meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen


8 Kommentare

Durcheinander

Am vergangenen Dienstag spät abends ist unser Freund gestorben. Friedlich. Viel schneller, als von allen erwartet. In aller Ruhe. Mit vier Frauen an seiner Seite. Das hat ihm bestimmt gefallen…

Seit dem ist alles noch ein wenig chaotischer. Ich bin durcheinander. Es passiert gerade so unglaublich viel. Und nicht nur Trauriges. Also bin ich einen Moment niedergeschlagen, möchte weinen, mich verkrümeln, richtig trauern…

Im nächsten Augenblick bin ich mir meiner Verantwortung für die Kinder bewusst. Wie hat Fabian am Mittwochabend gesagt, als er mit ein bisschen weinen in der Küche überrascht hat? „Wie lange wird das denn dauern, Mama? Dass du so traurig bist?“ T. und ich haben versucht ihm zu erklären, dass das nicht einfach so weg geht, dass es besser wird, immer wieder kommt und vor allem – bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Dass es nicht DEN einen, richtigen Weg gibt zu trauern.

„Boah, wie anstrengend!“ war sein Kommentar und ich habe mir vorgenommen, einen Großteil der Trauerarbeit mit mir selber zu „erledigen“ und ihn da rauszuhalten. Vielleicht ist ihm das zu viel, vielleicht ist er aber auch einfach noch nicht so weit.

Trotzdem habe ich ihn gebeten, sich zu überlegen, ob er mit zu Trauerfeier und Beerdigung kommen möchte. Unser Freund war ein sehr spezieller Mensch und genauso speziell wird garantiert auch diese Feier. Nicht nur, dass er im kompletten schottischen Ornat verbrannt wird, weil er zu Lebzeiten immer in Schottland am glücklichsten gewesen ist und eine starke Verbindung dort hin hat, nein, es gibt ein ausdrückliches Verbot „schwarz“ zu tragen, schließlich ist es eine Feier! Allein schon der Gottesdienst wird sehr besonders, weil der Pfarrer, der uns alle durch unsere Jugend und Pubertät begleitet hat, extra aus Regensburg kommt und garantiert für die eine oder andere Überraschung gut ist. Und auch die Feier im Anschluss wird wohl eher eine große Party mit unglaublich vielen Menschen…alles in allem vielleicht ein guter Moment, um F. (so er möchte) einmal zu einer Beerdigung mitzunehmen. Aber selbstverständlich werden wir hier seinen entsprechenden Wunsch respektieren, die Oma wird einspringen und auf alle Fälle B. bis zur Feier nehmen.

Überhaupt war der Mittwoch ein unglaublicher Tag.

Ganz in der Früh also die Nachricht von A.´s Tod, ein kurzes Telefonat mit meiner lieben Freundin S., ein paar erste Tränen.

Um halb zehn hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Keins von denen, wo man richtig brennend hingeht, schon im Vorhinein weiß, dass man extrem betrübt sein wird, wenn man den Job nicht bekommt, aber für mich ein guter Anfang. Übung. Training. Real life. Und ich habe mich nicht gedrückt. Bin hingefahren. Habe es gut gemeistert. Ist auch mehr so ein Vorab-Termin gewesen, die Stelle wird eh erst im neuen Jahr aktuell, aber es lief gut, ich hab ziemlich genau gemerkt, wo es noch hakt, wo ich mehr hätte sagen sollen, wo vielleicht weniger. Gut. Zufrieden.

Danach einen richtig großen Milchkaffe gekauft, ins Auto eingestiegen und erst mal eine halbe Stunde lang geheult. Die Sonne hat gescheint und die ganze Willkür ist mir so unglaublich auf den Sack gegangen. So viele Leute, die an meinem geparkten Auto vorbeigehastet sind, grimmig, stoisch, mit sich beschäftigt. Am liebsten hätte ich das Fenster runter gekurbelt und ihnen ins Gesicht geschrien: „Was ist los? Warum schaust du so? Vor ein paar Stunden ist ein junger, wichtiger Mensch gestorben. Das ist unfair. Unfair. Unfair. Und du bist nicht dankbar, dass du leben darfst. Du bist nur grimmig!“

Zum Glück hatte ich noch Zeit, bevor ich den kleinen B. vom Kindergarten abholen musste, bin noch ein bisschen spazieren gegangen und hab mich von Wind und Sonne streicheln lassen.

Am Nachmittag schnell mit F. die Hausaufgaben korrigieren, ihn trösten, dass er in der Mathe-Probe nur eine Drei hat (was gar nicht so einfach ist, wenn alles nur Konzentrations-Fehler sind…) und dann los zum Schwimm-Training. Ich fühle mich kalt von innen, kann gar nicht so viel anziehen, dass ich nicht mehr friere. Trotzdem gehe ich mit B. ein bisschen im Herbstlaub spazieren, genieße das Alleinsein mit ihm, Hand in Hand, nur wir beide. Und dann kriegt er noch eine Portion Schwimmbad-Pommes zum Aufwärmen, seine Backen glühen und seine Welt ist in Ordnung. Schön.

