meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Der nächste graue Tag

6 Kommentare

Und die sind ja jetzt bekanntermaßen nicht gerade nach meinem Geschmack.
Ich warte förmlich aufs Dunkelwerden, damit ich diesen grauen Einheitsbrei nicht länger anschauen muss.
Es fühlt sich an, als würde das Grau von allen Seiten einen Druck auf meinen Körper auslösen, sich wie ein kalter, viel zu enger Jumpsuit um mich legen. Gut, dass um halb fünf schon die Sonne untergeht…

Seit heute Früh beschäftigt mich ein Gedanke: Bin ich herzlos? Und wenn ja, warum???

Jetzt ist es ja so, dass wir eben seit einigen Tagen alle so ein bisschen vor uns hin kränkeln.
Mein persönlicher Tiefpunkt war am Montag beim Aufstehen (ob mir da wohl die Psyche ein Schnippchen geschlagen hat???) und T. hat mir den Vorschlag gemacht, daheim zu bleiben, nachdem es ihm auch nicht so super geht, würde er dann am Dienstag daheim bleiben und ich könnte wenn ich wollte, länger arbeiten.

Guter Vorschlag, so konnte ich, quasi als Zuckerl, dem kleinen B. auch einen kindergartenfreien Tag gönnen, der hatte nämlich auch eine durchgehustete Nacht hinter sich.
Die erhoffte Erholung hat sich allerdings nicht eingestellt, der Rabauke war superfit und wollte spielen und sausen und rennen und schreien – an Ausruhen oder einen Film anschauen war nicht im Traum zu denken.

Wir haben dann mittags F. von der Schule abgeholt, so konnte B. wenigstens eine Stunde radeln und war dann auch zu einem einstündigen Mittagsschläfchen zu bewegen.
Danach ging´s aber munter weiter, nur mit dem Unterschied zu vorher, dass ich jetzt ZWEI zappelige, unausgelastete Kinder daheim hatte…
Als T. dann am Abend nach Hause gekommen ist, habe ich mich eigentlich noch elender gefühlt als am Morgen!

Gestern bin ich also, wie verabredet, in die Arbeit gefahren, so richtig bettlägerig war und bin ich ja auch nicht, es ist nur so ein allgemeines Unwohlsein, gepaart mit Halsweh und Husten. Und Müdigkeit, weil eben beide Kinder (fast ausschließlich) nachts husten und mich entsprechend vom Schlafen abhalten.

T. war zuhause und hat da alle gemanagt. War dann am Nachmittag sogar noch mit den beiden draußen – also alles soweit gut.

Wir waren dann ganz vernünftig gestern schon gegen acht im Bett, haben noch gelesen und T. ist um halb zehn schon eingeschlafen. Klar, dem geht es ja auch nicht so gut.
Ich hatte, gelinde gesagt, eine Scheißnacht. Erst konnte ich gedankenschwer wieder einmal nicht einschlafen und dann hat der kleine B. fast im Minutentakt abwechselnd Liebe, Zuwendung, was zu trinken, einen Begleiter zum Klo und Ansprache gebraucht.
Nach fast zwei Stunden habe ich aufgegeben und ihn mit zu uns ins Bett genommen. T. hat fest geschlafen.

Kaum hatte ich den kleinen B. richtig platziert, zum Wiedereinschlafen bewogen und war selber wieder so kurz davor in den Tiefen meines Bettes zu verschwinden – fängt F. erst an zu husten, dann nach mir zu schreien.
Also gut, ich hatte eh nichts Besseres vor… aufstehen, gut zu reden, streicheln, noch ein paar Kissen unter den Kopf stopfen, warten, bis der gnädige Herr auf dem Klo war, was frisches zu trinken holen, seine Hustenbonbons aus den Untiefen der Schultasche fischen – ich war hellwach!!!!

Heute morgen, als T. mich aufgeweckt hat, war mein erster Gedanke: was zum Kuckuck ist heute Nacht passiert? Ist ein Bus über mich drübergefahren???

T. hat mir dann mitgeteilt, er würde jetzt kurz in die Arbeit fahren, ein paar Dinge regeln und sich dann von unserem Arzt für den Rest der Woche krankschreiben lassen. Ihm geht´s nicht gut und außerdem hat er die ganze Nacht total schlecht geschlafen. Bitte????? Von wegen schlecht geschlafen! Nicht einmal gehustet hat er. Beim Kindertohuwabohu ist er nicht einmal aufgewacht. Nee, is klar!

