meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Eine schwere Zeit

Ein Kommentar

Aber warum nur? Warum scheint im Moment jede Sorge gleich 150 Kilo zu wiegen? Warum ist alles SO schwer?
Bin ich hysterisch, ausgeflippt, durchgeknallt?

Ich weiß, es ist wahrlich nicht das erste Mal in der letzten Zeit, dass ich mich mut- und kraftlos fühle, müde, ausgepowert, leer.

Aber gerade jetzt, wo ich ein paar für mich sehr wichtige Dinge regeln konnte, wo ich die Reha endlich genehmigt bekommen, mir den Bänker für die nächste Zeit vom Hals geschafft habe, meine Gesundheit (endlich wieder) wichtig nehme, gerade jetzt sollte ich doch eigentlich voller Energie, Kraft und Zuversicht sein.

Statt dessen verdrücke ich mir den ganzen Tag die Tränen und eine Kleinigkeit bringt mich gleich aus dem Gleichgewicht.

Für heute war der nächste Termin im Klinikum angesagt. Nein, ich drücke mich nicht mehr. Ich sehe den Tatsachen ins Auge. Ich stelle mich.
Und so war ich heute also zuerst einmal in der Rheumatologischen Ambulanz, habe mir gefühlte tausend Fragen stellen lassen. Mich ausführlich abhören, abklopfen und mir den Blutdruck messen lassen. Gut: das Gefühl gehört und ernst genommen zu werden.
Dann weiter in die Nephrologie (bis heute kannte ich nicht mal die Bedeutung dieses Wortes…) eine riesen Urin- und Blutuntersuchung, Ergebnis noch offen.
Und dann noch ein großer Ultraschall von Leber und Niere. Sehr interessant. Scheinbar kann eine Stenose im Kopf auch etwas mit einer Stenose in der Niere zu tun haben. Irgendwie aufschlussreich, gleichzeitig für mich als medizinischen Laien aber auch total unverständlich. Jedenfalls sind Leber und Niere top in Schuss, damit kann es also nichts zu tun haben.

Jetzt heißt es wieder abwarten, am Donnerstag mache ich bei meinem Hausarzt noch das Langzeit-EKG und nächsten Mittwoch ist dann der abschließende, zusammenfassende und hoffentlich ein Ergebnis bringende Termin noch einmal in der Neurologie.
Das Kind braucht endlich einen Namen, damit wir anfangen können miteinander zu leben oder aber ich den Kampf aufnehmen kann. Je nachdem.

Diese Krankenhaustermine schlauchen mich sehr. Auch wenn das Schlimmste, was mir heute „angetan“ wurde, das unangenehme Ultraschall-in-den-Bauch-Gedrücke war, nein, es geht nicht um körperliche Qualen sondern immer mehr um ein Anerkennen, dass etwas mit mir nicht stimmt. Dass es ein echtes Problem gibt. Dass ich ein Teil dieser Krankenhaus-Maschinerie bin und mich da zurecht finden muss. Ich muss meine Krankenhaus-Phobie überwinden, mich reinergeben, die Kontrolle abgeben. Harter Tobak. Und so fühle ich mich nach so einem drei Stunden Marathon auch völlig erschöpft und unglaublich müde.

Gut, dass meine Freundin S. vorgesorgt und mir ein wunderbares Mittagessen vorbereitet hat. Und ein Erdbeer-Spargel-Salat mit Pinienkernen kann durchaus die Seele streicheln…

Und dann das nächste Drama. F. kommt aus der Schule nach Hause. Die nächste Deutsch-Probe im Gepäck. Wieder eine drei. Jetzt hat er also insgesamt drei Noten, davon zwei Dreier und eine Vier. Und das in der zweiten Klasse!! Wie soll das nur weiter gehen?
Ich fühle mich gerade total ohnmächtig und hilflos. Er macht nur lauter richtig blöde Fehler. Das Gelernte kann er abrufen, er weiß auch worum es geht. Aber zum Beispiel vergisst er vor lauter Schluderei in der Deutschprobe drei I-Punkte. Das sind schon allein eineinhalb unnötige, überflüssige Fehler.
Er bummelt bei der Rechtschreibung, vergisst halbe Aufgaben – gerade noch, dass er seinen Namen richtig schreibt – äh, halt! Auch da vergisst er den I-Punkt!

