meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Und das Leben ist endlich!

5 Kommentare

Was für ein bewegender Freitag!

Den ganzen Vormittag war ich aufgeregt, angespannt und durcheinander.

Eigentlich hat sich das erst gelegt, als wir um halb zwei – alles Organisatorische hinter uns lassend – angekommen sind. T. , F. und ich. Und sie alle da waren. Leute aus längst vergessenen Tagen, die zu längst vergessen geglaubten Erinnerungen gehören. Die Sonne und die frühlingshaften Temperaturen haben diesem merkwürdigen Tag sein Übriges gegeben. Eigentlich erwartet man an so einem Tag Regen. Wolkenbruchartigen Regen. Sintflutartigen Regen. Eiseskälte. Jedenfalls ein, der Trauer angemessenes Wetter.

Stattdessen war es warm, die Leute, A.´s Wunsch entsprechend (zumindest die allermeisten) nicht schwarz gekleidet, auf dem Kirchenvorplatz in kleinen Grüppchen zusammenstehend, hin- und hergerissen zwischen Wiedersehensfreude und der Absurdität des Anlasses.

So viele Menschen! Fahnenabordnungen von Feuerwehren (A. war jahrelang Feuerwehrkommandant der örtlichen Feuerwehr) nicht nur aus dem Landkreis, sondern bis hin nach Südtirol. Die Bürgermeisterin. Der Landrat. Unglaublich.

Die Kirche schnell voll, T., F. und ich in der dritten Reihe, direkt bei unseren Freunden. A.´s Schwester und Mutter im direkten Blick. Zwei starke Frauen.

Der Gottesdienst, gehalten vom Jugendpfarrer aus eben diesen alten Zeiten, der extra zu diesem Anlass aus Regensburg angereist ist, liebevoll, persönlich und rührend. Zu Tränen rührend. Da gab es dann doch mehrere Stellen, an denen es mich sehr geschüttelt hat.

Ganz zum Schluss haben sie dann von Schandmaul „Euch zum Geleit“ gespielt, das war für viele richtig schwer, noch dazu wo A. so ein großer Schottland-Fan war und der Text wie von ihm und für ihn geschrieben zu sein scheint….

Der anschließende Zug zum Friedhof wurde von einem Dudelsackspieler angeführt und war unglaublich lang.

In die Aussegnungshalle sind wir gar nicht mit reingegangen, aber das ging sowieso ganz schnell, am Grab sind dann wieder alle zusammen gekommen.

Als die Familie und die ganzen „Offiziellen“ am Grab gewesen waren, dann plötzlich eine Schrecksekunde, plötzlich erklang Hardrock über den Friedhof. Und dann mussten die ersten auch schon lachen. Na klar, das hatte er sich so gewünscht. Schließlich sollte das eine Party werden!

Zurück am Gemeindehaus waren es vielleicht noch hundert Leute, es gab ein bisschen was zu essen, ein paar letzte Tränen, viele Gespräche und unglaublich viele Umarmungen. Warme Worte. Warme Gefühle. Es war ein bisschen wie Nachhause kommen. Oder nein, doch eher, wie ein zwanzigjähriger Dornröschenschlaf. Aufgewacht, das Leben ist irgendwie weiter gegangen, alle sind älter geworden, es sind unheimlich viele Kinder da, viele sind verheiratet oder schon nicht mehr, und trotzdem ist es, als wäre man nie weg gewesen.

A.´s Schwester hat sich tapfer geschlagen, ich glaube, sie war wirklich glücklich. Es war genau so, wie ihr Bruder es sich vorgestellt hat. Wie er selbst gefeiert hätte. Sie hat sich so bemüht, so gekämpft, so viel dafür getan – und alles ist aufgegangen. Alle waren da. Es wurde immer und immer wieder auf ihn getrunken. An ihn gedacht. An ihn erinnert. Über ihn gesprochen. Im Guten und Lustigen. Den totkranken, sterbenden A., den hat es an diesem Abend nicht mehr gegeben. Da war nur noch unser Freund unter uns, der aus den alten Zeiten, aus denen wir uns alle kennen. Mitten unter uns. Einfach so.

Um halb acht sind wir gefahren. Ich war fix und fertig.

Wir haben im Familienbett noch ein bisschen zusammen gefernseht. Die Kinder sind eingeschlafen. Und dann sind nochmal meine Tränen gekommen. Haben mich völlig überfahren. Waren plötzlich da und wollten gar nicht mehr aufhören. Und so ist T. einfach bei mir gelegen, hat mich gehalten und mich weinen lassen. Endlich. Mir war gar nicht so bewusst, dass ich in den letzten Wochen nicht mal richtig Zeit hatte zum Trauern. Und da war sie, meine Trauer. Und es war okay. Und dann habe ich geschlafen.

Bin seit zwei Tagen noch ein bisschen wattig, immer noch müde, aber es ist gut.

„An rud a líonas an tsúil líonann sé an croí“ – Was das Auge mit Tränen füllt, füllt das Herz mit Freude

Gute Reise mein Freund!

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

5 Kommentare zu “Und das Leben ist endlich!

  1. ❤ …schön, dass es nach seinem Wunsch gegangen ist und ihr alle ein Teil sein durftet. was besonderes wie er eben. Alles gut. Auch deine Tränen.
    Hab eine gute Woche.

  2. dieses lied von schandmaul ist grandios….
    ich kenne es schon länger. es drückt soviel liebe und verbundenheit aus….wahnsinn.
    eine zeit zum trauern zu haben ist wichtig und gut, dass du diese zeit (wenigstens ein kleines stück) am gleichen abend noch bekommen konntest.
    sich, wenn auch zu keinem schönen ereignis, wie beerdigung, sich wiederzusehen. aber sich zu umarmen und beieinander zu sein ist wundervoll

    alles,alles liebe
    babs

  3. Wahnsinn. Ich komm mir vor, als wäre ich dabei gewesen. Dann hab ich das Lied angemacht und jetzt hab ich Tränen in den Augen. Ich weiß wieder warum Schandmaul eine verdammt gute Band ist.

    Trotzdem glaube ich, dass das die beste Beerdigung war, von der ich jemals gehört habe.
    Ich drücke dich virtuell einfach mal ganz fest!

  4. Dankeschön das du so einen Moment mit uns geteilt hast….er wirkt sehr schwer und gleichzeitig herzlich und mit liebevollen Worten……Ich freue mich für dich, dass es eine sooo schöne (Trauer)Feier war….es ist so als würde man diesen Menschen kennen…und das nur durch deine Erzählung…mein herzliches Beileid!

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