungsgespräch (war aber auch mal wieder nötig!) am Samstagmorgen. Emotionales, gemeinsames Fensterputzen am Mittag (das soll uns mal einer nachmachen!). Stadtbummeln ohne Kinder am Nachmittag. Kinderfreier, sehr netter Samstagabend. Und ein wunderschöner, anregender, aufregender Sonntagvormittag, -mittag und -nachmittag mit vielen Gesprächen, lautem Lachen, Sonne auf der Haut und im Herzen, unvernünftigem, leckerem Zeug im Magen und seiner Hand in meiner.

Scheiß auf Ordnung! Scheiß auf Langeweile! Einfach kann jeder!

Ich bin glücklich!


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Traurig

shield-492989__180[1]Manchmal erkennt man eben genau das. Es gibt nicht richtig und nicht falsch. Nur den ganz eigenen, völlig subjektiven Weg.

Und deshalb kann ich meiner lieben, alten Freundin S. eigentlich auch gar nicht böse sein. Wobei sich das blöde Wort „eigentlich“ eingeschlichen hat, was natürlich bedeutet, dass ich schon irgendwie sauer bin.

Wir sind so unglaublich viele Jahre befreundet. Kennengelernt mit süßen Siebzehn, Liebeskummer, schreckliche Klamotten, wilde Partys (der Rechtschreibfuzzi hier will allen Ernstes, dass ich PartYs schreibe und nicht PartIEs! Stimmt das???), durchquatschte Nächte und immer den selben schrägen Humor geteilt.

Dann, mit 23/24 aus den Augen verloren, ich bin mit meinem damaligen Freund in die Stadt gezogen, hab meine Ausbildung gemacht, gearbeitet…

Wiederentdeckt an dem Tag, an dem sie mit Mann und Baby bei mir 2004 im Buchladen gestanden hat und mir gesagt hat, dass sie mich unbedingt bei ihrer Hochzeit dabei haben will und mich deshalb gesucht hat! Seit dem nicht mehr losgelassen…

Auch schon wieder elf Jahre her! Dazwischen liegen meine Hochzeit, meine beiden Kinder, vier gemeinsame Familienurlaube, unzählige Treffen, gelachte und geweinte Tränen, lustige und nachdenkliche Stunden. Unsere Männer sind zu Freunden geworden, unsere Kinder vertragen sich (noch) gut (so lange uns die Pubertät keinen Strich durch die Rechnung macht! 😉  ).

Und jetzt?

Vor etwa einem halben Jahr hat sie sich entschieden abzunehmen. Was ja an sich kein schlechter Plan ist. Sie war auch schon vorher unzufrieden mit ihrem anstrengenden Job. Eigentlich auch irgendwie mit ihrer Ehe. Mit der Gesamtsituation.

Hat sich radikal und drastisch verändert. Zuerst nur körperlich. Was anfänglich auch noch schön anzusehen war. Dann nicht mehr. Mit jedem weiteren Kilo wurde sie unzufriedener. Kantiger. Spröder. Noch unzufriedener. Die Beziehungsprobleme wurden offensichtlicher, sie wollte aber nichts tun. Auch nicht reden. Mit mir nicht. Mit anderen Freundinnen nicht. Hatte aber immer kluge Ratschläge für alle in ihrer Umgebung, wie sie ihr Leben zu leben hätten. Nur auf ihr eigenes angesprochen reagierte sie schroff und abweisend.

Wir sehen uns kaum noch, reden nicht, telefonieren nicht. Sind uns fremd, irgendwie verletzt, uns fehlen die Worte. Die Worte um was zu sagen? Um uns Vorwürfe zu machen? Vielleicht ist sie sauer, weil ich jetzt viel mit einer gemeinsamen dritten Freundin zusammen bin? Die mir immer wichtiger wird? Mir immer mehr ans Herz wächst? Die ich aber nie als Ersatz gesehen habe, sondern immer als Ergänzung. Als einen weiteren wichtigen Menschen in meinem Leben.