Am Abend ist dann noch das Treffen der Gruppe „Sprache, Schule, Ausbildung, Job“ des Asylhelferkreises bei mir im Ort (deren Gruppenleiterin ich bin). Ich habe viel vorbereitet, mir tage- und nächtelang Gedanken gemacht. Bin trotzdem zerstreut, müde und durcheinander. Fasse dann aber schnell den Entschluss mit offenen Karten zu spielen. Erkläre den immerhin fast zwanzig Anwesenden, dass gerade ein Freund von mir gestorben ist und ich auf ihr Verständnis und ihre Mithilfe hoffe. Und dann läuft es. Sie sind toll. Es wird ein super konstruktives, klares, entspanntes Treffen. Wir finden in allen offenen Fragen schnell einen Konsens, teilen Gruppen und Zeiten ein, es läuft ohne Animositäten und Befindlichkeiten. Ich bin so stolz! Was für eine Gruppe! Am Ende kassiere ich ein dickes Lob für meine Vorbereitung, mein Engagement und meinen Einsatz und ich bin erleichtert, froh, traurig und alles gleichzeitig. Wieder sitze ich im Auto und heule. Scheint ein guter Platz dafür zu sein.

Und so vergeht seitdem kein Tag, an dem nicht etwas Tolles, Aufregendes, Besonderes, Glückliches passiert. Auf der anderen Seite bin ich einfach immer und immer wieder traurig, nachdenklich und auf eine besondere Art verletzt.

Und nach wie vor tief besorgt, was da an den Grenzen, nur ein paar hundert Kilometer von hier, mit den Menschen und natürlich vor allem mit den Kindern geschieht. Politische Willkür hat mich schon immer schrecklich mitgenommen, mich so unglaublich hilflos und ohnmächtig gemacht. Kein gutes Gefühl. Gerade kann ich es ganz gut durch die Arbeit im Dorf kanalisieren, mich darauf konzentrieren, aber es geht trotzdem nicht spurlos an mir vorbei.

Dieses ganze widerliche rechte, propagandistische Zeug, mit dem man Tag für Tag konfrontiert wird, tut da nur sein Übriges… damit bin ich noch nicht durch, ganz bestimmt nicht. Aber ich muss mir eben meine Kräfte einteilen. Mein eigenes Durcheinander sortieren. Tun, was ich eben tun kann. Und wenn dann wieder „Kapazitäten“ frei sind…mal sehen…

Heute lerne ich erst mal die afghanische Familie kennen, die letzte Woche neu in unserer Gemeinde angekommen ist. Vater, Mutter und zwei Kinder. Die Kinder dürfen drei Monate lang nicht in die Schule (so viel zum Thema Behördenwillkür) obwohl rein integrativ das für sie sicher der allerbeste Weg wäre. Das sagt sogar der Schulleiter. Aber einen Hortplatz, den konnte ich ihnen ergattern. Und da werde ich sie mal zum ersten „Beschnuppern“ hinbegleiten. Das wird. Ich bin zäh. Und unnachgiebig wenn es sein muss. Ich glaube, dass merken die hier in der Gemeinde langsam auch.

Das Wetter ist herrlich. Ich werde den kleinen B. abholen und wir werden dort hin spazieren und die Luft genießen. Jeden schönen Moment. Das ist so wertvoll. Keiner weiß genau, wann es womöglich der letzte ist.


Ein Kommentar

Müüühüüüde!

Ich bin sowas von schluffi heute! Ich merke deutlich, dass ich schon wieder wochenendreif bin.
Und frühlingsreif.
Heute Morgen beim Aufstehen hat´s geschneit. Ohne Witz. Ich hab so die Schnauze voll!
Und setze meine ganze Sonnen-Hoffnung auf die kommenden Tage, für die besseres Wetter angesagt ist.

Heute Nacht war mal wieder blöd, F. hat einen juckigen Ausschlag an mehreren Stellen am Körper, nachdem seine Haut super-trocken ist, habe ich den auch genau darauf geschoben und erstmal mit einer gescheiten Fett-Creme reagiert.
Das Jucken ist davon aber nicht besser geworden und er war nachts oft auf. Und wir dann natürlich auch…
Heute morgen beim Aufwachen war dann alles (erstmal) wieder gut – das ist ja oft so bei Kindern.
Er geht jedenfalls heute mit der Schule („im Rahmen des Sportunterrichtes“ hieß es auf dem Elternbrief!) zum Schlittschuhfahren. Wobei, bis die mit dem Bus zur Eishalle hin und her gefahren sind, bleiben eh nur noch zwei Stündchen.

Ich glaube, ich bin aufgeregter als F., er ist schließlich erst einmal auf Schlittschuhen gestanden und hat keine besonders graziöse Figur gemacht…
Und weil ich weiß, dass ihn aktuell wieder einmal ein paar Kinder wirklich saublöd hänseln, hoffe ich, dass er das gut überstanden hat.
Natürlich habe ich mir nix anmerken lassen – innerlich hat mein übermütterliches Herz aber schon ein bisschen geblutet… Wer mag schon, dass sein Kind gehänselt und geärgert wird??

Ich habe heute den Tag über kinderfrei, erstmal länger arbeiten und später heim, ein bisschen ausruhen, aufhübschen und dann los zum Mädelsabend. Wird auch Zeit, dass ich die Frauen von der Erzieherausbildung mal wieder treffe. Ich freu mich schon!
Und der gute T. übernimmt den Rest. Hat am Nachmittag ein paar Sachen mit den Jungs vor, geht einkaufen, macht Essen und bringt die Bälger ins Bett. Schön!!!

