meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Ruhig…

3 Kommentare

…und das in mehrfacher Hinsicht.

Die Ferien sind zu Ende. Nur mir sind noch drei weitere Tage geschenkt.
Und so sind heute morgen meine drei Männer aus dem Haus getigert (schwer genug, wieder um halb sieben aufzustehen und zeitlich in die Spur zu kommen, geschweige denn, in irgendeine Form von Rhythmus zu finden)und es ist ruhig.
Sehr ruhig.
Eigentlich kann ich mit Ruhe und Alleinsein ja bestens umgehen, ja, suche sogar nach solchen Ruhe-Oasen nur für mich. Heute ist das anders. Vierzehn Tage waren wir vier jetzt zusammen. Eigentlich ununterbrochen. Mal waren Freunde an unserer Seite, mal die Familie, mal waren wir unterwegs, mal zuhause. Aber immer zusammen.
Klar geht das nicht ohne den ein oder anderen Streit, ohne Diskussionen.
Im Grunde aber ist es von Tag zu Tag besser gelaufen. Mit steigender Entspannung ist potentiell auch unsere Familienzufriedenheit gewachsen. Eigentlich unglaublich. Und traurig.
Ich habe das noch nie so empfunden. Dass ich es schade finde, dass die Ferien vorbei sind. Nicht, weil der Urlaub um ist und die Arbeit wieder anfängt, sondern weil ich traurig bin, dass wir vier nicht mehr so viel Zeit miteinander auf diese entspannte Art und Weise verbringen können.
Klar frage ich mich, ob es nicht doch möglich ist, etwas davon in den Alltag „rüber zu retten“, aber die Stimme in meinem Kopf sieht das ganz pessimistisch. Zu viel Fremdbestimmung, zu viele Pflichten, zu viel Verantwortung, zu viel (Zeit-)Druck.

Und so sind mein Kopf und mein Herz heute voll und schwer. Ich wollte so vieles hier aufschreiben, habe mir im Geist schon ausgemalt, wie mein erster „richtiger“ Blog-Eintrag im neuen Jahr wohl aussehen wird. Wie mein Jahr 2014 noch einmal an mir vorbei zieht.
Und doch fühle ich mich heute nur bleiern. Und traurig.
Gleich heute morgen hat mich die Nachricht erreicht, dass A., ein lieber Bekannter, der seit mehr als zwanzig Jahren in meinem Leben eine mal mehr, mal weniger intensive Rolle spielt, im Sterben liegt.
Er ist schwer krank. Schon viele Jahre. Hat sich, vor allem dank seiner Zwillingsschwester, immer und immer wieder ins Leben gekämpft. Hat neben all den Stärken, die man braucht, um den Kampf gegen eine so schreckliche Krankheit anzunehmen auch ganz menschliche Schwächen, die ihn umso sympathischer machen. Früher ein großes, kräftiges, starkes, durchaus angstein-flösendes und bei den Frauen immer beliebtes Großmaul, ist er in den letzten Jahren ein gebrechliches, zerfallenes, ängstliches Großmaul geworden. Immer Späße, immer Sprüche, immer seine Schwester gängelnd.
Und nun hat ihm die vergangene Nacht wohl noch sein letztes Relikt vergangener Zeiten genommen. Zwei Schlaganfälle, die ihn rechtsseitig gelähmt und ihm seine Sprache geraubt haben. Vermutlich für immer.
Und nachdem das Schlucken, wie es oft nach Schlaganfällen der Fall ist, wohl andauernd nicht mehr klappen wird, wird noch heute Nachmittag eine Entscheidung getroffen und seine Patientenverfügung kommt zum Tragen. Keine künstliche Ernährung. Was das heißt, will ich mir gerade noch gar nicht ausmalen…

Und wie so oft, wenn ich von solchen Fällen höre, bin ich hin- und hergerissen. Was soll man dem Betroffenen wünschen? Einen schnellen, einfachen Tod? Oder die Kraft sich ein weiteres Mal ins Leben zu kämpfen? Womöglich in ein Leben mit weiteren Einschränkungen?
Und den Angehörigen? Was würde auf seine Zwillingsschwester zukommen, wenn er womöglich noch pflegebedürftiger würde? Was macht das mit ihrem Leben? Ihrem Leben, das sie sowieso schon ihm und seiner Krankheit untergeordnet hat? Oder braucht sie ihn? Das Sich-um-ihn-Kümmern? Verliert sie sonst ihren Inhalt? Und was dann?

Ich weiß, dass er oft und viel Angst hat. Dass er jedes Murren und Knurren in seinem Körper zu deuten versucht und leicht in Panik ausbricht. Meiner Meinung nach auch völlig zu recht. Seine direkte Umwelt ist dadurch oft genervt und gestresst.
Vor allem, wenn er dann den Schwerkranken-Joker zieht und zu rechtfertigen versucht, warum er dies und dies nicht tun kann (mag) und ihm unbedingt noch spätabends jemand frisches Cola oder eine Tüte Chips von der Tankstelle holen muss…natürlich mit einem Augenzwinkern…

Ich wünsche ihm heute schon den ganzen Tag über, dass er keine Schmerzen erleiden und vor allem keine Angst haben muss. Dass ihm in dieser Hinsicht seine Bewusstlosigkeit gnädig ist und ihn nicht weiter leiden lässt.
Dass er loslassen kann, wenn er loslassen möchte.
Dass seine Schwester den Mut aufbringt, womöglich auch gegen den Willen der Mutter, seinen Willen durchzusetzen und ihn – so schmerzvoll das auch sein mag – gehen zu lassen.

Mein lieber A., ich denke sehr an Dich und wünsche Dir, dass Deine Wünsche in Erfüllung gehen…Keep on going…

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

3 Kommentare zu “Ruhig…

  1. Oh Gott, das mit A. tut mir alles so schrecklich leid.
    So grausam wie es klingen mag, aber ich denke, dass es für ihn besser wäre, wenn er loslassen und gehen darf. Auch, wenn er sich zurück ins Leben kämpfen sollte, es wird wahrscheinlich nicht die Art von Leben sein, die er gerne leben würde.
    Soetwas wünscht man wirklich niemanden, sei es dem Betroffenen selbst oder den Angehörigen und Freunden.
    Ich wünsche dir, seiner Familie und seinen Freunden ganz viel Kraft!

  2. Ich fühle mit dir und deinen Freunden. Alles Liebe, K.

  3. Viel Kraft euch allen in diesen Stunden.

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