Oder ist sie sauer, weil meine Ehe, trotz aller Höhen und Tiefen, gut läuft? Weil wir unsere Probleme lösen, weil wir miteinander reden, versuchen, aneinander „dran“ zu bleiben, Zeit miteinander zu verbringen? Ich weiß, dass sie schon manchmal verletzt war, wenn sie im Urlaub mitbekommen hat, wie T. sich mir gegenüber verhält, wie wir miteinander umgehen.

Freunde wenden sich ab und sie scheint es nicht zu bemerken. Sucht sich neue, die aber offensichtlich eher „Sozialprojekte“ sind, Leute, die ihr Leben selbst nicht so richtig in den Griff kriegen, bei denen sie die Starke, Weitsichtige, Helfende, Mutige ist.

Fehlt sie mir? Ja. Erst heute habe ich daran gedacht, weil ich ganz in ihrer Nähe einen Termin habe. Normalerweise eine gute Gelegenheit vorher oder nachher auf einen Kaffee bei ihr reinzuschneien und eine Stunde sämtliche Neuigkeiten zu bequatschen, zu lästern und ordentlich zu kichern. Heute mache ich das nicht. Es geht nicht. Ich bin befangen.

Ich gebe mir Zeit bis nach unserem Urlaub. Ich weiß, dass sie dann wieder weniger arbeitet, dass sich unser Alltag dann wieder eingependelt hat. Dann will ich reden. Ich will in ihr Gesicht sehen. Ich will die Situation betrauern. Will ihr sagen, dass es mir weh tut. Will nicht mehr für mich alleine weinen. Will, dass sie dabei ist. Will ihr sagen, dass ich eine Entscheidung getroffen habe. Nämlich die, endlich zu reden. Und die, dass ich so nicht mehr ihre Freundin sein mag weil es mir nicht gut tut. Und dass ich glaube, dass sie für sich erstmal mit ihrem Leben klar kommen und Dinge regeln und auf den Weg bringen muss. Und wenn sie mich braucht, dann werde ich immer für sie da sein. Logisch.

Aber sie muss/kann nicht meinen Weg gehen, den Weg, den ich an ihrer Stelle gehen würde, den ich richtig finde. Sie muss ihren finden und gehen. Und das muss ich aushalten.

Und dann werde ich ihr noch sagen, dass wir uns gegen sie als Patentante für B. entschieden haben und für die andere Freundin. Nicht um ihr eins auszuwischen, sondern nur aus dem Bauch raus.

Und dann werde ich sie ganz doll drücken – und gehen…


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Aus „latent“ wird „leichter“

Der See

Deutlich spürbar zum Beispiel daran, dass ich heute wieder Augen für das Schöne habe… Wie hier für einen Ausschnitt meines täglichen Arbeitsweges.

Eine Straße – eigentlich ein Anlieger-Kiesweg – über einen Stausee des ortsansässigen Wasserkraftwerkes. Ich liebe diesen Weg. Zu jeder Jahreszeit, sogar zu jeder Tageszeit präsentiert er sich komplett anders – aber immer schön, immer aufregend. Heute Morgen lag die aufkommende Hitze schon flirrend, erwartungsvoll über dem Wasser, fast greifbar. Die Mücken tanzten in der feuchten, frischen (ein bisschen nach Herbst riechenden) Luft – dementsprechend aufgeregt waren die Vögel!

Auf jeden Fall der richtige Moment um kurz anzuhalten, die Autofenster ganz aufzumachen, durchzuatmen, innezuhalten und…zufrieden zu sein!

Ja, da ist sie wieder! Die Zufriedenheit!

Heute werde ich – trotz größtem Chaos – versuchen, fünfe gerade sein zu lassen (auf was beziehen sich diese „fünfe“ eigentlich? Zehen? Finger? Müssten es dann nicht „zehne“ sein? Ich bin verwirrt…), werde den kleinen B. gleich nach der Arbeit ins Auto packen und zu meiner Freundin, die heute meinen großen Sohn unter ihrer Fuchtel hat und ihren Kindern ins Freibad fahren und einfach mal einen Sommernachmittag im Wasser verbringen… das hat B. auch mal verdient! Und ich auch!

Und heute Abend werden wir dann eine Ferienwohnung buchen, wir konnten uns gestern Abend zumindest schon mal auf eine Gegend einigen und haben da auch ein paar ganz nette und günstige Objekte gefunden – womit auch dieser Punkt von meiner Liste kann.