Und jetzt kommt der herzlose Teil.
Ich bin genervt. Also ich meine, grundsätzlich. Wenn jemand um mich rum krank ist, bin ich genervt. (Außer bei meinen Kindern – sehr merkwürdig…)
Ich glaube, ich hab da echt einen Schaden. So von früher meine ich. Wobei ich mich auch an kein auslösendes Moment erinnern kann…
Vielleicht liegt das daran, dass ich schon als wirklich kleines Kind, viele Dinge mit mir selbst ausmachen musste. Da war einfach niemand, den ich mit meinen „Zipperlein“ hätte belasten können oder wollen. Die hatten ja alle selber genug mit sich zu tun.
Und so ist sicher auch diese vermaledeite „Autarkheit“ entstanden. Die bis heute andauert. Ich bin krank? Ja, okay. Vielleicht jammere ich auch kurz mal, mehr aber auch nicht. Glaube ich zumindest.
Ich versuche selbstverantwortlich damit umzugehen, gehe zum Arzt, wenn ich es für nötig halte, nehme Medikamente, bin also eher pragmatisch. Wie in so vielen Bereichen meines Lebens, ich weiß…

Nun war ich heute also eher blöd zu T. Jetzt traut sich der Arme (dank unguter Erfahrungen mit mir in den letzten Jahren) ja sowieso eigentlich schon nicht mehr krank zu sein. Jammert kaum bis gar nicht. Obwohl er das bestimmt gerne machen würde. Selbstmitleid nimmt schon einen ziemlich großen Raum in seinem Leben ein.
Und ich als liebende und verständnisvolle Ehefrau sollte doch eigentlich empathisch, freundlich und zusprechend reagieren. Vor allem, wenn er denn schon so vernünftig ist, und tatsächlich sogar zum Arzt gehen will (obwohl ich hier noch nicht so ganz sicher bin, ob das klappen wird – ich vermute, er hat nicht im Blick, dass die Praxis heute nur bis 12 Uhr geöffnet hat und nachmittags zu ist…).

Also, warum ärgere ich mich?
Weil ich nicht sehe, dass es ihm wirklich schlecht geht? Oder zumindest nicht schlechter als F., B. und mir? Weil er heute Nacht – im Gegensatz zu uns anderen – zumindest scheinbar tief und fest und durch-geschlafen hat? Ohne Husten. Weil ich neidisch bin, dass er einfach so zum Arzt gehen und sich krankschreiben lassen kann? Gleich bis einschließlich Freitag. Und ich nicht?

Wahrscheinlich ist des Rätsels Lösung wie fast immer eine Kombination aus allem.
Und zusätzlich die Schwach-/Starkproblematik, die T. und ich in unserer Beziehung schon eine geraume Zeit mit uns herumschleppen.
Nachdem ich so oft vorauslaufe, Dinge anschiebe und anpacke, sortiere, organisiere und erledige – also die scheinbar Starke in unserer Beziehung bin, fühlt es sich so an, als hätte ich ein verbrieftes Recht gerade jetzt, wo alles nicht so rund läuft, auf Schwachsein.
Ich will mich dranhängen, ich will einfach nur mitlaufen, ich will klein und bemitleidenswert sein.

Nicht, dass T. jetzt gerade ein Totalausfall wäre, im Gegenteil, er hat gestern alles mit den Kindern geschafft, war geduscht und angezogen, hat ein bisschen was im Haushalt gemacht.

Aber es fühlt sich (ich weiß, das klingt eher kindisch) so an, als würde er mir, auch noch vom Arzt bestätigt, den „Schwachen-Platz“ in unserer Familie „wegnehmen“.
Und für zwei Schwache ist in unserer Familie eigentlich kein Platz. Es muss ja irgendwie weitergehen, gerade jetzt vor Weihnachten ist so unglaublich viel zu tun.

Boah, wie verdreht ist das denn???

Okay, soweit die Analyse.
Aber was genau ist jetzt zu tun?????
Ich merke schon, dass ich irgendwie auf dem Holzweg bin. Und vielleicht würde ich mich jetzt so im Gesamten leichter damit tun, freundlich und mitleidvoll mit ihm umzugehen, wenn nicht sowieso gerade alles zwischen uns leicht unterkühlt bis distanziert wäre.
„Hätte, hätte, Herrentoilette“ würde F. jetzt sagen!!
Also statt weiter im Konjunktiv zu reden und zu denken, sollte ich mich beruhigen. Runterkommen.
Ganz klar, gerade ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, die aktuelle „Beziehungskrise“ geregelt zu bekommen. Zu anstrengend. Für uns beide.
Jetzt gilt es, ein gewisses Level zu halten, nicht in einen richtigen Ärger abzusacken. Wir sollten freundlich miteinander umgehen, ich muss großzügiger und entspannter sein.

Aha. So viel zur – auf jeden Fall toll klingenden – Theorie.
Immer und immer wieder hänge ich an der Praxis….

– to be continued –

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

6 Kommentare zu “Der nächste graue Tag

  1. Das, was Du T. gegenüber empfindest, wenn er krank ist, empfinde ich meinem Großkind gegenüber. Und sag mal, wie verquer ist DAS denn???

    Sie kommt Sonntag früh zu mir rein, wälzt sich im Bett rum, stöhnt und quietscht und jammert vor sich hin – ich mecker rum, dass sie ENDLICH mit dem Mist aufhören soll – und sie geht kotzen.

    Als sie wieder bei mir war, sagte ich grinsend „ok, ich mecker beim nächsten Mal eher, dann biste den Druck schneller los“.

