meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Manchmal…

2 Kommentare

…ist das Leben merkwürdig.
Scheinbar ungerecht, unberechenbar und willkürlich.

Und in dieser Willkürlichkeit schwer zu ertragen.

Gerade noch war Samstag. Ein glücklicher, unbeschwerter, lustiger Samstag. Zumindest für T. und mich. Und das frischgebackene Brautpaar. Eine schöne Hochzeit. Ein heißer Sommertag. Gutes Essen, mehr oder weniger gute Musik, am späten Nachmittag dann Wein in rauen Mengen und eine Hochzeitsgesellschaft außer Rand und Band (und die mittelmäßige Band, die sich als echter Partykracher präsentiert hat!), ein lustiges Aufeinandertreffen von Ost und West (Braut Brandenburgerin, Bräutigam Bayer), neue Freundschaften, ein nettes Hotelzimmer, T. und ich ohne Kinder…

Und Sonntag. Noch so ein heißer Sommertag. Noch ein bisschen verkatert mit dem Rest der Gesellschaft vom Vortag gefrühstückt, nach Hause, gefreut, dass es so toll geklappt hat mit der Oma und BEIDEN Jungs über Nacht. Einen Abstecher zum sehr überlaufenen und gnadenlos heißen Flughafenfest gemacht um dann einfach zuhause den Rest des Nachmittages auszuruhen…schön. Ruhig. Entspannt.

Und dann ist Montag. Plötzlich ist es – nach sintflutartigen Regenfällen in der Nacht – wieder sehr kühl und so sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Auch in meinem Herzen. Aber das wusste ich am Morgen, im üblichen Chaos noch nicht. Klar war viel los. Klar war in der Arbeit viel zu tun. Klar war ich müde. Also alles so weit normal….:DD

Dann die kurze Nachricht meiner lieben Freundin S., sie musste sich (während T. und ich so glücklich und ausgelassen gefeiert haben) am Samstag, von ihrem Freund trennen. Eine ganz große Liebesgeschichte. Sie ist eine tolle Frau, war schon mal verheiratet, hat zwei Kinder um deren Wohl und Weh sie sich seit vier Jahren, seit der Scheidung, wirklich ganz großartig alleine kümmert. Hält aber auf der anderen Seite auch den Kontakt zu ihrem Exmann freundschaftlich aufrecht, kümmert sich, dass die Kinder ihn regelmäßig sehen und er in ihr Leben weiterhin Einblick behält.
Hat bislang jeden neuen Mann von den beiden ferngehalten um ihnen weiteren Kummer zu ersparen.
Und jetzt, gerade mal vor drei Monaten, hat sie sich Hals über Kopf in DEN Traummann verliebt. Alles schien perfekt. Und nachdem er mehrere hundert Kilometer entfernt lebte, beiden aber völlig klar war, dass sie aber wohl für einander bestimmt sein müssten, hat er seine Zelte abgebrochen und ist – für viele vielleicht unverständlich – zu ihr gezogen. Hat zum ersten Juni hier eine Arbeit gefunden, sich super mit ihren Kindern verstanden, die ihm bereitwillig ihre Herzen geöffnet haben. Er hat selbst viel Erfahrung mit Kindern, ist er doch auch Vater, und kann sich entsprechend verständnisvoll einbringen. Sollte man zumindest meinen.

Aber mit dem Alltag kamen nun eben auch die Probleme. Seine neue Arbeit wohl anstrengender für ihn als erwartet, ein langer Arbeitsweg. Die beiden Kinder, sicher keine ruhigen Lämmchen. S. eine energetische Powerfrau mitten im Leben, die weiß was sie will, aber eben auch, was nicht.
Wahrscheinlich war es ihm zu viel. Zu viel auf einmal. Irgendwie verständlich. Nur, dass er plötzlich seine Sprache verloren hat, sich ein großes Schweigen zwischen den beiden aufgetan hat, das ist nur schwer zu kapieren. Dass er, als über 40-Jähriger sich nicht verständlich machen kann, seine Bedürfnisse äußern, mit ihr gemeinsam einen Weg finden kann – für ihre gemeinsame Liebe…sehr merkwürdig.
Stattdessen hat er auf ihre Nachfrage hin angefangen völlig unsachlich auszuteilen. Ihre Kinder seien asozial. Ihr Erziehungsstil sei unter aller Kanone. Ihre Freunde würden sie anlügen, wenn sie ihr das nicht sagen würden. Und überhaupt sei jetzt alles anders als bei seinen Besuchen. Sie würde gar nicht mehr so schönes Frühstück machen. Und der gute Kontakt zum Exmann gefalle ihm gar nicht. Das sei ja wohl auch nicht normal…Und er müsse jetzt tun, was ein Mann tun müsse – und dann hat er ihr den Wohnungsschlüssel und den „Liebes“-Ring hingeschmissen und ist abgerauscht. Ohne Geld, lediglich mit einer Reisetasche voll mit seinen Sachen, einem leeren Wohnheimzimmer, ohne Freunde, ohne alles…
Aber nicht ohne Drama! Natürlich hat er sie wieder angerufen. Er hätte jetzt seit 48 Stunden nichts gegessen. Wie sie das fände. Er würde jetzt doch gerne in ihren Armen liegen. Aber reden wolle er nicht. Und ihre Kinder wären immer noch verzogen. Und nach München gezogen sei er auch nur weil sie das so gewollt hatte….