Und morgen Vormittag wird es hier im Büro relativ ruhig sein, dann kann ich ein paar aufgeschobene  Dinge wie Überweisungen, Ablagezeug, Mails etc. erledigen, was garantiert auch wieder dafür sorgen wird, dass ich ein paar Steinchen von meinem Herzen schubsen kann.

Und das Kopfweh ist auch schon viel besser. Und geschlafen habe ich auch ganz okay. Und beim Sport war ich gestern Abend auch. Und T. ist wirklich ganz schön verständnisvoll. Und der kleine B. hat sich so gefreut, wie ich gestern Nachmittag mit ihm eine Stunde lang Lego gespielt und wir zusammen ein Darth-Vader-Raumschiff-Rennauto gebaut haben. Und außerdem ist eh schon Dienstag.

Besser. Viel besser.


Ein Kommentar

Das habe ich heute sowas von verdient!

Ich meine, dass heute Donnerstag ist. Und ich nur noch etwa drei läppische Stunden zu arbeiten haben. Und dann mein sowas von wohlverdientes Wochenende anfängt. Nach dieser komplett verrückten Woche!

Wobei mir auffällt, dass VER-RÜCKT genau das richtige Wort dafür ist. Da war alles durcheinander. Kein Stein auf dem anderen. Eben verrückt!

Und deshalb bin ich einfach nur froh, wenn das Debakel an dieser Stelle dann auch ein Ende hat und ich zumindest den Arbeitsteil erstmal für drei Tage abschließen kann.

Nachdem in den letzten vier Tagen gefühlt wirklich nur Idioten unterwegs waren. Von Bauherren und Architekten, über die Männer aus den eigenen Reihen (Bauleiter, Chef höchstpersönlich), bis hin zu Lieferanten und sogar der sonst so freundliche Postbote hatte eine schlechte Woche… Und ich habe es mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln versucht. Dem entgegenzutreten meine ich. Freundlichkeit und Empathie. Sarkasmus und Zynismus. Stillhalten und Schreien lassen. Lächeln und „Arschloch“ denken. Wutausbruch und (lautstark) Meinung kundtun. Hat irgendwie alles nicht so recht gefunzt…

Gut, ich schiebe es jetzt mal ganz großzügig auf das seit Tagen vorherrschende äußerst merkwürdige Wetter. Das mir im Übrigen genauso zu Schaffen macht. Warm, schwül, dann doch wieder kühl, feucht, doch wieder sonnig, wärmer, windig, föhnig…ja was denn nun?? Wie soll man sich denn da so schnell drauf einstellen? Mein Kopf kann das jedenfalls nicht und reagiert freundlicherweise mit total unangenehmen, stechenden Schmerzen im Stirn- und Augenbereich. Vielen Dank!

Gestern dann zu allem Überfluss auch noch so ein Morgen zum in die Tonne treten. T. weckt mich zu spät auf, ich komm nicht gescheit aus dem Bett, alles läuft schräg, die Wohnung schaut aus, T. ist genervt, ich bin genervt….jedenfalls ist T. daheim geblieben weil am Vormittag unsere neue Spülmaschine geliefert werden sollte.

Da hatte ich noch die vage Hoffnung, dass er in der Zwischenzeit in der Wohnung ein bisschen klar Schiff machen würde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

Ich kriege also per Whatsapp kurz bevor ich von der Arbeit losgefahren bin ein Foto von meiner komplett verwüsteten Küche (die NOCH schlimmer ausgesehen hat als am Morgen) mit dem lapidaren Text des Ehemannes, dass er die Spülmaschine gleich noch anschließen WOLLTE, ihm aber ein Teil gefehlt hat, das er auf dem Rückweg von der Arbeit aus dem Baumarkt mitbringt und wir könnten das Chaos dann später ja zusammen aufräumen….

Boah, was hab ich gekocht! Zehn Minuten an einer adäquaten, nicht gleich beziehungsgefährdenden, Antwort gebastelt, die trotzdem angemessen meiner Wut Ausdruck verleiht!!! Und was dafür bekommen? Ein paar lächerliche Smileys!

