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Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Da ist eindeutig noch Luft nach oben! (Dienstag, 19. November)

6 Kommentare

Manchmal weiß man schon in der Nacht, dass der nächste Tag scheiße wird.
Wobei, so stimmt das auch nicht ganz. Eigentlich habe ich gestern Mittag schon gewusst, dass heute ein saublöder Tag wird.

Am Sonntag hatte ich ja schon ziemlich Kopfweh, das hab ich in der Nacht auf Montag auch garnicht so richtig wegbekommen. Am Vormittag ging es gestern noch, gegen Mittag: Flimmern vor dem rechten Auge! Ach Du Scheiße! Dabei war die Situation gerade alles andere als stressig. Ich hatte einen guten, erfolgreichen Arbeitstag fast schon hinter mir, war dabei noch ein paar Unterlagen zu sortieren, aufzuräumen und mich dann auf den Heimweg zu machen. Wo kommt das denn plötzlich her??
Ich bin ein paar Minuten eher gegangen und noch ein bisschen an der frischen Luft gelaufen. Kann schon sein, dass das von der Rumsitzerei im muffeligen Büro kommt habe ich mir gedacht.
Dann musste ich losfahren und das war dann echt nur noch ätzend! Plötzlich war wieder diese Blockade in meinem Kopf. Ich habe mein Hörbuch ausgemacht und geredet. Dinge, die mir so in den Kopf gekommen sind konnte ich aussprechen, aber zum Beispiel Ortschilder laut vorlesen: no way!
Meine Angst war riesengroß! Verdammt, da ist es wieder. Wie kann denn das sein? Ich versuche wirklich alles um mich zu schonen, langsamer zu machen, mich zu entspannen, Stress zu vermeiden, warum kommt das wieder? Und was wird mit mir passieren? Ich war völlig hilflos und aufgeschmissen und hab die ganze restliche Fahrt versucht in aller Ruhe weiter mit mir zu sprechen, mich zu beruhigen, mich zu fokussieren.
Ok, ich müsste Baby B. abholen, dann kann ich nach Hause fahren und mich fast eine Stunde hinlegen. Das würde gehen. Das kann ich schaffen. Mit minimalem Kraftaufwand.
Bis zum Kindergarten ging´s dann auch wieder einigermaßen mit dem Sprechen, das Flimmern war schon vorher wieder ganz weg.

Zuhause habe ich mich dann wirklich gleich hingelegt, hab Baby B. pädagogisch ganz wertfrei, an mich gekuschelt und mit meinem Handy spielen lassen und nach einer Stunde ging es mir wieder gut. Puh! Trotzdem habe ich mir weiter Ruhe verordnet, habe F. von der Schule abgeholt und wir sind zum Weihnachtsbasteln in den Kindergarten gefahren. Das war richtig nett und hat mich zum Glück auch auf andere Gedanken gebracht. Im Anschluss sind wir drei noch ein bisschen spazieren gewesen, das Wetter war so herrlich und die Luft so frisch, das hat uns allen gut getan.
Abends waren beide wirklich sehr brav und waren um acht Uhr im Bett. Ich auch.
Das war nämlich die einzige schlüssige Erklärung. Ich hatte wie gesagt keinen Stress, nix. Also musste es vielleicht daran liegen, dass ich am Abend vorher wirklich spät und dann auch noch schlecht geschlafen hatte. Vielleicht kann auch Schlafmangel so etwas auslösen…
Also war mein Plan für gestern Abend eben früh schlafen.