Und dann? Fängt mein Wochenende an. Das diesmal einen Tag länger dauert. Schließlich habe ich am Montag am Vormittag ja den Termin in der Gefäßambulanz, da will ich hinterher nicht mehr arbeiten, glaube ich.

Also, alles soweit normal und in Ordnung – stay tuned! B)


Ein Kommentar

Der größte Trubel ist vorbei…

Im Moment arbeite ich mich wirklich Schritt für Schritt durch Termine, Aufgaben und die Alltagsdinge.
Das tut mir gut und gelingt auch überraschenderweise.
Ich versuche weiterhin früh ins Bett zu gehen und selbst wenn ich dann noch nicht wirklich bald schlafe, liege ich zumindest schon mal tiefenentspannt flach…

Das Wochenende war kurzweilig und schön.
Samstagabend habe ich mich fünf Bekannten und Freundinnen aus längst vergangenen Zeiten getroffen, irgendwie hat uns das Schicksal unseres gemeinsamen Freundes A. wieder zusammen geführt. Es war ein extrem launiger und lustiger Abend, das gemeinsame Lachen und Quatschen und Kichern und in Erinnerungen schwelgen hat uns allen gut getan. Und es hat sich, trotz all der Trauer und Sorge um A.´s Situation, einfach nur richtig angefühlt.
Seine Schwester war dabei und wir hatten alle das Gefühl, dieser eine Abend, der ihr gehört, an dem er mal keine Rolle spielt, wir eigentlich nicht über ihn geredet haben, war sehr wichtig und gut für sie. Eigentlich wollte ich gar nicht so spät wieder los, war dann aber doch erst gegen zwei zuhause…wie es halt so kommt! 😉

Sonntag sind wir vier am Vormittag in den Tierpark, das ist eine gute Möglichkeit die Jungs mal ordentlich zum Laufen zu bewegen. Wir haben ein bisschen den Tod des Silberrückens betrauert, der viele Jahre fast schon so etwas wie eine Institution des Münchner Tierparks war, haben uns gefreut, dass es relativ leer und ruhig war, wir viel Zeit bei den beiden jungen Eisbären, den Elefanten und Pinguinen verbringen konnten und letztlich dann doch alles in allem fast vier Stunden an der frischen Luft waren.
Später sind unsere lieben Freunde noch vorbei gekommen, die Kinder sind sofort zum Spielen verschwunden, meine Freundin, die auch am Vorabend dabei war, hat sich mit ihrem Mann auf das Sofa in unserer Küche geworfen und ich hatte so nette und hilfreiche Gesellschaft beim Backen der ganzen „Darth-Vader-Kuchen“ für F.´s Geburtstagsfeier in der Schule am Montag.
Abends noch schnell den Geburtstagstisch gedeckt, die Geschenke verpackt und nach dem „Tatort“ sind T. und ich auch gleich wieder ins Bett verschwunden.

Die kleine Feier am nächsten Morgen war schön und F. sichtlich zufrieden und glücklich. Nachdem ich am Montag frei hatte, war T. so lieb und hat beide Kinder und die ganzen Party-Utensilien mitgenommen und ich hatte in Ruhe Zeit mich fertig zu machen, als alle aus dem Haus waren.

Um zehn Uhr hatte ich einen für mich sehr wichtigen Termin beim Neurologen.
Ich will, dass endlich wieder etwas vorwärts geht. Irgendwie steht alles auf der Kippe. Einerseits nehme ich immer noch täglich einen Berg Medikamente um ja keinen Schlaganfall zu provozieren, andererseits sagt der Hausarzt, dass die Gefahr eigentlich nicht besteht (will aber natürlich auch nicht die Verantwortung übernehmen und stellt Rezept um Rezept aus…), diese merkwürdigen „Anfälle“, die ich jetzt immer öfter habe, bei denen meine rechte Seite taub wird, ich ein ganz dumpfes und hohles Gefühl im ganzen Körper bekomme und die dann aber nach der Einnahme von Schmerztabletten innerhalb von zehn Minuten auch wieder komplett verschwinden, machen mir eine Scheiß-Angst, weil ich nie sicher bin ob es nun „nur“ eine Migräne oder doch ein Schlaganfall ist.

Und trotz meiner Sorge vor einer klaren und eindeutigen Diagnose, habe ich mich jetzt dazu entschlossen, den nächsten Schritt zu gehen. Die Unklarheit zu beseitigen.

Habe mir einen Neurologen rausgesucht, überraschenderweise sehr schnell einen Termin bekommen und bin auf eine sehr nette, angenehme und empathische Ärztin getroffen. Was für ein Glück! Sie hat sich alles angehört, in aller Ruhe, hat mich ernst genommen, nicht versucht mit aller Gewalt in irgend eine passende Schublade zu stopfen. Dafür ist alles zu komplex, zu sehr miteinander verwoben, zu unübersichtlich.
Sehr angenehm. Sehr ruhig.
Fazit: einen Monat ganz genauen Kopfschmerzkalender führen, große Blutuntersuchung beim Hausarzt, ein erneutes MRT mit Kontrastmittel und Angio, nächster Termin dann mit EEG – und dann entscheiden wir neu. Sie hat ein paar Ideen, wird mit meinem Hausarzt telefonieren wegen einer Umstellung meiner Medikamentierung, will sich schlau machen, weil es wohl eine noch relativ unerforschte Krankheit gibt, die einen Zusammenhang zwischen der Gestose in beiden Schwangerschaften und dieser Form von Migräne herstellen würde…. alles in allem sehr rührig, sehr bemüht und interessiert.
Ich muss jetzt halt noch mal in den sauren MRT-Apfel beißen, das ist wirklich eine richtig beschissene Stunde, die da am Faschingsdienstag auf mich zukommt, verspreche mir aber Klarheit, Gewissheit und Sicherheit davon und das ist ja schließlich mein Ziel.
Fühlt sich toll an, so vernünftig zu sein! 😀