Da war ich gleich noch sauererer (was direkt mit dem Verlust der Rechtschreibfähigkeit einhergeht – sogar rückwirkend!!).

Gleich noch eine angepisste Nachricht hinterher geschossen. Darauf: „Wann bist du zuhause?“ Da hab ich echt gedacht, dass er überlegt, ob er in der Zwischenzeit noch mal kurz heimfahren und schnell ein bisschen aufräumen kann…

Jedenfalls kam dann noch eine Beschwichtigungsnachricht hinterher, von wegen, er hätte es halt nicht geschafft, kann ja wohl mal passieren und so.

Da war ich gleich noch wütender. Hab dann das Kleinkind aus dem Kindergarten und dessen Freund bei sich zuhause abgeholt, natürlich nicht, ohne dort so richtig über den bösen Ehemann zu jammern und zu klagen. Meinen Freundinnen habe ich das besagte Küchenfoto ebenfalls gleich weitergeschickt, damit sie mich auch ja schön bedauern können!

Tja, was soll ich sagen, wie ich heimkomme hat sich alles als waaaaahnnnnnsinnig witziger Witz rausgestellt. Die Küche war picobello. Die Spülmaschine eingebaut, angeschlossen und sogar schon einmal durchgelaufen. Gesaugt, gewischt, Müll (und sogar das Altpapier!) raus, Kaffeemaschine geputzt. Und ich war fertig mit den Nerven. Später hat sich dann rausgestellt, dass sich der beste Ehemann von allen mit den Kollegen im Büro einen netten Spaß gemacht haben und sie wohl alle ziemlich witzig gefunden haben, wie ich abgegangen bin. Aha. War sehr zuträglich für meine Kopfschmerzen.

Und richtig sauer sein konnte ich dann auch nicht mehr.

Und dann hat er mir abends im Bett auch noch mindestens zweieinhalb Stunden den Rücken gekrault. Verflixt.

Gut, dann vertragen wir uns halt wieder. Will mal nicht so sein.

Außerdem ist ja gleich Wochenende!

Und morgen gibt´s Zeugnisse! Das erste mit Noten für F.! Ich bin sehr aufgeregt!

Und ein Treffen mit der Lieblingsfreundin und ihren Kindern. Und Sport morgen Vormittag. Und Kinderzimmerausmisten am Samstag. Und ein bisschen Qualitätszeit zu zweit für T. und mich. Und einen Tag in den Bergen am Sonntag.

Genau so muss das sein. Nach so einer Woche. Das hab ich mir ECHT verdient!


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Ich muss gerade sehr schmunzeln…

…und komme mir direkt ein bisschen schäbig dabei vor!
Neben meinem Schreibtisch liegt schon seit heute Früh der Hund des Vaters meines Chefs. So weit so verwirrend.
Der Hund ist jedenfalls mindestens genauso alt wie der Vater, ein ehemals schwarzer Cocker-Spaniel, der in seiner Jungend bestimmt mal ein strahlend schöner Aufreißer gewesen sein muss.
Heute ist er – naja,…also, er ist halt…alt. Und blind. Und taub. Und grau. Und ziemlich dick. Und unglaublich witzig.
Obwohl er also weder hört und sieht hat er ein komplett treffsicheres Gespür für alles Fressbare. Vorhin habe ich den Kühlschrank aufgemacht um meine Wasserflasche rauszuholen – da stand er auch schon freundlich wedelnd neben mir.
Oder wenn ich die unterste Schreibtischschublade öffne. Da waren vor Urzeiten, als ich selbst noch einen Hund hatte, Hundeguttis drin. Das ist mindestens vier Jahre her. Da ist jetzt Papier drin. Aber er steht sofort Spalier! Seine Nase muss noch unglaublich gut sein!

