meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen


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Mein überbordendes Herz

Diesen Titel habe ich heute schon den ganzen Vormittag in meinem Kopf.

Dazu musste ich mir aber erstmal über die genaue Bedeutung des Wortes „überbordend“ klar werden.

Interessant, weil der Duden dazu

„1. über die Ufer treten und

  2. über das normale (und erträgliche) Maß hinausgehen“

als Erklärung liefert.

Und nachdem mein Herz gerade nicht über die Ufer tritt – auch wenn ich die bildliche Vorstellung einigermaßen entzückend finde – trifft es das mit dem über das normale (und vielleicht auch erträglich) Maß hinausgehend ziemlich genau.

Und eigentlich ist das etwas unglaublich Schönes. Wenn da nicht schon wieder dieses merkwürdige EIGENTLICH in der Lücke sitzen würde.

Echt jetzt. Ich bin gerade auf eine merkwürdig kribbelige Art und Weise wohlig zufrieden.

Es sind ein paar Entscheidungen, nein, ein paar SEHR WICHTIGE Entscheidungen getroffen worden. Von uns. Meint von T. und mir. Und von mir für mich alleine. Die unsere Zukunft betreffen. Die nähere. Also um genau zu sein sogar die aller nächste.

Dass ich mit meiner beruflichen Situation unzufrieden bin, ist ja hinlänglich bekannt. Nicht zuletzt wegen des doofen Selbständigseins. Ist halt nix für mich. Und ich jammere und lamentiere ja schon wirklich lange. Was ich jetzt auch nicht mehr wirklich gut verbergen kann, da mein schlechtes Gewissen, mein Antrieb, ein Teil meiner (Blog-)Seele, endlich auch von blog.de hier her gekommen ist und mir ab sofort (hoffentlich) wieder auf die Füße steigt!

Jedenfalls müsste ich, um das, was ich wirklich aus vollem Herzen machen möchte, tun zu können, mal eben ein Sozialpädagogikstudium „absolvieren“. Und nachdem ich a) nicht mehr die Jüngste und b) nicht die Geduldigste bin – muss es jetzt halt ohne gehen.

Ich will hauptberuflich in der Flüchtlingsarbeit tätig sein. So. Also müssen mir eine freche Bewerbung, sämtliche ehrenamtliche Erfahrungen und eine Weiterbildung im kommenden Jahr (die zeitlich überschaubar ist – sind nur sieben Wochenenden) helfen, in den gewünschten Bereich „reinzurutschen“. Punkt. Ist nicht grad üppig, ich weiß, aber Sozialpädagogen wachsen ja im Augenblick auch nicht gerade auf Bäumen…

Was aber sofort eine nächste Entscheidung nach sich gezogen hat.

Die Nordsee…

Verdammte Hacke!

Wie kann das sein, dass ich als gebürtige Bayerin, die ich seit fast acht Jahren in diesem elenden oberbayrischen Dorf wohne und seit mehreren Jahren den intensiven Wunsch hege und pflege, mit Kind und Kegel an die Nordsee zu ziehen, dort noch einmal ganz von vorne anzufangen – mich plötzlich wohlfühle, einlebe, soziale Kontakte (über das normale Maß hinaus) aufbaue und pflege, mich in die Dorfgemeinschaft einbringen MÖCHTE? Was ist denn da passiert?

Ich kann es nicht genau erklären, klar, bisher habe ich mich vielleicht tatsächlich auch irgendwie dagegen gewehrt. Wollte nicht mehr „Anschluss“, in keinem Verein sein, keiner Gemeinschaft angehören, mich nicht irgendwo einbringen oder engagieren.

Und das ist jetzt halt einfach so „passiert“. Und ja, da sind wirklich Nette dabei. Und natürlich auch solche, die meine schlimmsten Vorurteile bestätigen. Aber jetzt gerade in diesem Moment fühle ich mich zum ersten Mal wohl. Und angenommen. Ich kann was bewegen. Ich werde gehört. Und ernst genommen. Ich bin Teil einer großen und guten Gemeinschaft. Das ist ziemlich cool.

Und was macht mein lieber T.? Mich auslachen? Sich über mich lustig machen? Unseren gemeinsamen Lebenswunsch vehement einfordern?

Mitnichten. Im Gegenteil. Nachdem wir endlich die Dinge ausgesprochen, beim Namen genannt hatten, hat er mir seine Unterstützung und sein Vertrauen zugesichert. Wir wollen, wir müssen aus diesem Haus ausziehen. Unbedingt. Schon allein wegen des bösen Nachbar-Karmas. Das ist klar. Gleichzeitig muss die Oma aus ihrer Wohnung raus. Wegen des bösen Katzen-Karmas. Aha.

T. und ich wissen: wir brauchen ein Haus. Damit wir Platz haben. Und einen Garten. Und keine direkten Nachbarn. Also über oder unter uns.

Hier also Plan A für die aller nächste  Zukunft der Familie E.:

  1. Wir suchen uns ein Haus mit zwei Wohnungen und einem Garten hier bei uns in der Gemeinde – für die Oma und uns – zur Miete
  2. Ich suche mir den Traumjob (die erste Bewerbung läuft schon – Daumen drücken!)
  3. Nachdem ich dann etwas mehr arbeiten werde und die Oma im Frühjahr in Rente geht (was nicht heißt, dass sie komplett aufhören wird zu arbeiten), kann und will sie einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen – klingt nach Entlastung (Praxistest steht natürlich aus…)
  4. T. kann sich in seiner Arbeit (die er wirklich gerne mag, wie er mir versichert hat) eine echte Zukunftsperspektive aufbauen und seine Energie neu aufbauen – eventuell ebenfalls durch Entlastung durch Oma
  5. Frau glücklich und zufrieden weil sie endlich tut, was sie schon immer wollte
  6. Oma glücklich und zufrieden, weil sie nicht mehr so alleine und mehr in die Familie eingebunden ist
  7. Mann glücklich und zufrieden, weil Frau glücklich und etwas vom familiären Druck weg ist
  8. Kinder glücklich und zufrieden, weil Mama und Papa glücklich und Oma in der Nähe

Ja, ich geb ja zu, das ist definitiv die rosanste aller Versionen! Ganz so einfach isses nicht. Das weiß ich auch. Und die ganzen Unbekannten in dem Spiel sind auch nicht zu unterschätzen. Klar.

Und die Nordsee einfach so abzuschreiben – das geht natürlich auch nicht einfach so.

Also weiter, Schritt für Schritt. Immer mit der Ruhe.

T. und ich fahren jetzt erstmal nach Berlin. Das ham wa uns verdient. Nur er und ich. Von Freitag bis Sonntag. Wir sind eingeladen zu einer Geburtstagsfeier. Grund genug, ein ordentliches „Pärchen-Wochenende“ draus zu machen. Und die Oma kann gleich mal überprüfen, ob den Dreien das taugt, so drei Tage zusammen zu verbringen! Guter Plan! Ick freu mir!

Und jetzt lass ich mein Herz noch ein bisschen überborden. Fühlt sich irgendwie schön an…