meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Stau – und seine Folgen (Ein Drama in unendlichen Akten)

Ein Kommentar

Wieder die A99. Immer wieder.
Was macht diese Autobahn nur mit mir?

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Immer wieder, in unregelmäßigen Abständen, zwingt sie mich zur Geduld. Stau. Sie wirft mich auf mich zurück.
Ich bin allein im Auto. Nur ich – und meine Musik.
Rund um mich Menschen in genau der selben Situation. Die Straße und der Stau machen keinen Unterschied. Ob man es eilig hat oder nicht. Ob man in einem Luxusauto oder einem LKW sitzt. Ob man fröhlich ist oder traurig. Verliebt oder alleine. Ob das Auto rot ist oder schwarz. Gesund oder krank. Völlig egal.

Ich gehöre heute zu den Nachdenklichen und Traurigen. Bin seit gestern Nachmittag irgendwie nah am Wasser gebaut, leicht aus der Fassung zu bringen.

Bester Beweis für meine merkwürdige Stimmung: Der Buchhaltungstyp aus dem Kindergarten hat mich gestern beim Abholen von B. abgefangen und blöd angelabert. Wie oft ich denn den Vertrag noch ändern wolle? B. darf ab sofort einmal in der Woche am Nachmittag eine Stunde Psychomotorik im Kindergarten machen, dazu musste ich aber den Vertrag wegen der Buchungszeiten ändern. Wurde dann irgendwie falsch beraten, sollte eine Entgeltstufe weiter, was dann aber doch nicht nötig war. Ist ja auch egal. Fakt ist, ich musste wegen schlechter Beratung den Vertrag ein zweites Mal ändern bzw. die Änderung rückgängig machen. Diese zweite Änderung würde aber erst zum 1. Dezember gehen, hochstufen kannst Du die Buchungszeiten natürlich problemlos, zurückstufen geht nur alle zwei Monate. Obwohl es nicht mein Fehler war bzw. ich schlecht beraten wurde. Dann hat er mich noch so halb der Lüge bezichtigt und dann musste ich leider ganz schnell mit B. die Flucht ergreifen. Ich wollte nicht vor diesem Trottel heulen und habe es sogar noch bis zum Auto geschafft.

So ein Scheiß! Eine Situation, in der ich mich normalerweise gewehrt hätte, die ich mir so einfach nicht hätte gefallen lassen. Und gestern? Ich knicke einfach ein, fühle mich klein, schwach und hilflos…
Das hat mich gestern den restlichen Tag und heute Nacht noch in meinen Träumen beschäftigt.

Ich kann es gar nicht richtig beschreiben oder erklären. Wieder einmal stehen viele wichtige Entscheidungen an. Vieles betrifft das leidige Thema Geld. Was kommt schlussendlich bei unseren Einkommenssteuererklärungen raus? Können wir uns ein neues (und eigentlich überfälliges) Auto leisten? Warum reicht in diesem Monat das Geld irgendwie hinten und vorne nicht? Was können/müssen wir tun? Und welche Auswirkungen hat das auf unsere Zukunft?
Großes Thema Hauskauf. Würden wir überhaupt einen so hohen Kredit von der Bank bekommen? Und letztlich: wollen wir das? Die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre auf einem Berg Schulden sitzen, immer den Druck der Tilgungsraten im Nacken?
Mir macht das auf jeden Fall eine Scheißangst. Ich hab´s halt gerne sortiert, ordentlich und – am besten – schuldenfrei.
Ich kann nicht so gut damit umgehen.

Bedeutet das aber automatisch, dass wir unseren „Nord-Traum“ womöglich begraben müssen? Dass wir, wenn wir den Tatsachen ganz ehrlich (und wer will das schon?) in die Augen sehen, es einfach nicht möglich ist?

Mir spukt seit Tagen das Wort „Lebens-Zufriedenheit“ im Kopf herum. Dann und wann versuche ich es vom Kopf ins Herz zu schieben, nur um zu merken, dass es mich sehr betroffen macht und es sogleich wieder zurück in den Kopf zu holen.
Ein Thema, über das auch T. und ich vergangen Freitag sehr offen gesprochen haben.
Kann es nicht sein, dass wir mit einem Umzug in den Norden, gar nicht all das erreichen würden, was wir uns erhoffen? Mehr Zeit, mehr Raum, mehr Zufriedenheit, mehr Entspannung und Gelassenheit.

Dass es nicht vielleicht besser ist (und da muss ich sehr an Dich denken, liebe Ada!) im Hier und Jetzt eine Grundzufriedenheit herzustellen? Erstmal diese Hürde zu meistern? Wäre es sonst nicht vielleicht doch nur eine Art Flucht – und alles würde sich womöglich an einem neuen Ort einfach fortsetzen?