Und gerade lag er also neben mir und hat sich schrecklich mühsam und umständlich mit dem Hinterfuß am Bauch gekratzt und dabei unsägliche Laute von sich gegeben. Eine Mischung aus Grunzen, wohligem Stöhnen, leisem „Singen“ und grantigem Motzen. So viel zum Thema „wenn man sich selbst nicht hört“. Das war so süß – und hat mich gleichzeitig so erbarmt…

Außer, dass dieser alte Kerl hier neben mir unglaublich muffelt und leise vor sich in furzelt, ist heute ein deutlich besserer Arbeitstag als gestern.
Nicht nur, weil das Haus leer ist und alle meine Männer unterwegs sind, sondern weil richtig was los ist. Und das mag ich. Ein kurzer Plausch mit dem neuen Stahllieferanten (der mir allerdings die ganze Zeit auf den Busen gestarrt hat) und ein „Einschleim-Kaffee“, hab ihm noch gezeigt wo der Stapler und der dazugehörige Schlüssel sind – und schon wird der zukünftig ganz ohne Jammern und Meckern selbständig und freiwillig seine Stahlträger abladen.
Telefonate mit Architekten, netten und weniger netten Kunden, mit einem sehr freundlichen Maurer, der sich bei uns bewerben möchte, schnell zwei Angebote geschrieben und einer Architektin gemailt und der damit einen riesen Gefallen getan, weil sie heute in den Urlaub fährt, Besprechungstermine vereinbart, einem Mitarbeiter aus der Patsche geholfen…so kann es weiter gehen…

Sonst gibt es nicht so viel Neues.
Die Schule ist gerade sehr anstrengend, es ist deutlich bemerkbar, dass es auf die Ferien zugeht, jeder Lehrer versucht auf Biegen und Brechen seine Noten noch zusammen und seinen Stoff durch zu bekommen. F. ist da letzte Woche richtig durch´s Raster gefallen. Er ist in seiner Klasse ja der einzige Evangelische (was eh schon immer schwierig ist, weil er an dem Tag, an dem alle Katholiken Reli haben, zwar irgendwie auch davon profitiert, dass sie wenig Hausaufgaben haben, er aber dann aber an dem Tag, an dem er bis 13 Uhr Reli hat in der Regel einen Riesenberg Hausi hat, weil ja die anderen 24 Kinder nur bis 11:15 Uhr Schule haben…) und da hat es die Klassenlehrerin nicht geschafft, sich mit der Religionslehrerin abzustimmen und so hatte er gleich in der Früh eine 4-seitige Matheprobe und dann am Mittag noch die Halbjahresprobe in Religion. Der ist dann nach Hause gekommen und war so „aggro“, dass er erstmal eine halbe Stunde durch den Garten toben und auf Dinge einschlagen musste.
Mal abgesehen davon, dass das ja rein rechtlich gar nicht zulässig ist, frage ich mich halt, wie wir seine Motivation auf so einem hohen Level halten sollen, wenn er dann das Gefühl kriegt, dass er den Lehrern letztlich eh egal ist.
Er strengt sich gerade so an. Meldet sich wie verrückt. Lernt und macht und tut. Macht alle Hausaufgaben und Zusatzaufgaben ordentlich. Und wird dann irgendwie dafür bestraft…so ist zumindest sein Gefühl. Und alles nur, weil sich zwei Lehrerinnen nicht wegen eines Schülers absprechen können. Nicht ok. T. versucht seit zwei Tagen die Lehrerin zu erreichen, mit der Reli-Lehrerin hab ich eh noch dringend ein Gespräch zu führen… 😡

Da scheint sich wirklich zu bewahrheiten, was mir Freundinnen mit Kindern in höheren Klassen schon prophezeit haben. Dass ich nämlich immer öfter und immer mehr bei den Lehrern sitzen werden um F. zu verteidigen, um Dinge zu klären, für F. in die Bresche zu springen, ihn weiter zu bringen. Gruselige Vorstellung.
Aber letztlich teilt es sich ja auf. In Konflikte und Situationen, die er selbst klären kann und soll (ich bin ganz sicher keine von diesen Müttern, die gleich in die Schule rennt, wenn die sich mal auf dem Pausenhof kloppen oder so)und den Sachen, wo er auf unsere Hilfe und Unterstützung angewiesen ist. Gar nicht so leicht. Und wohl von Jahr zu Jahr wichtiger. Gerade in Punkto Übertritt. Wer da nicht an der Lehrerin dran bleibt, sich immer und immer wieder in deren Gedächtnis ruft, dessen Kind geht wohl leicht unter. Vor allem, wenn man ein eher „durchschnittliches“ Kind hat. Eben eins wie F., das keinen Ärger macht, sozial nicht negativ auffällt, aber eben auch schulisch kein besonderer Überflieger ist…
Umso wichtiger scheint zu sein, welche Lehrerin wir für die kommenden beiden Schuljahre kriegen. Das füllt mein Herz durchaus ein wenig mit Angst. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir das tatsächlich erst am ersten Schultag erfahren werden…puh…