An Nachmittag waren dann mein Vater, meine Mutter und F.´s Patentante mit ihrem Freund bei uns, wir waren mit Geschenke-Auspacken, -Zusammenbauen und -Ausprobieren beschäftigt, alle waren nett und friedlich und die Jungs sind um neun Uhr völlig erschöpft und glücklich ins Bett gesunken.

Und so läuft die Woche einfach so vor sich hin, morgen noch das ewig verschobenen Elterngespräch bei B. im Kindergarten, am Freitag die Geburtstags-Party von F., für die alle eingeladenen Kinder zugesagt haben (schluchz…) und dann einfach nur Wochenende. Das krieg ich hin, das ist überschau- und machbar und was ich so nebenbei nicht schaffe, mache ich halt wann anders. Läuft ja nicht davon.


5 Kommentare

Gelassen…

Heute ist ein richtig netter Tag.
Der kleine B. und ich haben ja heute frei und da haben wir es uns richtig schön gemacht.
Als die anderen beiden Männer aus dem Haus waren (nicht ohne entsprechenden Protest, versteht sich!) haben wir zusammen gefrühstückt, er hat noch ein bisschen gespielt und dann haben wir uns auf den Weg gemacht und gemeinsam einige Dinge erledigt. Wir waren bei der Bank und haben (natürlich gemeinsam) Geld aus dem Automaten geholt, waren bei meinem Arzt und haben ein Rezept abgeholt, sind einkaufen gegangen und haben überlegt, was wir heute Abend kochen wollen (Spaghetti), er hat natürlich die Nudeln ausgesucht und wir sind weiter zum Kinderarzt, wo wir ja den Termin für die U7a hatten.
Da musste ich erst mal drei Seiten Fragebogen ausfüllen und dabei ist mir aufgefallen, dass alle die Sachen, die ich für ganz selbstverständlich halte, wo ich manchmal sogar dazu neige zu meckern, weil ich denke, dass er es schon besser können müsste, alles andere als normal sind.
Da war zum Beispiel eine sehr große Menge verschiedener Wörter und die Frage, ob er die schon verwendet – richtige Aussprache wäre dabei nicht wichtig. Logisch verwendet er die schon alle. UND spricht sie richtig aus…
Ob er schon vier- und fünf-Wort-Sätze sprechen kann? Beim Heimfahren hat er zu mir gesagt: „Ich ruhe mich erst aus, wenn der F. nachher nach Hause kommt!“
Ob er sein Unterhemd alleine anziehen kann? Er kann sich komplett alleine anziehen, ist dabei aber oft sehr langsam und treibt T. und mich damit regelmäßig in den Wahnsinn.
Ob er hüpfen und auf einem Bein stehen kann? Klar, er ist schon als ganz kleiner Knirps hinter seinem großen Bruder her auf Klettergerüste, Rutschen und Leitern geklettert, von allem und jedem runtergesprungen…
Ob er tagsüber schon trocken ist? Logo. Und nachts.

Ich nehme das alles für zu selbstverständlich. Vergleiche ihn zu sehr mit seinem großen Bruder, verlange scheinbar im Alltag zu viel und überschätze/überfordere ihn womöglich.

Auf der anderen Seite hat der Kinderarzt bemängelt, dass er den Stift noch nicht ordentlich hält und dass ich, auch wenn er es eigentlich gar nicht gerne mag, jeden Tag mit ihm malen und ihn zur richtigen Stifthaltung animieren soll.
Nächster Punkt auf meiner „Schlechtes-Gewissen-Liste“. Mit F. habe ich glaube ich viel mehr gemacht, als er noch so klein war. Musikalische Frühförderung, Kinderturnen, gebastelt, gespielt…
Und mit B.? Mensch, der Alltag ist so viel stressiger geworden, die Zeit so knapp (meine Ausreden werden auch immer blöder…)
Nein, ich muss mir eingestehen, B. läuft fast ein bisschen „nebenher“. Er spielt wahnsinnig viel und gerne mit F. – was ich schon sehr genieße.
Und er darf auch viel mehr als F. in diesem Alter. Mit uns fernsehen, abends beim Einschlafen CD hören, länger aufbleiben… und spielt natürlich auch ganz anders. F. hatte in diesem Alter hauptsächlich Lego Duplo, B. spielt wahnsinnig gerne und selbstverständlich mit F.´s Playmobil und kleinem Lego. Irgendwie ist alles ganz anders.