Fakt ist:
– ich will nicht mehr in diesem Haus leben. So sehr ich auch unsere Wohnung, die Terrasse, die großen Fenster und den kleinen Garten liebe – so sehr ist aber eben auch die Atmosphäre vergiftet und auf Dauer unerträglich. Und das liegt nicht nur an den blöden Nachbarn, nein, da kommen schon noch andere Sachen dazu. Ein Vermieter, der immer nur verspricht, verspricht und verspricht, passieren tut dann aber doch nichts. Eine kaputte Heizung, schimmelige Ecken auf der Terrasse, ganz zu schweigen vom Keller und anderen Unwägbarkeiten…
Wir sind eine laute, wilde Familie, wir brauchen Platz und Freiheit zum Singen, Lachen, Raufen, Schreien, Musik hören und Tanzen. Und eine warme, friedliche Umgebung.

– ich will hier nicht mehr arbeiten. Ich bin gelangweilt und unterfordert. Ich will mein Können, mein Engagement, meine Zielstrebigkeit, mein Wissen für etwas anderes als Aufmaßpläne, Kostenangebote und Lohnabrechnungen einsetzen. Ich brauche eine Perspektive, eine Planung. Und eine gute Arbeit. Soll schließlich für die nächsten fünfundzwanzig bis dreißig Jahre sein…

Ich gehe davon aus, dass vielleicht schon eine Änderung ausreichend wäre, um überhaupt mal diesen Unzufriedenheits-Teufelskreis zu durchbrechen.

Mich wieder selbst an die Oberfläche zu bringen. Die blasslila, die ich eigentlich bin, die ich gerne (wieder) wäre.
Als Frau stark, mutig, fraulich, lustig, selbstzufrieden, ausgelassen, entspannt und großzügig. In der Arbeit ehrgeizig, zielstrebig, engagiert, fasziniert.
Als Mutter großzügig, freundlich, liebevoll, geduldig, fördernd, eine Vertraute meiner Kinder.
Als Ehefrau eine respektvolle, liebevolle, starke aber auch zarte, tolerante, offenherzige, ehrliche Begleiterin durch unser gemeinsames Leben.
Als Freundin eine Ansprechpartnerin für alle Fälle, jemand, mit dem man durch Dick und Dünn gehen kann und will.
Für meine Eltern, gerade jetzt, wo sie immer älter werden, eine verzeihende, sie hörende und verstehende, großzügige Tochter.

Amen! Ja, ich weiß, ich bin theatralisch. Und pathetisch. Und dramatisch. Aber genauso fühlt es sich eben gerade an. Alles keine neuen Gedanken und Gefühle, ich weiß.
Aber es muss doch einfach mal etwas vorwärts gehen. Die Dinge müssen konkretisiert, sortiert, angepackt werden. Vielleicht ist der Anfang eine neue Wohnung oder ein kleines Haus. Vielleicht bei uns in der Gegend. Vielleicht ist der Anfang aber auch eine neue Arbeit für mich. Es gibt so viel, was ich kann, was ich weiß, wofür ich mich einsetzen, was ich ausprobieren möchte.
Vielleicht ist der Anfang aber auch eine Therapie für mich und T. Um unsere Beziehung wieder auf feste Füße zu stellen, eine gute und solide Basis für unsere gemeinsame Zukunft zu schaffen. Um uns für unsere nächsten zehn gemeinsamen Jahre zu rüsten.

Gleich habe ich Feierabend. Dann kann ich in Ruhe noch ein bisschen im Auto heulen, danach ist mir gerade. Vielleicht brauche ich auch das gerade mal wieder. Einfach nur weinen. Mich selber und die ganze Situation bedauern.
Und dann hole ich B. und lasse mir nichts anmerken – und versuche dem Buchhaltungstyp aus dem Weg zu gehen. Das geht heute mal gar nicht…

Und heute Abend lege ich mich in T.´s Arme – lieber, guter T., ich weiß, das alles gerade für Dich besonders schwer ist. Und ich habe das Gefühl, ich bin in meiner Weinerlichkeit und Schwäche auch kein guter Ansprechpartner für Dich. Immer musst Du stark sein. Immer eine Lösung parat haben. Immer kämpfen. Ich will Dir nur sagen, ich weiß das. Und es tut mir sehr, sehr leid – vielleicht kann ich ja heute Abend in Deinen Armen liegen und Du in meinen? Das könnte klappen, oder?