Meine Mutter hat in dem Zusammenhang gestern den Spruch „Kleine Kinder – kleine Sorgen, große Kinder – große Sorgen“ gebracht, erst habe ich gestöhnt, weil abgenutzt, aber irgendwie ist schon was dran. Es ist existenzieller, bedrohlicher, schwerwiegender – und entzieht sich doch mehr unserem Einfluss. Eine merkwürdige Situation.
Ist bei den Kleinen eigentlich die größte Angst, dass sie sich verletzen könnten, dass man sie im Einkaufszentrum verliert, dass sie etwas Giftiges essen oder von der Schaukel fallen…(überspitzt formuliert)…hat man bei den Großen plötzlich Angst, dass sie keine guten Menschen werden könnten. Dass sie das mit der Schule nicht gebacken kriegen und keinen Beruf erlernen könnten. Dass sie keine Auswahl haben, weil sie vielleicht „nur“ die Mittelschule schaffen. Dass sie gemobbt werden. Dass man nicht mehr an sie herankommt. Sie sich entziehen. Große, schwere Gedanken.
Vor allem habe ich das Gefühl, dass jetzt schon die erste Stufe erreicht ist, wo man sich auf seine Erziehung verlassen müsste. Wo man loslassen und sagen müsste: „Ich habe getan was ich konnte, dir meine Liebe geschenkt, dir weitergegeben, was ich wusste, was ich richtig finde, woran ich glaube, wohinter ich stehe – mehr kann ich (für den Moment) nicht tun, ich vertraue dir und bin mir sicher, dass du die richtigen Wege gehen wirst.“
Was nicht heißt, dass die Erziehung beendet ist, Quatsch, F. ist ja erst acht Jahre alt, aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass es für manche Sachen schon „zu spät“ ist, dass ich die Zügel schon aus der Hand geben muss – aber auch schon die ersten „Früchte“ ernten darf. Selten ein Schaden, wo nicht auf ein Nutzen ist…:D
Und die Früchte sind sehr süß! Unbändiger Stolz, großer Respekt, oft genug ein ungläubiges „Echt jetzt?“…das macht es in jedem Fall wieder wett…

So, jetzt hab ich mich aber mal richtig verzettelt.
Jetzt muss ich nämlich dringend hier fliehen. So lange ich noch kann. In der Nachbarfirma steigt der Rauch auf. Kein gutes Zeichen!
Die haben ihr alljährliches Sonnwendfeuer entzündet (warum nur ausgerechnet heute? Und noch dazu an einem Mittwoch???) und mich heute schon ungefähr siebzehn Mal abwechselnd gefragt, ob ich nicht auch zur Feier kommen möchte. Worauf hin ich mir etwa siebzehn verschiedene Ausreden habe versucht einfallen zu lassen. Was gar nicht so einfach ist. Diese Feiern sind NICHT schön. Das heißt, sie beginnen schön. Für etwa eine halbe Stunde. Bis die ersten sich in unglaublicher Geschwindigkeit unglaublich angesoffen haben – und dann wird´s echt anstrengend. Und mit jeder weiteren halben Stunde anstrengender. Und nachdem das Feuer bereits brennt (warum zum Kuckuck schon so früh?), was die Schlussfolgerung zulässt, dass die ersten bereits ihr Bier in Händen halten – wird es Zeit „Auf Wiedersehen“ zu sagen und schleunigst zu verschwinden…
Good bye – bis morgen! :DD


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Manchmal…

…ist das Leben merkwürdig.
Scheinbar ungerecht, unberechenbar und willkürlich.

Und in dieser Willkürlichkeit schwer zu ertragen.