Aber jetzt habe ich eine konkrete Aufgabe. Vielleicht tut das B. und mir ganz gut, wenn wir uns zusammen hinsetzen und miteinander malen. Erst mal quasi aus „Zwang“ und wer weiß, vielleicht können wir da ja eine nette Routine daraus machen.
Ich verbringe sowieso viel zu wenig Zeit mit ihm allein. Ich merke das in so Stunden wie heute Vormittag, wie cool er ist, wie sehr ich ihn liebe und wie gerne ich mit ihm zusammen bin.

Jedenfalls waren wir dann zur Feier des Tages noch bei McDonalds („Selber alleine ohne F. und ohne Papa!“ – sehr wichtig!), das Essen war eigentlich nur Nebensache, wir sind dann gleich in die angeschlossene Turnhalle und haben noch ewig Ball gespielt, ich habe gebührend bewundert, wie er es wieder und wieder durch einen Hindernisparcour geschafft hat – war einfach schön.

Das mit dem Geburtstag gestern haben wir auch wunderbar hingekriegt, am Abend war B. dann nach kleiner Feier mit uns, Kindergartenfeier und Party mit seinen Freunden echt reizüberflutet und fertig – ich glaube aber auch ziemlich glücklich…

Und wir auch! T. und ich funktionieren als Team einfach hervorragend, vor allem, wenn wir es schaffen, schon vorher ein bisschen die Aufgaben zu verteilen…
wobei ich mich im Augenblick ganz sicher nicht beschweren werde, wir verstehen uns gerade ausgezeichnet, sind sehr liebevoll miteinander und begegnen uns auf einer sehr humorvollen und lockeren Ebene.

Jetzt freue ich mich, dass Wochenende ist, morgen treffe ich mich abends mit den Mädels, wir werden zusammen essen, alte Fotos anschauen und bestenfalls unsere Freundin A. davon überzeugen, dass sie ihren Bruder nicht zu einer ambulanten Reha nach Hause holt (was für sie eine 24 Stunden Pflege bedeuten würde, die sie eigentlich gar nicht stemmen kann), sondern er noch stationär bleibt und ihnen so wichtige Zeit verschafft, einen guten und praktikablen Plan für die Zukunft zu schmieden…momentan will sie sie ihn unbedingt heimholen, ich glaube, da ist auch eine gute Portion egoistischer und beruflicher Egoismus dabei, es wird sie nur als Mensch früher oder später kaputt machen…Mal sehen, ob wir in irgendeiner Form auf sie einwirken können.

Jetzt muss ich los, die Jungs haben hier vor meinen Füßen im Wohnzimmer eine riesige Playmobil-Stadt aufgebaut mit Piratenschiff, Gruselturm, Gefängnis, Bauernhof und allem, was an Tieren und Menschen so dazu gehört und verlangen dringend nach meinem Mitspieleinsatz!

Ich liebe sie! Ohne Quatsch, manchmal braucht es so ruhige, gelassene und entspannte Momente um das wieder mal zu erkennen und zu würdigen! Sie sind toll!


Ein Kommentar

Schade!

Schon wieder rum das Wochenende! Manchmal vergehen diese drei Tage wirklich wie im Flug!

Freitag war ich einfach nur gerädert. So eine stressige und anstrengende Woche! Eigentlich hatte ich ein paar Sachen vor, letztlich habe ich aber (nachdem ich zumindest einkaufen war!) einfach nur geschlafen. Manchmal muss man da vielleicht auch einfach großzügig sein mit sich und dem Willen von Körper, Geist und Seele folgen… 😉

Dann hab ich den kleinen B. vom Kindergarten abgeholt und war guter Dinge, während seiner Mittagsschlafzeit doch noch ein paar Sachen in Angriff nehmen zu können. Hab mich nur kurz mit ihm hingelegt – und bin sofort wieder eingeschlafen!
Um dann letztlich hochzuschrecken, als er über mir kniet und mich ganz zärtlich mit seinen pappigen Babyfingern im Gesicht streichelt und: „Mamilein, schläfst du?“ fragt. Er war jedenfalls ausgeschlafen!

Und nachdem es herrliches Wetter war und eigentlich eh schon egal, sind B. und ich zum Inspizieren des neuen Spielplatzes spaziert. F. war irgendwo im Dorf mit Rad und bestem Freund unterwegs.
Letztlich haben wir uns dann alle auf einem anderen Spielplatz wieder getroffen und sind dort geblieben, bis es uns zu kalt geworden ist. Ein wunderbarer Nachmittag!

Samstag hatten wir eigentlich durchgehend was zu tun!
Am Morgen sind die Jungs gleich zu meiner Mutter gefahren, die, nachdem am Vortag ihr Wohnzimmer gestrichen worden ist, ein wenig praktische „Wieder-Einräum-Hilfe“ gebraucht hat. Ich war kurz beim Einkaufen und bin dann gleich nachgekommen.
Dann schnell, schnell nach Hause, einen Nudelsalat gemacht, den kleinen B. für ein kleines Mittagsschläfchen hingelegt – und wieder los! Der Mann einer meiner liebsten Freundinnen hatte Geburtstag und es war wie immer ein herrlicher Nachmittag, der sich bis in den Abend hingezogen hat. Wir sind alle völlig platt aber zufrieden ins Bett gefallen!