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich dem entgegnen soll. Er ist ja nicht dumm oder nicht in der Lage, sich Dinge zu merken oder zu lernen.
Klar, mit mehr Aufwand wäre er definitiv besser. Aber da rede ich echt ins Leere. Und von Drohen oder gar Bestrafen halte ich in diesem Zusammenhang rein gar nichts.
Aber wie kann man jemanden motivieren, der eigentlich nicht mal Lust hat, sich motivieren zu lassen, geschweige denn die Sache zu tun, für die man ihn eigentlich motivieren wollte? Ich habe keine Ahnung. Es ist ja nicht so, dass er grundsätzlich nicht motiviert oder lustlos wäre. Er kann stundenlang Hörbücher hören. Er sortiert seine Comics akribisch nach Nummern. Er kann ewig in aller Ruhe aus Lego die wildesten Raumschiff- oder Flugzeug-Kreationen bauen. Oder Fußball spielen. Oder im Garten rumstromern.
Wie mache ich ihm begreiflich, dass Lernen auch zu seinem Leben gehören wird. Gehören muss. Und dass das ein aktiver Prozess ist und einem nicht einfach so im Schlaf zufliegt?

Und klar weiß ich, dass es ihn traurig macht, wenn seine Freunde um ihn herum alle bessere Noten haben. Dass ihn das runterzieht.

Und wo gehe ich mit meiner Angst hin? Dass er es „nur“ auf die Mittelschule schaffen wird, mit einem Quali als Grundlage sein Leben bestreiten muss. Dass ihm nur eine beschränkte Auswahl an Ausbildungsmöglichkeiten offen stehen wird.
Ja, ich weiß, das klingt übertrieben und neurotisch. Er ist ja schließlich erst in der zweiten Klasse. Aber der Stoff wird weder weniger noch einfacher. Im Gegenteil. Das Tempo steigt stetig, der Druck wächst, die Lerninhalte werden umfangreicher.
Ist er dem gewachsen?

Und ganz latent schwingt da auch noch meine – zugegeben total unfaire, unsachliche und gemeine – Enttäuschung mit. Warum fällt ihm das so schwer? Warum tut er sich nicht leichter? So wie ich auch in der Grundschule… Warum mag er nicht lernen? Wieso ist er nicht wissbegieriger, begreift zum Beispiel Lesen als eine ganz große Möglichkeit, sich aufregende Welten und Fantasien selbst zu erschließen? Warum interessiert er sich nicht mehr?
Verdammt, damit muss ich eigentlich klar kommen, dem muss ich Herr werden.

Ich bin so traurig. Für ihn. Und für mich.
Alle meine Vorbehalte gegenüber Schule bestätigen sich. Und ich muss mich fragen: Was kann ich tun? Wie kann ich ihm und mir helfen? Wie kann ich ihm eine konzentrierte Arbeitsweise beibringen? Eine gesunde Selbstmotivation?

Ich sag ja: eine schwere, eine traurige Zeit.

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

Ein Kommentar zu “Eine schwere Zeit

  1. Puh.

    Ich hab ja mit Großkind leichtes Reden. Es ist zum Glück total an Wissenaufsaugen interessiert – was aber nicht heißt, dass es Bock auf Lernen hat. Kind ist in der 6./ 7. Klasse und macht Rechtschreibfehler, da könnte ich austicken. ICH, wo ich doch in Deutsch so ein Ass war (und vielleicht auch noch bin).

    So unsinnig das erscheint: Wenn es alles nur „blöde“ Fehler sind, lass los.

    Lass einfach los.

    Ich sag Dir mal, wie ich zu nem Deutschass geworden bin: Ich hatte meine normalen Rechtschreibschwierigkeiten, wie jedeR andere auch. Ich war total „verschossen“ in ein Mädchen, wollte unbedingt in ihren erlauchten Freundeskreis gehören. Wir schrieben uns Zettelchen, zu einer Zeit, in der ich, körperlich Pubertät gesehen, total durch den Wind war.

    Ich schrieb sie also an, druckste mit meinem Thema rum, traute mich dann doch irgendwie, aufzuschreiben, was mich bedrückte und zu dem ich ihre Erfahrung lesen wollte.

    Was passierte?

    Ich bekam diesen hochsensiblen Brief zurück. Mit lauter rot angestrichenen Fehlern und deren Berichtigung.

    Das war mir so dermaßen scheiß peinlich, dass ich mir seitdem keine Blöße mehr geben wollte und auf richtiges Schreiben geachtet habe. Von ganz allein.

    Und ich hab als Kind Bücher verschlungen. Wie bekloppt.

    So, wie mein Großkind es auch macht.

    Deshalb hab ich mir ganz fest vorgenommen, mich über keinen einzigen Fehler mehr aufzuregen.

    Das, was ich meinem Großkind jedoch antue, ist, dass ich von ihm verlange, dass whatsapp-Nachrichten mit der richtigen Rechtschreibung und Grammatik an mich gehen. Soll es doch mit seinen Freunden so kommunizieren, wie es will – ich bin Mama. Nicht mama…

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