Gerade noch war Samstag. Ein glücklicher, unbeschwerter, lustiger Samstag. Zumindest für T. und mich. Und das frischgebackene Brautpaar. Eine schöne Hochzeit. Ein heißer Sommertag. Gutes Essen, mehr oder weniger gute Musik, am späten Nachmittag dann Wein in rauen Mengen und eine Hochzeitsgesellschaft außer Rand und Band (und die mittelmäßige Band, die sich als echter Partykracher präsentiert hat!), ein lustiges Aufeinandertreffen von Ost und West (Braut Brandenburgerin, Bräutigam Bayer), neue Freundschaften, ein nettes Hotelzimmer, T. und ich ohne Kinder…

Und Sonntag. Noch so ein heißer Sommertag. Noch ein bisschen verkatert mit dem Rest der Gesellschaft vom Vortag gefrühstückt, nach Hause, gefreut, dass es so toll geklappt hat mit der Oma und BEIDEN Jungs über Nacht. Einen Abstecher zum sehr überlaufenen und gnadenlos heißen Flughafenfest gemacht um dann einfach zuhause den Rest des Nachmittages auszuruhen…schön. Ruhig. Entspannt.

Und dann ist Montag. Plötzlich ist es – nach sintflutartigen Regenfällen in der Nacht – wieder sehr kühl und so sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Auch in meinem Herzen. Aber das wusste ich am Morgen, im üblichen Chaos noch nicht. Klar war viel los. Klar war in der Arbeit viel zu tun. Klar war ich müde. Also alles so weit normal….:DD

Dann die kurze Nachricht meiner lieben Freundin S., sie musste sich (während T. und ich so glücklich und ausgelassen gefeiert haben) am Samstag, von ihrem Freund trennen. Eine ganz große Liebesgeschichte. Sie ist eine tolle Frau, war schon mal verheiratet, hat zwei Kinder um deren Wohl und Weh sie sich seit vier Jahren, seit der Scheidung, wirklich ganz großartig alleine kümmert. Hält aber auf der anderen Seite auch den Kontakt zu ihrem Exmann freundschaftlich aufrecht, kümmert sich, dass die Kinder ihn regelmäßig sehen und er in ihr Leben weiterhin Einblick behält.
Hat bislang jeden neuen Mann von den beiden ferngehalten um ihnen weiteren Kummer zu ersparen.
Und jetzt, gerade mal vor drei Monaten, hat sie sich Hals über Kopf in DEN Traummann verliebt. Alles schien perfekt. Und nachdem er mehrere hundert Kilometer entfernt lebte, beiden aber völlig klar war, dass sie aber wohl für einander bestimmt sein müssten, hat er seine Zelte abgebrochen und ist – für viele vielleicht unverständlich – zu ihr gezogen. Hat zum ersten Juni hier eine Arbeit gefunden, sich super mit ihren Kindern verstanden, die ihm bereitwillig ihre Herzen geöffnet haben. Er hat selbst viel Erfahrung mit Kindern, ist er doch auch Vater, und kann sich entsprechend verständnisvoll einbringen. Sollte man zumindest meinen.

Aber mit dem Alltag kamen nun eben auch die Probleme. Seine neue Arbeit wohl anstrengender für ihn als erwartet, ein langer Arbeitsweg. Die beiden Kinder, sicher keine ruhigen Lämmchen. S. eine energetische Powerfrau mitten im Leben, die weiß was sie will, aber eben auch, was nicht.
Wahrscheinlich war es ihm zu viel. Zu viel auf einmal. Irgendwie verständlich. Nur, dass er plötzlich seine Sprache verloren hat, sich ein großes Schweigen zwischen den beiden aufgetan hat, das ist nur schwer zu kapieren. Dass er, als über 40-Jähriger sich nicht verständlich machen kann, seine Bedürfnisse äußern, mit ihr gemeinsam einen Weg finden kann – für ihre gemeinsame Liebe…sehr merkwürdig.
Stattdessen hat er auf ihre Nachfrage hin angefangen völlig unsachlich auszuteilen. Ihre Kinder seien asozial. Ihr Erziehungsstil sei unter aller Kanone. Ihre Freunde würden sie anlügen, wenn sie ihr das nicht sagen würden. Und überhaupt sei jetzt alles anders als bei seinen Besuchen. Sie würde gar nicht mehr so schönes Frühstück machen. Und der gute Kontakt zum Exmann gefalle ihm gar nicht. Das sei ja wohl auch nicht normal…Und er müsse jetzt tun, was ein Mann tun müsse – und dann hat er ihr den Wohnungsschlüssel und den „Liebes“-Ring hingeschmissen und ist abgerauscht. Ohne Geld, lediglich mit einer Reisetasche voll mit seinen Sachen, einem leeren Wohnheimzimmer, ohne Freunde, ohne alles…
Aber nicht ohne Drama! Natürlich hat er sie wieder angerufen. Er hätte jetzt seit 48 Stunden nichts gegessen. Wie sie das fände. Er würde jetzt doch gerne in ihren Armen liegen. Aber reden wolle er nicht. Und ihre Kinder wären immer noch verzogen. Und nach München gezogen sei er auch nur weil sie das so gewollt hatte….