Auch, wenn ich ein echter „Zeitumstellungs-Hasser“ bin, gestern hat uns die geschenkte Stunde richtig Spaß gemacht! Wir sind um viertel nach acht, respektive viertel nach sieben, aufgestanden und haben uns der überfälligen „In-der-Wohnung-Ordnung-machen“-Aktion gewidmet. Wie immer nicht ganz ohne Stress, ich bin beim Aufräumen glaube ich wirklich eine Plage… Gerade dann fällt mir auf, was eigentlich wirklich alles zu tun wäre und dass das, was wir da gerade tun, im Prinzip nur an der Oberfläche kratzen ist! Das macht mich extrem unleidig und wenn ich dann auch noch aus F.´s Zimmer eine komplette Ladung Wäsche rausziehe, dann werde ich zum Ordnungs-Monster. Ganz zum Leidwesen von T., der dann meine super Stimmung ertragen muss. Also haben wir dann noch einen handfesten Krach ausgetragen, bevor wir uns mittags aufgemacht haben, uns mit den Freunden von der Feier am Samstag und noch einigen anderen zum kollektiven Spaziergang und Kopflüften getroffen haben.
Unser eigentlicher Plan ging nicht ganz auf, weil auf unsere Spaziergehidee schon viele andere gekommen sind, so dass wir ganz kurzfristig den Ort umschmeißen mussten und schließlich ziemlich plan- und ziellos mit sieben Kindern und sechs Erwachsenen durch einen Wald gewandert sind, ohne, dass jemand einen Weg wusste.
Letztlich sind wir dann am Ausgangspunkt und aus Mangel an Alternativen in einem ziemlich scheußlichen Ausflugslokal (in dem der Altersdurchschnitt der Gäste vermutlich bei zweiundsiebzig Jahren lag und durch unsere Meute deutlich gesenkt wurde) eingefallen und haben uns bei überfälligem Kaffee und Süßkram gestärkt.

Ein herrlicher Nachmittag. Das ist so angenehm, wenn alle Kinder irgendwie von allen Erwachsenen (mit-)betreut werden, alle auf alle achten, sich alle gut vertragen, da gibt´s kein Gezicke oder Gestreite, da wird gelacht, aufeinander gewartet, gequatscht und die Kinder bespaßt! Wir hatten kurzfristig den Gedanken, ob es nicht cool wäre, eine Art Kommune zu gründen. Jeder eine eigene Wohnung, einige Zimmer gemeinsam und ein großer Garten für alle…

Den Abend haben wir friedlich und entspannt zu viert vor dem Fernseher verbracht, T. und ich wollten dann noch eine Folge „Sherlock“ anschauen, sind aber beide nach einer guten Stunde eingeschlafen und haben das einfach vertagt…

Heute wird T. unser altes Auto wegbringen, damit wir den Verkaufserlös gleich als Anzahlung für unser neues Auto verwenden können. Wir sind doch tatsächlich ein wenig wehmütig, hat uns doch das alte brav und sicher mehr als zweihundertausend Kilometer in den letzten sieben Jahren transportiert. Ich weiß noch, wie wir es damals beim Händler abgeholt und F. quasi frisch geboren, im Maxicosi dabei hatten… Was ist seit dem nicht alles passiert??
Wir haben es gestern Abend zu viert fast andächtig ausgeräumt und noch ein paar Fotos von uns mit ihm gemacht.
Trotzdem freuen wir uns natürlich narrisch, wenn wir im Laufe der nächsten Woche unser neues Auto abholen können!!

F. ist den ersten Tag in der Ferienbetreuung, B. im Kindergarten und ich freue mich, wenn wir heute den Nachmittag so ganz ohne Hausaufgaben o. ä. gemeinsam verbringen können! Mal sehen, wo es uns hin verschlägt!

Ein normaler Tag. Ein schöner Tag!


3 Kommentare

Da ist er also… (Dienstag, 26. November)

…der erste Schnee. Hat sich nachts einfach in den Garten geschlichen und alles mit einer zentimeterdicken, weißen Haube bedeckt. Übringens auch mein Auto. Sehr zu F.´s Wohlgefallen. Und meinem Mißmut…
Kalt ist es geworden und der Winter lässt sich nicht mehr wegleugnen. Und gerade gestern hat mein lieber T. auf unserem „großen“ Auto die Winterreifen aufziehen lassen. Was für ein glücklicher Zufall! Sonst wäre ich vermutlich auf dem Weg zur Arbeit genauso rumgeeiert wie all die anderen…unglaublich, oder? Beim ersten Schnee können plötzlich nur noch die wenigsten Autofahren. Jedes Jahr.
Aber ich bin sicher hier, die erste Winter-Hürde ist somit genommen…