    Zum Glück konnte sie auch lachen.

    Heute zum Arzt. „Ich hab sooo Bauchweh“.

    Pah! Kannste doch vergessen! Wenn sie sich einfach nicht wohlfühlt und zu Hause bleiben will, soll sie das doch sagen und nicht so bescheuerte Bauchschmerzausreden an den Tag legen! Tja… Da war das Kind grad wieder spucken…

    Ich weiß nicht, woher diese Aversion kommt. Weiß zumindest, dass meine Mutter, wenn ich grippekrank war, mir immer Schokoflüssigpudding gemacht hat – irgendwie gefühlt die einzige Wärme, die ich von ihr bekommen habe. Als ich die ersten Bauchschmerzen wegen meiner Mens hatte und deswegen zu Hause blieb, gab sie mir mit dem gegen die Tür knallenden Staubsaugerkopf deutlichst zu verstehen, wie verachtenswert es sie findet, wegen fraulich bedingter und damit völlig normaler Bauchschmerzen zu Hause zu bleiben.

    Vielleicht mag ich deshalb „Bauchschmerzen“ nicht.

    Und es fällt mir extrem schwer, an dieser Stelle emphatisch zu sein. Im Vorfeld quasi schon einen auf Muttchen zu machen. Kann also ungefähr nachvollziehen, wie gaga Du Dich fühlst, weil/ wenn Du T. sein Kranksein nicht erlaubst/ gönnst oder was auch immer.

    Aber sag mal: Was passiert denn mit Dir, wenn er (wie so viele Männer) in dieses Selbstmitleid hineinfallen? Wenn ich das richtig gelesen habe, hat er doch gestern, trotz „krank sein“, alles so gemacht, dass Du eigentlich zufrieden sein könntest.

    Ist es vielleicht, weil Du Dich eigentlich WIRKLICH zu krank fühlst, um für Kids und Haushalt da zu sein und er macht das irgendwie trotzdem? Ist es, weil DU eigentlich wirklich gern krank im Bett liegen und NICHTS machen wollen würdest, während er zwar irgendwie krank ist, aber trotzdem das wuppt, was Du normalerweise wuppen müsstest?

    Bist Du sauer, weil Du nicht so krank sein darfst, wie Du es eigentlich möchtest? So mit dicken Federbetten, viel Schlaf, besagtem Schokoflüssigpudding und heißer Hühnersuppe, Dir ans Bett gebracht? Und während Du wieder in den Schlaf sinkst, das Fenster leicht auf und auf der Terrasse die Vögel in der warmen Wintersonne ein leises Lied… Ähhh… Ok, genug geträumt.

    Nein. Ist leider nicht. Wär schön. Ist aber nicht. Mit Entscheidung für Kids hast Du das so lange aufgegeben, bis die Kids groß genug sind, um für Dich zu sorgen.

    Denk in diesen Momenten an die von Dir angestrebte Kur. Das wird ne gute Zeit.

  2. Haha, alles im grünen Bereich! Geht mir auch nicht anders – der Alltag mit Kids ist ja so schon anstrengend. Und wenn frau dann nicht topfit ist UND der andere potentielle Versorger kränkelt, dann sieht frau auch noch die letzten Ressourcen bedroht.

  3. Bin nur mit dem Handy on. Daher kein langer Kommentar. Sag mir lieber: möchtest du eine klare ansage oder lieber was streichelndes hören? Rein vom Gefühl her, nicht mit dem Kopf entscheiden, ob ansage oder streicheln

      • *dirdasfederkissenimrückenzurechtklopf*

        Ich hoffe, dass es Dir heute irgendwie besser geht. Bleib tapfer, meine Liebe. Bald sind die Weihnachtsurlaubstage da und Du hast etwas mehr Zeit und Ruhe.

      • Ich schulde Dir noch eine Antwort. Die Streichelantwort (die andere wäre natürlich ausführlicher geworden *haha*). Ich kenne das genervt-sein und kann das total gut verstehen. Das ist vor allem dann so, wenn man selbst ein wenig am Ende ist. Dann nervt es mit einer richtig roten Warnleuchte auf dem Kopf. Aber ich bin so stolz auf Dich, weil Du nicht einfach nur genervt bist, sondern es merkst und Dich deswegen sogar schlecht fühlst… Du bist ein wahnsinnig reflektierter und toller Mensch. Als Tipp hätte ich nur gegeben, mich mal ganz klein zu machen und einfach heulend da zu stehen. Und zu bocken. Und T. weinerlich zu sagen: das ist unfair. Ich fühle so und so… Aber das ist natürlich schwer. Weil es auch peinlich ist. Also lasse Dich schon vor ein paar Tagen in den Arm nehmen und lass Dir gewiss sein: Du bist gar nicht so verquer. Und wenn, sind wir es beide. Denn mir würde es genauso gehen. Versuche Dir was Gutes zu tun. Und Dich dafür zu entschädigen, dass Du so toll managen kannst. Denn das raubt Kraft. Ganz normal!

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