Sie tut mir so leid. Wirklich. Da glaubst du echt, du hast ihn gefunden. Den Mann. Zum Leben teilen. Ohne größere Altlasten. Öffnest ihm dein Herz. Dein Vertrauen. Lässt ihn an deine Kinder heran. Auch sie schenken ihm ihr Vertrauen. Akzeptieren einen neuen Mann an Mamas Seite. Was ja auch nicht ganz ohne Vorarbeit und Mühe zu bewerkstelligen ist. Und dann das.
Alle sind verletzt. Und enttäuscht. Nach so kurzer Zeit. Und zurück bleibt ein riesiger Scherbenhaufen. Und eine Mutter, die wieder einmal für ihre Kinder stark sein muss. Die sich nichts anmerken lässt. Eine Rolle spielt. Nein, alles okay. Seid nicht traurig. Die die Wunden der Kinder versorgen wird, die Tränen trocknen. Mit ihren Selbstvorwürfen umgehen muss. Hätte ich doch nur keinen Mann… Die die Mauern wieder hochfahren, und für lange Zeit keinen Mann in ihre Nähe lassen wird. Und die doch eigentlich auch ein Recht darauf hat nicht nur Mutter sondern auch Frau zu sein…

Abends dann noch ein kurzer Whatsapp-Dialog mit meiner anderen liebsten Freundin S., wo ich nur am Rande gehört hatte, dass der Vater eine Lungenentzündung haben sollte und sie überlegen, ob sie ihn ins Krankenhaus bringen oder nicht. Sie feiert am Wochenende ihren 40ten Geburtstag und ich habe nachgefragt, ob ich ihr noch irgendetwas abnehmen kann. Ist ja wohl auch gerade ein bisschen viel…
Darauf kam nur die Antwort, er wäre jetzt im Krankenhaus mit Verdacht auf Lungenkrebst, ich solle bitte nichts dazu sagen, es niemandem erzählen, sie würde sich auch erst damit auseinander setzen, wenn die Diagnose sicher sei.
Tausend Gedanken in meinem Kopf…der ist doch noch nicht mal siebzig. Mensch, S. raucht, die soll bloß schnell aufhören! Was ist, wenn er stirbt?? Sie wird die Feier absagen…was kann ich tun?
Natürlich habe ich nur geschrieben, dass ich sehr an sie denke, ihre Wünsche aber selbstverständlich respektiere. Heute Morgen habe ich ihr noch einmal geschrieben, dass ich meine Daumen drücke und meine Gedanken bei ihr sind, da kam nur ein harsches „Ich arbeite, keine neuen Informationen“ zurück…. puh, ich vermute, sie drückt ihre Gefühle weg und lässt das gar nicht an sich ran…Was für ein Debakel.

Und ich fühle mich so hilflos. Und traurig. Und mitleidig. Mit beiden.
Und gleichzeitig demütig und dankbar. Ich habe einen Mann. Und zwar einen von den Guten. Keinen Psycho. Auch wenn ich manchmal meckere und motze. Aber ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Und das tue ich auch. Und wir sind alle gesund. Einschließlich unserer Eltern. Ich meine, man weiß natürlich nie, was noch kommt. Aber jetzt, in diesem Moment sind wir gesund. Und dafür bin ich dankbar.

Und trotzdem strengt mich diese scheinbare Willkür an.