meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Eine neue Woche… (Montag, 11. November)

4 Kommentare

…aber die Lust darauf hält sich leider in Grenzen. Das geht mir oft so am Montagmorgen, dass ich mich frage, wo zum Kuckuck denn das Wochenende hinverschwunden ist.
Gerade noch war es Freitag. Und schon sitze ich wieder – einigermaßen übellaunig – im Büro. Wenigstens fühle ich mich heute mal nicht gerädert und todmüde, drei ausgiebigen Mittagsschläfchen in den letzten drei Tagen sei Dank!
Also, was war denn eigentlich alles los?

Freitag war ich noch einmal bei der Hausärztin. Die Situation stellt sich jetzt so dar: es war ein kleiner Schlaganfall. Vermutlich ausgelöst durch Streß, begünstigt durch besagte Engstelle in der Hauptaterie zum Kopf. Diese Engstelle hat keinen „Hintergrund“, es gibt also keine Entzündung, keine Autoimunkrankheit oder sonstige Scheußlichkeiten. Sie ist einfach da. Wie lange kann keiner sagen. Vielleicht auch schon von Geburt an.
Jetzt, wo ich aber von ihr weiß, kann ich nicht mehr so weiterleben wie vorher. Sagt meine Ärztin. Also weiterhin eine große Menge an unterschiedlichsten Tabletten (ich glaube, ich nehme mehr als meine 94-jährige Oma…), regelmäßige Blut- und Blutdruckkontrollen und hin und wieder ein MRT um zu überprüfen, ob das Ding noch da ist oder sich freundlicherweise von selbst wieder in Luft aufgelöst hat. Und eben weniger Streß, weniger Kaffee, weniger Hektik, mehr Ruhe, mehr Entspannung, weniger Essen (weniger Gewicht), mehr Sport (natürlich nur „moderat“ = mein neues Lieblingswort!). That´s it. Das ist ein ganz mekwürdiges Gefühl. Auf der einen Seite bin ich natürlich komplett erleichtert, dass es weder HIV, noch Borrelien, noch sonst irgendwas schreckliches ist. Auf der anderen Seite ist das Ding nun mal da, ich weiß es jetzt, ich bin schon irgendwie verunsichert und muss diesen Wink mit dem Zaunpfahl als das sehen, was er war/ist: eine Warnung. So geht es nicht weiter. Vor allem, weil natürlich bei einem weiteren Schlaganfall deutlich schlimmere Sachen passieren können und ich nicht mehr so viel Glück haben muss. Provozieren sollte ich es also nicht unbedingt.

Was mir tatsächlich schon gut gelingt, ist eine gewisse Gelassenheit. Wenn es zu einer Situation kommt, in der ich normalerweise gleich ausgeflippt und mein Blutdruck nach oben geschnellt wäre, versuche ich ganz kurz inne zu halten und abzuwägen. Lohnt es sich oder nicht? Ist Schreien notwendig? Ist es wirklich so schlimm/dramatisch/schrecklich? Und meistens ist meine Antwort ganz klar: NEIN!
Ja, die Kinder spielen Fußball in der Wohnung. Draußen ist Scheiß-Wetter. Was sollen sie also sonst machen. Früher: Seid ihr komplett verrückt, hört sofort auf sonst ist der Ball gleich weg! Gestern: Spielt bitte nur im Flur, macht die Türen von Küche, Wohnzimmer und Bad zu. Leichter. Entspannter. Und so muss ich auch nicht mit Herzrasen darauf hören, ob sie sich meinem Verbot trotzdem wiedersetzen und ich weitermotzen/eingreifen/den Ball wegnehmen muss. Was soll schon passieren?

Das klingt jetzt alles ganz leicht, in Wirklichkeit ist das echt noch „Schwerstarbeit“. Vor allem das rechtzeitige Anhalten, nicht gleich Lospoltern, nachdenken, abwägen, das kostet schon noch ziemlich viel Energie. Aber das Ergebnis gefällt mir. Ich bin stolz und glücklich, entspannter und zurück bleibt das Gefühl, dass es auch den Jungs gut tut. Im besten Fall müssen sie dann auch nicht mehr täglich hundert Mal über sämtliche gesetzten Grenzen latschen, wenn die Grenzen ein wenig lockerer und weicher sind. Was im Umkehrschluß nicht bedeutet, dass ich sie alles machen lasse, sie nicht mehr erziehe.

Schwer ist es glaube ich im Moment für alle anderen. Mir kommt es so vor, als wären die Leute, die davon erfahren, nicht so erschüttert, weil es so schockierend ist, dass einem so etwas schon in verhältnismäßig jungen Jahren passieren kann. Es fühlt sich eher so an, als würden sich viele denken: Die hat doch alles so super im Griff, die schafft immer alles und jetzt stellt sich plötzlich heraus, dass dem garnicht so ist. Aufgefallen ist mir das vor allem im Kindergarten. Wo Eltern ungläubig staunen und im Moment ganz unsicher mit mir umgehen. Wo es merkwürdig erscheint, wenn ich bei einem anstehenden Fest meine Hilfe verweigere. Einfach, weil ich nicht will. Weil es zusätzlicher Stress wäre. Aber früher hast du doch….