T. ist gegen zehn nach Hause gekommen, hat sich dann ins Bad verkrümelt, ich war so müde, eigentlich hätten wir noch reden und planen müssen, aber ich konnte einfach nicht mehr.
Die Mutter, die mir die letzten beiden Dienstage die Mühe mit dem Zur-Musikschule-Fahren abgenommen hat, hat mich gestern auch noch gebeten, ob ich diese Woche mal mit allen Kindern fahren könnte, weil sie einen ganz wichtigen Termin hat. Logisch habe ich nicht nein gesagt.
Die Nacht war dann einfach nur richtig beschissen.
Ich weiß nicht, wann T. unser Baby zu uns ins Bett geholt hat aber ab halb drei war Terror. Er wollte noch näher, noch mehr an mich geklammert schlafen, hat ständig seinen Schnuller verloren, gemaunzt und gemeckert – für mich war nicht mehr an Schlafen zu denken…
Gegen viertel nach drei musste ich dann auch noch aufs Klo und um vier steht plötzlich F. weinend am Bett, er hatte so einen schlimmen Albtraum. Also gut, wenn er schon mal zu uns kommt, dann muss wirklich was Schlimmes gewesen sein und bevor ich ihn jetzt wieder mühsam in sein Bett bugsiere… Decke hoch, zweites Kind drunter. Und plötzlich ist so ein Zwei-Meter-Bett garnicht mehr so breit und gemütlich. Ich hatte am Rücken keine Decke mehr, nun war das größere Kind an mich geklammert, meinte mir dann auch noch seinen Traum erzählen zu müssen, ich musste aufpassen, dass er nebenbei nicht auch noch das kleine Kind erstickt… Das Schlimmste für mich: Decke und Kissen teilen. Das kann ich ÜBERHAUPT nicht leiden, da bin ich echt heikel. Mein Kissen. Meine Decke. Was F. natürlich herzlich egal war. Obwohl ich ihm die schon wohlweißlich immer am Rand liegende Reservedecke drübergeworfen habe und ihm ein eigenes Kissen organisiert hatte, egal! Mamas ist viel schöner und wärmer und außerdem kann man dann noch näher und enger bei einander liegen. Mmmmpf….

Halb sieben, aus dem Kinderzimmer dröhnt die Weckerhymne: FC Bayern, Stern des Südens, du wirst niemals untergehen…würg
Und das hört auch nicht auf, weil das Kind, dessen Wecker da so frohlockt ja direkt neben mir liegt und sich keinen Zentimeter rührt. Sonst springt er beim ersten Ton aus seinem Bett und bringt das schreiende Ungetüm zum Schweigen (ich hasse übrigens alle Leute, die von Außen kommen und laute Geschenke machen, die sie selbst ja nie oder nur selten aushalten müssen!!!!!).
Jedenfalls war das der Zeitpunkt an dem ich wusste, dass ich mich die ganze Nacht über nicht getäuscht hatte: Es würde ein Scheiß-Tag werden!!

Den Blick in den Spiegel hätte ich mir sparen können, welch Überraschung, Augenringe bis zum Knie, auch Concealer konnte da nicht mehr viel retten. Haare zusammengebunden, Frühstück gemacht und… nicht geredet. Ich weiß nicht mehr genau wie es war, aber T. sagte irgendwas wie: „Du Arme, hast du heute großen Stress?“ JAAAAAAAA! Ich muss die Kinder fahren und ich bin nach gestern noch ziemlich geschlaucht und ängstlich. „Soll ich die A. anrufen und fragen, ob sie die Jungs nochmal fährt?“ NEEEEIIIIN, die hat mich ja extra gebeten! „Kannst du nicht einfach mal einen Tag von der Arbeit zuhause bleiben?“ BIIITTEEE???? Wegen der Musikschule??? Error. Aus. Fertig.
Kannst du nicht einfach von der Arbeit zuhause bleiben? Dir wird die Zeit wenigstens gezahlt??? Nein, der eine Kollege hätte Urlaub, die Azubine ist in der Schule.
Super, danke.
Ich bin dann einfach nur ins Auto eingestiegen und wollte nix mehr hören, nix mehr sehen, nix mehr wissen, nix mehr fühlen. Hörbuch an und gut is.
ich war gerade auf der Autobahn als er angerufen hat. Unvermindert wütend, der Ton aggressiv – ich bin so müde. Ich will das nicht. Kloß im Hals. Gleich heule ich.
Dann konnte ich mich erklären. Konnte sagen, wieviel Angst mir diese „Episode“ gestern gemacht hat. Wieviel Angst ich habe, dass so etwas immer wieder, in den unmöglichsten Situationen passieren kann. Dass das unverschämterweise überhaupt keine Rücksicht auf Termine oder Verabredungen nimmt. Dass ich gerne sein Mitgefühl hätte und nicht das Gefühl irgendwie lästig oder mühebereitend zu sein. Dass mir das alles auch keinen Spaß macht. Und ich weiß, dass er viel um die Ohren hat und dass ich eh mein Bestes versuche. Und dass ich noch nicht mal genau weiß, was eigentlich mein Bestes ist. Und dass ich Angst habe vor heute Nachmittag. Nicht alles zu schaffen.
Und ich mir gerade nichts mehr wünsche als betüdelt zu werden. (Und das entspricht sonst wahrlich nicht meinem Naturell…)
Er war sehr lieb. Hat verstanden. Und mitgefühlt. Und mir gute Vorschläge für heute Nachmittag gemacht. Mich ernst genommen. Mich gehört. Mehr wollte ich ja garnicht. Gott sei Dank. Eine Last von meinen Schultern und aus meinem Kopf. Besser. Viel besser.

