meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Traurig

7 Kommentare

shield-492989__180[1]Manchmal erkennt man eben genau das. Es gibt nicht richtig und nicht falsch. Nur den ganz eigenen, völlig subjektiven Weg.

Und deshalb kann ich meiner lieben, alten Freundin S. eigentlich auch gar nicht böse sein. Wobei sich das blöde Wort „eigentlich“ eingeschlichen hat, was natürlich bedeutet, dass ich schon irgendwie sauer bin.

Wir sind so unglaublich viele Jahre befreundet. Kennengelernt mit süßen Siebzehn, Liebeskummer, schreckliche Klamotten, wilde Partys (der Rechtschreibfuzzi hier will allen Ernstes, dass ich PartYs schreibe und nicht PartIEs! Stimmt das???), durchquatschte Nächte und immer den selben schrägen Humor geteilt.

Dann, mit 23/24 aus den Augen verloren, ich bin mit meinem damaligen Freund in die Stadt gezogen, hab meine Ausbildung gemacht, gearbeitet…

Wiederentdeckt an dem Tag, an dem sie mit Mann und Baby bei mir 2004 im Buchladen gestanden hat und mir gesagt hat, dass sie mich unbedingt bei ihrer Hochzeit dabei haben will und mich deshalb gesucht hat! Seit dem nicht mehr losgelassen…

Auch schon wieder elf Jahre her! Dazwischen liegen meine Hochzeit, meine beiden Kinder, vier gemeinsame Familienurlaube, unzählige Treffen, gelachte und geweinte Tränen, lustige und nachdenkliche Stunden. Unsere Männer sind zu Freunden geworden, unsere Kinder vertragen sich (noch) gut (so lange uns die Pubertät keinen Strich durch die Rechnung macht! 😉  ).

Und jetzt?

Vor etwa einem halben Jahr hat sie sich entschieden abzunehmen. Was ja an sich kein schlechter Plan ist. Sie war auch schon vorher unzufrieden mit ihrem anstrengenden Job. Eigentlich auch irgendwie mit ihrer Ehe. Mit der Gesamtsituation.

Hat sich radikal und drastisch verändert. Zuerst nur körperlich. Was anfänglich auch noch schön anzusehen war. Dann nicht mehr. Mit jedem weiteren Kilo wurde sie unzufriedener. Kantiger. Spröder. Noch unzufriedener. Die Beziehungsprobleme wurden offensichtlicher, sie wollte aber nichts tun. Auch nicht reden. Mit mir nicht. Mit anderen Freundinnen nicht. Hatte aber immer kluge Ratschläge für alle in ihrer Umgebung, wie sie ihr Leben zu leben hätten. Nur auf ihr eigenes angesprochen reagierte sie schroff und abweisend.

Wir sehen uns kaum noch, reden nicht, telefonieren nicht. Sind uns fremd, irgendwie verletzt, uns fehlen die Worte. Die Worte um was zu sagen? Um uns Vorwürfe zu machen? Vielleicht ist sie sauer, weil ich jetzt viel mit einer gemeinsamen dritten Freundin zusammen bin? Die mir immer wichtiger wird? Mir immer mehr ans Herz wächst? Die ich aber nie als Ersatz gesehen habe, sondern immer als Ergänzung. Als einen weiteren wichtigen Menschen in meinem Leben.

Oder ist sie sauer, weil meine Ehe, trotz aller Höhen und Tiefen, gut läuft? Weil wir unsere Probleme lösen, weil wir miteinander reden, versuchen, aneinander „dran“ zu bleiben, Zeit miteinander zu verbringen? Ich weiß, dass sie schon manchmal verletzt war, wenn sie im Urlaub mitbekommen hat, wie T. sich mir gegenüber verhält, wie wir miteinander umgehen.

Freunde wenden sich ab und sie scheint es nicht zu bemerken. Sucht sich neue, die aber offensichtlich eher „Sozialprojekte“ sind, Leute, die ihr Leben selbst nicht so richtig in den Griff kriegen, bei denen sie die Starke, Weitsichtige, Helfende, Mutige ist.

Fehlt sie mir? Ja. Erst heute habe ich daran gedacht, weil ich ganz in ihrer Nähe einen Termin habe. Normalerweise eine gute Gelegenheit vorher oder nachher auf einen Kaffee bei ihr reinzuschneien und eine Stunde sämtliche Neuigkeiten zu bequatschen, zu lästern und ordentlich zu kichern. Heute mache ich das nicht. Es geht nicht. Ich bin befangen.

Ich gebe mir Zeit bis nach unserem Urlaub. Ich weiß, dass sie dann wieder weniger arbeitet, dass sich unser Alltag dann wieder eingependelt hat. Dann will ich reden. Ich will in ihr Gesicht sehen. Ich will die Situation betrauern. Will ihr sagen, dass es mir weh tut. Will nicht mehr für mich alleine weinen. Will, dass sie dabei ist. Will ihr sagen, dass ich eine Entscheidung getroffen habe. Nämlich die, endlich zu reden. Und die, dass ich so nicht mehr ihre Freundin sein mag weil es mir nicht gut tut. Und dass ich glaube, dass sie für sich erstmal mit ihrem Leben klar kommen und Dinge regeln und auf den Weg bringen muss. Und wenn sie mich braucht, dann werde ich immer für sie da sein. Logisch.

Aber sie muss/kann nicht meinen Weg gehen, den Weg, den ich an ihrer Stelle gehen würde, den ich richtig finde. Sie muss ihren finden und gehen. Und das muss ich aushalten.

Und dann werde ich ihr noch sagen, dass wir uns gegen sie als Patentante für B. entschieden haben und für die andere Freundin. Nicht um ihr eins auszuwischen, sondern nur aus dem Bauch raus.

Und dann werde ich sie ganz doll drücken – und gehen…

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

7 Kommentare zu “Traurig

  1. Das hört sich ganz schön traurig an. Aber ich glaube ich würde das genauso machen…. auch wenn es weh tut, die Freundin die Bauchentscheidung nicht verstehen wird….. bleib Dir treu. Alles Gute!

  2. Extrem traurig, aber deine Entscheidung ist die richtige! Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es hier um Neid geht. Zumindest unter anderem. Das geht es viel zu oft. Ich drücke, dass es einigermaßen gut wird.

    • Ja, komisch, oder? Dass Neid so ein wichtiges Thema zu sein scheint. Schade und traurig. Auch wenn ich mich selbst vermutlich nicht immer davon freisprechen kann…
      Danke für Deinen Zuspruch! Hat mich sehr gefreut!

      • Ich bin auch manchmal neidisch, auch auf meine Besten. Aber nicht, ohne es ihnen zu gönnen. Ich FREU mich doch auch für sie – selbst wenn ich selbst auch gern in der Situation wäre… Schwierig, echt.

  3. Viele Frauen versprechen sich selber das Blaue vom Himmel vom Abnehmen – sie erwarten das alle ihre Probleme sich aufloesen wenn sie erst ihre Traumfigur haben. Dann herausfinden dass das nicht stimmt, das glaube ich schon dass das bitter sein kann. Vielleicht hat sie gedacht ihre Ehe und Karriere wird dadurch belebt wenn sie duenn wird.

    • Ja, das glaube ich auch. Und dass das bitter ist, kann ich mir auch vorstellen.
      Aber sie hätte und hat ja auch jede Chance immer noch für ihre Seele was zu tun, für ihre Ehe, für ihren Job, dafür ist es ja (noch) nicht zu spät.
      Aber das erfordert eben mehr Mühe, als „nur“ ein paar Kilo abzunehmen…
      Danke für Deine Gedanken!

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