Sie tut mir so leid. Wirklich. Da glaubst du echt, du hast ihn gefunden. Den Mann. Zum Leben teilen. Ohne größere Altlasten. Öffnest ihm dein Herz. Dein Vertrauen. Lässt ihn an deine Kinder heran. Auch sie schenken ihm ihr Vertrauen. Akzeptieren einen neuen Mann an Mamas Seite. Was ja auch nicht ganz ohne Vorarbeit und Mühe zu bewerkstelligen ist. Und dann das.
Alle sind verletzt. Und enttäuscht. Nach so kurzer Zeit. Und zurück bleibt ein riesiger Scherbenhaufen. Und eine Mutter, die wieder einmal für ihre Kinder stark sein muss. Die sich nichts anmerken lässt. Eine Rolle spielt. Nein, alles okay. Seid nicht traurig. Die die Wunden der Kinder versorgen wird, die Tränen trocknen. Mit ihren Selbstvorwürfen umgehen muss. Hätte ich doch nur keinen Mann… Die die Mauern wieder hochfahren, und für lange Zeit keinen Mann in ihre Nähe lassen wird. Und die doch eigentlich auch ein Recht darauf hat nicht nur Mutter sondern auch Frau zu sein…

Abends dann noch ein kurzer Whatsapp-Dialog mit meiner anderen liebsten Freundin S., wo ich nur am Rande gehört hatte, dass der Vater eine Lungenentzündung haben sollte und sie überlegen, ob sie ihn ins Krankenhaus bringen oder nicht. Sie feiert am Wochenende ihren 40ten Geburtstag und ich habe nachgefragt, ob ich ihr noch irgendetwas abnehmen kann. Ist ja wohl auch gerade ein bisschen viel…
Darauf kam nur die Antwort, er wäre jetzt im Krankenhaus mit Verdacht auf Lungenkrebst, ich solle bitte nichts dazu sagen, es niemandem erzählen, sie würde sich auch erst damit auseinander setzen, wenn die Diagnose sicher sei.
Tausend Gedanken in meinem Kopf…der ist doch noch nicht mal siebzig. Mensch, S. raucht, die soll bloß schnell aufhören! Was ist, wenn er stirbt?? Sie wird die Feier absagen…was kann ich tun?
Natürlich habe ich nur geschrieben, dass ich sehr an sie denke, ihre Wünsche aber selbstverständlich respektiere. Heute Morgen habe ich ihr noch einmal geschrieben, dass ich meine Daumen drücke und meine Gedanken bei ihr sind, da kam nur ein harsches „Ich arbeite, keine neuen Informationen“ zurück…. puh, ich vermute, sie drückt ihre Gefühle weg und lässt das gar nicht an sich ran…Was für ein Debakel.

Und ich fühle mich so hilflos. Und traurig. Und mitleidig. Mit beiden.
Und gleichzeitig demütig und dankbar. Ich habe einen Mann. Und zwar einen von den Guten. Keinen Psycho. Auch wenn ich manchmal meckere und motze. Aber ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Und das tue ich auch. Und wir sind alle gesund. Einschließlich unserer Eltern. Ich meine, man weiß natürlich nie, was noch kommt. Aber jetzt, in diesem Moment sind wir gesund. Und dafür bin ich dankbar.

Und trotzdem strengt mich diese scheinbare Willkür an.

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

2 Kommentare zu “Manchmal…

  1. Ja. Es ist ungerecht willkürlich.

    Und ja. Du hast Glück. Ihr habt Glück. Und trotzdem das Recht und die Pflicht, miteinander zu motzen, wenn es so sein soll.

    Manche Menschen lieben eben SICH. Manche nur die Vorstellung vom anderen. Und wenn der eine den anderen, der andere aber nur ein Bild liebt, ist es verständlich (für den Bildliebenden) und gut (für den Echtliebenden), dass das nicht klappt.

    Schick Deiner Freundin einen Sonnenstrahl von mir, unbekannterweise. Es schmerzt mich, zu lesen, dass wieder eine Göttin verarscht wurde.

    Die Daumen für Deine andere Freundin sind gedrückt. Ich hoffe, dass es ihrem Vater bald besser geht.

    Und Dir übersende ich eine warme Umarmung. Du bist einfach gut, so wie Du bist. Schön, dass es Dich gibt 🙂

  2. Danke – wie immer – für Deine lieben und passenden Worte!

    Wobei mich das Thema „Willkür des Schicksals“ ja immer wieder beschäftigt und ich, wenn ich ehrlich bin, ja dann doch zu denen gehöre, die irgendwann hinterher (manchmal auch erst sehr viel später!) wissen, wofür der jeweilige Schicksalsschlag oder die merkwürdige Abzweigung letztlich gut gewesen ist. Bisher hat noch alles Sinn gemacht. Auch, wenn sich das einem natürlich mitten in so einem schmerzhaften Moment überhaupt nicht erschließt.
    Trotzdem frage ich mich, ob es nicht ein wenig „netter“ wäre, die ein oder andere Lektion ohne Dramen, Verletzungen, Verluste oder sonst welche Krisen zu lernen, was meinst Du? Oder sind wir wirklich so dumm und schwer von Begriff, dass wir es immer auf die ganz Harte brauchen??

    Die Umarmung nehme ich gerade sehr gerne und die damit verbundenen Worte auch – manchmal fällt es mir schwer, das so zu glauben und für diese Momente werde ich mir jetzt einfach einen „Liebe-Worte-Speicher“ anlegen…
    Drück Dich zurück!

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