Im Büro hat dann die Normalität des Alltages und die wunderbare Ignoranz meiner Männer hier (die mich sonst oft zur Weißglut bringt!) einfach nur gut getan, hier ist jedenfall keinem aufgefallen, dass ich verheulte und zugeschwollene Augen habe. Kann ja auch mal ganz schön sein…

Und jetzt ist der Plan zu schauen, wie es mir heute Mittag geht. Und dann geht´s weiter. Einen Schritt nach dem anderen. Nicht zu viel erwarten. Langsam. Du liebe Güte.

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

6 Kommentare zu “Da ist eindeutig noch Luft nach oben! (Dienstag, 19. November)

  1. Hallo Du,

    das hört sich ja gar nicht gut an. Aber ich glaube am Anfang hat man immer mal solche Rückschläge, mach Dir nicht so einen großen Kopf deshalb, einfach weiter machen. Du machst das doch super und für mich beneidenswert das so konsequent durchzuziehen.

    Allerdings muss ich T. Recht geben. Du kannst nicht mehr alles so machen, wie Du es früher gemacht hast und dann musst Du auf Deinen Körper hören und nicht irgendwas tun, wozu er keine Kraft hat, ganz egal, ob irgendwer im Urlaub oder zur Schule ist. Wenn Du merkst, dass Dein Körper grad nicht mag, lass es. Gerade dann, wenn Du weißt, dass der Tag stressig werden könnte! Gönn Dir diese Auszeit. Dein Körper wird es Dir danken! Dankt es Dir jemand auf der Arbeit? Sagt jemand: „Hey Danke, dass Du Dein Leben aufs Spiel setzt und arbeiten kommst?“ Harte Worte, aber das ist ja nicht sooooo weit her geholt…

    Ich wünsche Dir, dass Du heute Nacht gut schlafen kannst und Deine Kids auch 🙂 Und dass Du den Mut nicht verlierst und Deinen sehr guten Weg weiter gehst!!!

    Liebe Grüße
    Malu

  2. Ich danke Dir für Deine lieben Worte.
    Es ist nur irgendwie komisch, dass ein Weg, der eine Erleichterung bringen, mich entspannen soll, so verdammt schwer und anstrengend ist… 😉

    Deine Wünsche für heute Nacht nehme ich übringens sehr gerne entgegen. Heute Nacht wird ein jeder in seinem eigenen Bett ruhig schlafen und die Nacht beginnt spätestens um 22 Uhr (mein Mantra des Tages)!

  3. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

    Alle schlechten Angewohnheiten können wir uns schlecht angewöhnen, denk nur an all die Raucher, die gern aufhören zu rauchen und es nicht schaffen (mir inklusive :/)

    Diese schlechten Angewohnheiten kamen übrigens auch nicht von heute auf morgen, das war ein schleichender Prozess, den wir nur ohne Anstrengungen gehen konnten!

    Viel Glück!

  4. Wie aufmerksam T. doch ist. Und er ist auch nicht unklug. Das mag man vielleicht in dem Moment nicht hören – kann ich auch voll gut verstehen! Aber besser als hätte er nix mitbekommen.

    Du bist aber auf einem guten Weg – wahrscheinlich überhaupt nicht vergleichbar mit der Art wie Du es früher gelöst hast?

    Und ich habe auch einen Schlaubergertipp (kann man nur machen, wenn man noch Babylos ist): das nächste Mal schnappst Du Dir die Couch oder das Bett von F. und DU schläfst einfach woanders. Fertig. Mit eigener Decke und Kissen (hier würde ich mir eine zweite Variante irgendwo hinlegen).

    Der Dicke schnarcht auch im Moment und unser Bett ist zu klein für uns drei. Wir pennen im Moment manchmal getrennt. Unromantisch, aber wir sind beide total erholt am Morgen.

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