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

Ein Kommentar zu “Stau – und seine Folgen (Ein Drama in unendlichen Akten)

  1. Das vermaledeite Heulen hab ich auch gerade. Liegt also nicht an Dir, sondern an diesem verdammten Herbstblues, der eigentlich ein Winterblues sein sollte und uns ganz eigentlich auch erst wieder zur Frühjahrsmüdigkeit einholen sollte…

    Diese Heulerei kommt aber auch nie dann, wenn sie passen würde.

    Oder vielleicht doch?

    Vielleicht ist doch der Herbst die richtige Zeit dafür und wenn ich mich an letztes Jahr erinner – so lange kennen wir zwei uns jetzt schon – dann haben wir da auch ziemlich in den Seilen gehangen, von besseren Zeiten geträumt und das bedauert, was uns im damaligen Hier und Jetzt festgehalten hat.

    Du hast vor einem Jahr schon gesagt, dass Du einen anderen Job und/ oder eine andere Wohnsituation möchtest.

    Wahrscheinlich hast Du mit Deiner Beobachtung Recht – der Nordtraum ist eine Flucht aus dem Hier und Jetzt, doch eigentlich ist es egal, ob der Norden an der Ostsee oder in Ustrien (gibt es das? *lach*) oder Südamerika ist. Oder ein Dorf weiter.

    Was Du möchtest, ist Veränderung.

    Doch, Du sagtest es auch, Du wirst die Veränderung nirgendwo durchziehen können, wenn Du sie nicht in Dir durchziehen kannst.

    Problem ist natürlich auch: Egal was Du änderst – es wird Dich einfach verändern. Und damit die Dich liebenden dazu zwingen, über sich selbst nachzudenken und sich mitzuändern oder die Frau, die Du dann bist, weiterhin zu lieben. Oder eben auch nicht.

    Ist das vielleicht der eigentliche Knackpunkt?

    Dein Mann, gerade er, weiß, wie Du jetzt bist. Er kennt alle Deine Macken und liebt Dich mit allen Deinen Macken. Die aufkommende Unzufriedenheit, DEINE, macht es zwar gerade schwerer und schwerer, die Frau zu lieben, die Du eigentlich bist (tolle Aufzählung übrigens *grins* ), aber er kennt Dich eben.

    Was passiert, wenn Du eine andere Arbeit hast? Eine, die einen anderen Alltag von Dir fordert? Eine, die Dir (natürlich!) andere Kollegen gibt, anderen Input, andere Forderungen an Dich stellt?

    Du WIRST Dich verändern.

    Vielleicht wirst Du aufblühen. Wahrscheinlich sogar. Es wird Dich beflügeln, eine Arbeit zu haben, die Dich so fordert, wie Du es für Dich brauchst. Du wirst zu Hause andere Töne anschlagen, vieles leichter nehmen, als Du es bisher genommen hast…

    Stecken da vielleicht tiefe Ängste drin?

    Ich hab nur mal so runtergeschrieben, ohne nachzudenken…

    Ich hab nicht viele Paare gesehen, die so liebevoll miteinander umgehen, wie ihr beide es tut. Ich denke, dass euer Vorteil ist, dass ihr miteinander redet. Und, wenn das nichts bringen würde, erstmal schweigt und euch festhaltet. Das ist ne sehr gute und solide Basis und ich glaube nicht, dass die flöten gehen würde…

    Vorschlag:

    Bucht einen Silvesterurlaub an der See. Bleibt 14 Tage hier oben. Erlebt den Winter dort, wo ihr hin wollt. Verbringt die Winterferien, Ostern, Pfingsten, den Sommer auch hier oben. Immer so lange, wie es irgendwie, mit Hilfe der Brückentage, geht.

    Gebt euch 1 Jahr, um den Norden in wechselnden Jahreszeiten kennenzulernen.

    Zudem:

    Schmeiss Deine Arbeit einfach hin.

    Bewirb Dich in einem Hotel/ einer Pension irgendwo bei Dir um die Ecke und versuche, morgens, mittags, abends, nachts (!!!) für die Gäste da zu sein. Übe den Pensionsbetrieb in bekanntem Umfeld. Versuche, Deinen Mann und Deine Kinder mit einzuspannen.

    Das wird verdammt stressig.

    Davon gehe ich aus.

    Doch denkst Du, es würde an der Ostsee anders sein? 😉

    Ich denk so sehr an euch. Ich weiß, was es bedeutet, einen Traum, für den man so lange gearbeitet hat, (erstmal) wieder ruhen zu lassen UND sich dort erneut einrichten zu müssen, wo man ist.

    Vielleicht sollten wir alle zusammen Weihnachten irgendwo verbringen *lach*

    Liebe liebe Grüße an Deine Familie, auch von meinen Kids 😉

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