Dafür lief der Morgen heute schon wieder viel entspannter, das Chaos muss echt am Montag liegen.
Gestern war dann einfach noch ein ruhiger Tag, an dem ich ein paar Sachen gut , andere leider dafür überhaupt nicht geschafft habe.
Im Moment ist es zum Aus-der-Haut-fahren! T. kommt nach Hause, er spielt noch ein bisschen mit den Kindern, übernimmt das Schlafanzuganziehen, ich mache in der Zwischenzeit Abendessen, wir setzen uns zusammen, essen, quatschen, F. darf dann noch bis 20 Uhr fernsehen, T. bringt Baby B. ins Bett, ich dann F., ein bisschen Küche aufräumen und dann: Couching! Oder im Bett fernsehen und lesen. Mehr ist echt nicht drin! Und einerseits genieße ich es, einfach nur daliegen, nicht mehr denken, nix mehr tun, meistens krault T. mir dann auch noch den Rücken -mehr brauche ich eigentlich nicht zum Glücklichsein.
Und trotzdem rumort es manchmal in meinem Bauch und ich frage mich: kann es das schon gewesen sein? Nicht nur, dass ich abends keine Lust habe irgendwas zu unternehmen, nein, ich kann mich ja nicht mal aufraffen, noch ein paar andere ausstehende Dinge zu erledigen. Seit Wochen will ich zum Beispiel hinter dem Sofa eine „Bilderwand“ gestalten. Also Fotos auswählen, rahmen und die Rahmen dann an der Wand positionieren. Ich kann nicht. Ich will nicht. Ich bin müde. Ich mag ins Bett. Verrückt, oder?
Heute durchbreche ich aber die Gewohnheit und treffe mich mit S., meiner lieben, eigentlich fast ältesten Freundin. Wir wohnen eigentlich nur zwanzig Autominuten auseinander, sehen uns aber wirklich nicht so oft. Sie steckt genau wie ich, bis über beide Ohren im Kinder- und Schulchaos, einem anstrengenden, verantwortungsvollen Schichten-Job, Mann, Familie… Wir halten immer Facebook-/WhatsApp-Kontakt, sind über das Leben der anderen auf dem Laufenden und wenn wir uns sehen ist es, als wäre garkeine Zeit vergangen. Schön. Ich freu mich. Das wird uns beiden gut tun.

Gerade ist mir aufgefallen, dass heute ja der 26. ist. Hab ich garnicht drangedacht. Heute ist der Geburtstag meiner Ex-Besten-Freundin/Trauzeugin/Taufpatin… Ein Jahr haben wir uns schon nicht gehört, ein paar Mal sehr unerfreulichen E-Mail-Kontakt gehabt, das war´s… Bin ich traurig? Vermisse ich etwas? Fehlt sie mir? Nein. Nein. Nein. Schade. Trotzdem bin ich ein wenig melancholisch. Wir haben coole Sachen miteinander erlebt, vieles geteilt, eine intensive Zeit zusammen verbracht. Und was bleibt? Leider nur ein schales Gefühl. Ich habe sie zum Schulanfang ihres Patenkindes eingeladen. Sie hat sich nicht einmal bei ihm gemeldet. Nicht angerufen. Nicht geschrieben. Nichts. Ihr Verhalten (vor allem F. gegenüber) enttäuscht mich nach wie vor maßlos. Das habe ich ihr nicht zugetraut.
Manchmal frage ich mich, was sie so tut. Ob sie wohl ihr Leben in den Griff gekriegt hat? Ob endlich ein guter Mann an ihrer Seite ist? Ob sie ihre beruflichen Träume verwirklichen konnte? Oder ob sie weiter ihr egoistisches, rastloses Leben lebt?
Egal. Das ist ein Teil meiner Vergangenheit. Das Schöne will ich mir in meiner Erinnerung nicht nehmen lassen. Das Schlechte wird bestimmt irgendwann verblassen.
Nur so ein kleiner, stechender, unangenehmer Funke bleibt, der mich überlegen lässt, ob ich nicht doch noch einmal Kontakt mit ihr aufnehmen, ihr mal so richtig meine Meinung sagen sollte…. ach, Quatsch. Leben und leben lassen. Oder getreu ihres Lebensmottos:“Love me or leave me!“


Hinterlasse einen Kommentar

Guten Abend (Dienstag, 11. Juni)

Wieder ein Tag fast vorüber. Ich fühle mich entspannt und gelöst.
Es ist ruhig, die Kinder schlafen, von der Terrassentür fließt angenehm kühle Luft ins Wohnzimmer, ich hab endlich meine Umsatzsteuervoranmeldung gemacht, ein paar Rechnungen bezahlt und werde mich jetzt gleich noch ein bisschen mit Theologie beschäftigen – die letzte große Prüfung.

Heute die große Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik. Und sie war Wahnsinn. Ich hab mit vielem gerechnet, versucht möglichst viel in begrenzter Zeit in mein Hirn zu bringen. Psychologische Theorien, pädagogische Prinzipien, IQ-Werte von geistigen Behinderungen, was weiß ich, die Bandbreite war riesig, gestern Abend hab ich gedacht, mein Gehirn hat sich irgendwie aufgelöst, ich hatte nur noch Inhalte aber keinerlei Struktur mehr. Welcher Psychologe gehört zu welcher Theorie? Gehört Transition zu Psychologie oder Pädagogik? Völliges Chaos.
Heute dann die beiden Prüfungen zur Auswahl: echt happig. Ich hab mich schwer getan auf einen grünen Zweig zu kommen, mich zu entscheiden, raus zu finden, was gefragt ist, wo mein Schwerpunkt liegen sollte. 28 Seiten und vier Stunden später war ich echt fertig mit der Welt. Eine Theorie völlig vergeigt, mit der Zeit mit Ach und Krach zurecht gekommen, unheimlich viel gelabert, das Gesamtkonzept aber irgendwie doch nicht stimmig. Schade. Ausgerechnet in den Fächer…
Aber gut, eine Vier wird´s bestimmt und das sollte reichen. Damit kann ich umgehen.