Leicht ist es auch nicht für T. oder meine Mutter. Klar, augenscheinlich fehlt mir nichts mehr. Keine Schmerzen mehr (Gott sei Dank!!), kein sichtbares Leiden oder Defizit. Ich gehe wieder arbeiten, kümmere mich um die Kinder. Schwer zu vermitteln, dass wir alle nicht wieder in diesen „Trott“ verfallen dürfen. Noch dazu, wo es für die beiden natürlich auch viel bequemer und einfacher wäre. Das ist garnicht als Vorwurf gemeint, ich kann das wirklich gut verstehen und nachvollziehen. Das alles läuft ja schon seit vielen Jahren so. Wir haben uns alle an unsere Rollen und Aufgaben gewöhnt. Ist doch klar.
Aber gerade den Alltag, das „Daily Business“ umzustellen, neu zu sortieren, das ist garnicht so einfach. Und auch nicht so leicht zu klären. T. arbeitet schließlich auch den ganzen Tag. Und tut unheimlich viel darüber hinaus. Ist sich nie zu schade oder zu fein im Haushalt, bei den Kindern mitzuhelfen. Auch, wenn er sich lieber ausruhen oder etwas anderes tun würde. Also wie soll es gehen, wenn von mir etwas weg soll, dann kann es ja nicht eins zu eins zu ihm. Er hat ja selber genug.
Also müssen nicht etwa die Aufgaben umverteilt werden sondern sich vielleicht sogar ändern. Ich bin zum Beispiel drauf und dran, mir eine Putzfrau zu suchen. Einfach um Zeit „freizuschaufeln“, die ich viel lieber mit meinen Kindern, mit T. oder auch mal mit mir alleine verbringe. Und nebenbei auch nicht das elendige Gefühl haben muss, etwas nicht geschafft zu haben, die dreckige Wohnung „aushalten“ zu müssen oder was sonst noch so der Preis für das Nichterledigen ist…

Fakt ist: ein Anfang ist gemacht. Trotzdem ist noch nicht abzusehen, was da noch alles auf mich/uns zukommt, wie weitreichend die Veränderung sein muss…

Das Wochenende war sehr schön, sehr ereignisreich und trotzdem war wie immer eigentlich zu wenig Zeit für alles.
Samstag haben wir ausprobiert wie es ist, wenn ich mit Baby B. den Wochenendeinkauf erledige und T. in der Zwischenzeit die Wohnung aufräumt. Für mich war es sehr angenehm. Baby B. war sehr handsam und umgänglich und ich konnte in aller Ruhe Sachen erledigen. Ich war sogar so entspannt, dass ich ihm im Drogeriemarkt erlauben konnte, mit einem Kindereinkaufswagen durch die Gänge zu poltern. Dafür habe ich sonst wahrlich keine Nerven, aber wir hatten Zeit, ich war entspannt – und er einfach nur happy!
T. sagt, für ihn war es auch ok. Er war wirklich fleißig und hat viel geschafft. Und außerdem hat er die kaputte Waschmaschine repariert!! Nachdem die letzte „Reparatur“, bei der lediglich eine Socke zwischen Trommel und Türe durchgerutscht ist, 150 Euro gekostet hat, haben wir uns gefragt, ob sich das nochmal lohnt oder wir uns gleich eine neue kaufen sollen…. T. hat dann ganz entschlossen die Waschmaschine aufgeschraubt und tatsächlich ist nur ein Stecker rausgerutscht, der verhindert hat, dass die Maschine angefangen hat zu waschen. Wie herrlich!! T. natürlich stolz wie Bolle, wir haben 150 Euro gespart und können einfach mit unserer alten Maschine weiterwaschen! Besser geht es nicht! T. war an diesem Tag definitv mein „Daily hero“!
Und so war das eine neue Erfahrung für uns alle mit dem Samstagmorgen, mal schauen, ob wir es etablieren wollen.
Nachmittags haben wir uns dann volle Pulle ins Einkaufszentrums-Chaos gestürtz und erfolgreich für beide Kinder Schuhe, Handschuhe und Schals gekauft und so unser „Winter-Soll“ auf einen Schlag erfüllt! Der anschließende Spaziergang hat sein übriges getan, dass es ein wirklich arbeitsreicher aber sehr zufrieden stellender Samstag gewesen ist.
Am Sonntag war es ähnlich. Am Morgen war das Wetter noch ganz in Ordnung und so haben wir die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und endlich den Garten winterfest gemacht. Das Baumhaus ausgeräumt und gesaugt, die Hängematte zerlegt, Sandspielzeug verräumt, Laub gerächt, gekehrt…schön war´s. Und wieder ein Punkt auf unserer Liste abgehakt. Mittags haben wir ausgiebig geschlafen, mit F. noch ein paar Sachen für die Schule erledigt, angefangen das Wäsche-Chaos zu beseitigen, gekocht, gefernseht, viel geredet und Konflikte mit F. gelöst…Trotzdem schade, dass es schon wieder vorbei ist. Freie Zeit zusammen tut uns einfach gut. Ich freu mich wie narrisch auf die Weihnachtsferien! Zwei Wochen frei!

Bis dahin ist aber noch ein bisschen Zeit. Und so ist jetzt wieder mein Schreibtisch dran, später ist dann St.-Martins-Umzug, der Tag ist also schon wieder komplett verplant.
Aber es geht weiter. Und das fühlt sich so gut an.

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

4 Kommentare zu “Eine neue Woche… (Montag, 11. November)

  1. Das, was sich für Dich gut anfühlt, hört sich für mich gut an 🙂

    Du hast echt eine Menge geschafft. Und damit meine ich nicht Baumhaus aufräumen oder ähnliches… sondern ein Stück des neuen Weges zu gehen. Du kannst sehr stolz auf Dich sein. Es ist wirklich alles auf einem guten Weg und ich schätze, dass es vielleicht den einen oder anderen Stolperstein geben wird (von dem Du aber weißt, dass es sowas gibt) und Du immer weiter geradeaus laufen kannst… ohne Anstrengung. Weil es eben Umgewöhnung ist.

    Kompliment also 🙂 Kompliment an Dich!

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