meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Schreib-Krise (Mittwoch, 23. April ´14)

4 Kommentare

Heute fühle ich mich traurig.
Nicht nur, dass ich gestern einen blöden Abend und Knatsch mit T. hatte, nein, ich hänge tatsächlich seit Tagen wegen des Bloggens in der Kurve.

Seit fünfzehn Monaten begleitet mich das Schreiben sehr konstant. Es ist mir wichtiger und wichtiger geworden, ein liebgewonnener Begleiter so zu sagen. Eine Art virtuelles Tagebuch. Das Schreiben bietet mir die Möglichkeit wichtige und unwichtige Dinge aufzuschreiben, sie noch einmal aus einer gewissen Distanz anzuschauen, zu überdenken. Manchmal tut mir auch einfach nur ein zeitlicher Abstand gut, ich kann manches dann weniger emotional, gemäßigter und besänftigter betrachten.

Neue, wichtige Menschen durfte ich hier kennenlernen, die (zumindest anfängliche) Anonymität bietet Schutz und erlaubt eine nie gekannte Offenheit. Das Feedback dieser Menschen hat mich mehr als einmal weiter gebracht, meinen Blickwinkel geändert, mich getröstet und gestützt.

Und jetzt plötzlich habe ich das Gefühl, ich habe womöglich nichts mehr zu sagen. Gerade im Moment scheint mir mein Leben so belanglos, ja fast schon langweilig.
Was habe ich denn zu schreiben?
Dass ich zwei Kinder habe? Mit den ganz normalen Problemen und Schwierigkeiten, Freuden und Glücksmomenten die das eben mit sich bringt. So wie viele Millionen anderer Frauen eben auch.
Dass ich verheiratet bin mit dem besten Mann der Welt? Der mich oft gewaltig nervt und auf die Palme bringt, den ich aber mehr liebe, als alles andere auf der Welt. Das haben viele andere auch.
Dass ich einen Job habe, der eben nicht mehr ist als ein Job? Der mich gutes Geld verdienen lässt und mir eine große Portion Flexibilität ermöglicht, die ich als „doppelbelastete“ Frau eben gut gebrauchen kann. Mehr aber auch nicht. Erfüllung und berufliche Zufriedenheit sehen anders aus. Langweilig.
Dass ich sonst ein ganz normales Leben führe? Mit allen Ups und Downs, die es halt so gibt. Mal gesundheitlich, mal emotional, mal zukunfts-orientiert, mal stagnierend…mit neuen Freundschaften die wachsen und gedeihen und alten, die zum Teil langsam versiegen, mit familiären Themen, die sich über diese Monate nicht wirklich verändert haben. Mit Plänen und Wünschen, die in die Realität umzusetzen gerade unglaublich schwer und fast schon unmöglich scheint…

Ich komme mir langweilig vor. Stagnation ist genau das richtige Wort. Zum achtundvierzigsten Mal schreiben, dass ich es abends gerade noch so vor den Fernseher geschafft habe? Zum dreihunderteinundzwanzigsten Mal, dass ich müde bin? Dass das Baby (das keins mehr ist) immer noch in unserem Bett schläft? Dass ich manchmal erziehungstechnisch nicht mehr weiter weiß?
Dass ich einkaufen war und was ich gekocht habe?

Vielleicht bezieht es sich nicht nur auf das Schreiben. Nein, viel mehr fühlt sich mein ganzes Leben gerade so an. Es ist ein kleines, unbedeutendes Leben. Meistens lebe ich es nicht einmal sondern es lebt mich halt so…Was ist der Sinn? Wie sind die Aussichten? Wie soll das weitergehen? Bin ich unglücklich? Nein, direkt unglücklich nicht.
Aber viele haben hier Großes, Bedeutendes zu sagen. Müssen schlimme Krankheiten durchleiden, bekommen Babys, engagieren sich für gute und wichtige Dinge – ich ärgere mich über blöde Nachbarn, vorpubertäre Kinder, freue mich über eine Schaukel und ruhige Abende….
Irgendwie fühlt sich das nicht richtig an…

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

4 Kommentare zu “Schreib-Krise (Mittwoch, 23. April ´14)

  1. Meine Liebe,

    ich sag Dir, warum sich das „nicht richtig“ anfühlt: weil Du vergleichst. Dich und Dein Leben und Deinen Ärger, Deine Sorgen, Deine Arbeit, Deine Freizeit, Deine Kinder. Einfach alles wird von Dir auf den Prüfstand „gegen andere“ gestellt.

    Dass Du dabei nur „verlieren“ kannst, ist klar, denn Du suchst Dir, warum auch immer, und das tut auch iwie jeder, Lebensgeschichten aus, die neben Deiner anders aussehen. Wichtiger, tiefer, größer, kleiner, interessanter, brennender, was auch immer.

    Ich hab auf der Demo am Montag in Hamburg etwas ganz Tolles gelernt.

    Dieses Vergleichen trennt immer.

    Egal welches vergleichen:

    Wenn ich einen Menschen mit ner merkwürdigen Frisur sehe und denke „Du hast ne merkwürdige Frisur“, dann ist die Frage – was hab dann ich?

    Oder wenn ich jemandem begegne und denke „wow, DU bist so schön“ – was bin dann ich?

    Du bist klug – was bin dann ich?

    Du bist hässlich – was bin dann ich?

    Weißt Du, was dann (oder schon davor) wieder verbindet?

    Wenn man stattdessen sagt:

    Du hast eine merkwürdige Frisur – so wie ich.
    Du bist klug – so wie ich.
    Du bist schön – so wie ich.
    Du bist hässlich – so wie ich.

    Zudem hab ich es in der Trauerarbeit gelernt: Keine Geschichte ist mit einer anderen vergleichbar und jedeR trägt so viel Last, wie er/ sie verträgt.

    Manch einer jammert auf scheinbar hohem Niveau, weil ihm das tägliche Abwaschen zu viel ist. Andere machen nicht mal den Mund auf, wenn ihnen die Scheiße bis zum Hals steht.

    Was ist denn dann jetzt erstrebenswerter?

    Gar nix von beidem.

    Beides.

    JedeR hat Recht in der Art und Weise, sein Leben zu leben und darüber zu reden oder auch nicht.

    Ich beneide Dich um Dein scheinbar ruhigeres Leben. Doch Dein Leben ist gar nicht so ruhig und um so vieles entspannter als meines zum Beispiel. Ich wünsche mir manchmal einen Mann wie Deinen an meiner Seite. Und weiß doch, dass auch ihr beide Sorgen habt und Beziehungsarbeit leisten müsst, die mal mehr, mal weniger anstrengend ist.

    Du hast ein wunderbares Leben und alles darin ist erzählenswert. Und es ist unglaublich beruhigend, zu lesen, dass Du Dich über eine Schaukel und ruhige Abende freust.

    Alles daran ist richtig.

    Ich drück Dich 🙂

  2. Hihi, die Krise hatte ich vor kurzem auch; garniert mit viel esinteressiertjakeinenwasichschreibeundänderntutesauchnichts!

    Das ghet vorüber, und mir würden diene Einträge fehlen – obwohl wir uns nicht kennen, finde ich mich in dem Familiengeschehen oft wieder und das tut echt gut, egal wie ’normal‘ das sein mag 🙂

    (Und wenn Dir total langweilig wird, mach’s wie ich: Such Dir ein paar Probleme, verkompliziere das Leben und schreib darüber!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s