Jedenfalls rückt das Ende immer näher. Und das ist definitiv ein Grund zur Freude! Ich freue mich auf einen lern- und druckfreien Sommer, auf viele laue, entspannte Abende auf der Terrasse, auf Grillen mit Freunden, Besuche auf dem Tollwood-Festival, Biergartenbesuche, …
Aber trotzdem bin ich schon jetzt wehmütig. Ich habe mit diesen Leuten eineinhalb Jahre verbracht. Ein- bis dreimal in der Woche, bin mit ihnen durch tiefe Frusttäler und euphorische Glücksmomente gegangen, uns hat das gleiche „Schicksal“ verbunden, der unbedingte Wille, diese Ausbildung zu machen und zu schaffen, gleichzeitig aber unser „normales“ Leben mit Beruf und Familie weiter aufrecht zu erhalten. Wir haben uns unterstützt, motiviert und bei den anderen ausgekotzt, privates Leid geteilt und sind – ja, irgendwie so eine Art Freunde geworden. Nicht mit allen gleich, aber einige dieser Frauen sind mir sehr ans Herz gewachsen, sind mir sehr nahegekommen und haben mich nahe an sich herangelassen. Das ist was ganz Besonders. Ein Geschenk. Noch dazu, wo diese Ausbildung auch ein gewisses „Darauf-Einlassen“ von uns gefordert hat. Ich habe mich selten über so einen langen Zeitraum mit mir selber beschäftigen müssen, über meine Einstellung, meine eigene Biographie, meine Art mit Dingen umzugehen nachdenken und reflektieren. Ich habe versucht diese einmalige Chance zu nutzen. Auch wenn es manchmal ziemlich weh getan hat und unbequem war. Aber wie oft kriegt man die Möglichkeit, sich „begleitet“ und „moderiert“ mit sich selbst auseinander zu setzen. Dadurch sind wir aber natürlich auch empfindsam, verletzlich geworden. Wir haben diese Situation nie ausgenutzt und so konnte innerhalb einer sehr kurzen Zeit, ein sehr enges, vertrautes Verhältnis unter uns entstehen.
Ich werde das vermissen. Wir werden uns bestimmt wiedersehen, auch wenn wir quer durch ganz Bayern verstreut sind, mit einigen wird der Kontakt abreißen, andere werden hoffentlich Freunde bleiben.

So, ich bin ganz pathetisch. Und dass, obwohl die Zeit ja noch gar nicht um ist. Merkwürdig. Wo ich doch eher der pragmatische Typ bin…

Puh, was kann ich noch erzählen? Vielleicht, dass ich einen richtig wunderschönen Nachmittag mit meinen Jungs hatte? Ich hab sie gleich nach der Prüfung abgeholt, wir waren schnell einkaufen und dann haben wir Baby B. auf den Fahrradkindersitz geschnallt, sind zu dritt zum Spielplatz geradelt, die Jungs haben getobt, ich hab ein bisschen mit Müttern gequatscht (obwohl ich ja bekannter weise Mütter per se eher doof finde, noch dazu solche, die am Spielplatz rumsitzen – aber das ist ein ganz anderes, durchaus zu klärendes Thema!!) und danach sind wir noch eine richtig ordentliche Strecke geradelt. Da hat F. ganz toll durchgehalten und es war ein riesiger Spaß mit ihm so unterwegs zu sein. Baby B. war irgendwie auch ganz zufrieden, hat gegluckst und gequatscht und fand es ganz toll, wenn F. direkt neben uns gefahren ist – da musste er immer furchtbar kichern.

Auch da drauf freue ich mich. Auf Ent-Spannung. Im wörtlichsten Sinne. Ich will einen Nachmittag so verbringen können, ohne ein schlechtes Gewissen oder blödes Gefühl zu haben, weil ich ja eigentlich noch lernen müsste.
Vielleicht ist das aber auch weitreichender, vielleicht bilde ich mir nur ein, dass mit dem Ende der Prüfungen die Situation sofort einfacher und besser werden müsste. Vielleicht liegt die Situation aber auch dem Alltag geschuldet. Ja, ich glaube, ich muss das Ganze etwas grundsätzlicher angehen, überlegen, was ich zum Entschleunigen und Entspannen brauche. Wie die Situation sein muss, damit ich das besser hinkriege…

Mir fällt gerade auf, dass sich meine Einträge tagsüber von denen am Abend gravierend unterscheiden. Tagsüber bin ich viel klarer, da ist es nicht so ein gedankenvolles Gelaber ohne echten Anfang oder richtiges Ende…

Gut, dann ist jetzt wahrscheinlich auch der richtige Moment damit aufzuhören und mich endlich nicht mehr vor Reli zu drücken.
Wenigstens die interreligiöse Erziehung presse ich mir noch in mein eh schon übervolles Hirn. Hurra.
Gute Nacht. Dann später. Ich sag ja, Gelaber…

Farbe des Tages: rosa – ist mir heute einfach so
Stimmung: gelöst, ein bisschen traurig, nachdenklich
morgen: vormittags hab ich noch mal lernfrei – ich werde mich langsam an dieses Freihaben gewöhnen, wenn das so weiter geht…
Donnerstag: letzte ganz große Hürde
Donnerstagabend: gehe ich um 19:30 Uhr ins Bett und werde um spätestens 20:00 Uhr schlafen
bis dahin: bin ich konsequent