meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Immer langsam (Mittwoch, 6. November)

2 Kommentare

Zum Glück schon Mittwoch. Ich bin nicht sicher, wie lange meine Kräfte gerade noch reichen.
Heute die erste große Herausforderung: langsam wird schwierig! Ich habe unheimlich viele Sachen zu erledigen heute Nachmittag, ich weiß noch nicht genau, wie ich da das Tempo rausnehmen soll. Vor allem, wenn ich nicht will, dass mein Körper schlapp macht.
Also vielleicht doch wieder ein bisschen früher aus der Arbeit gehen, eine kurze Pause machen. Ich bin so froh, dass es die letzten beiden Tage so gut geklappt hat, ich hatte gestern abends sogar noch die Energie mit F. und Baby B. Gipsfüße zu machen (F. braucht seinen für die Schule). Ich will das nicht aufs Spiel setzen. Gut, Priorität hat heute (natürlich neben dem Abholen der Kinder) mein Arztbesuch. Ich muss zum Hausarzt um meinen Krankenhausbericht samt Diagnose, den die hoffentlich heute im Laufe des Tages wie versprochen dort hinfaxen, zu Gesicht zu bekommen, eine eventuelle Diagnose zu erfahren und zu klären, wie es nun weitergehen soll. Das einzige Problem dabei ist, dass ich beide Kinder mitnehmen muss und im Wartezimmer mit zwei Jungs – das kann schon mal richtig stressig werden… Vielleicht ist das aber auch gleich die nächste Lektion. Kinder sind Kinder und wenn es jemanden stört, dass sie im Wartezimmer eben auch mal Schmarrn machen, der muss halt was sagen. Ich bin sonst immer so sehr darauf bedacht, dass meine Kinder in der Öffentlichkeit höflich, leise, brav und anständig sind – vielleicht muss ich mich (zumindest ein Stück weit) auch davon lösen. Krass, oder? So nach und nach kommen meine Stressmacher und Energiefresser auf den Tisch. Schön der Reihe nach. Und immer wieder muss ich mich fragen, bin ich das überhaupt? Zum Beispiel hier: ich will, dass meine Kinder Kinder sein können. Unsere Gesellschaft ist unglaublich kinderfeindlich, oder wieso brauchen wir Kindercafés oder Kinderrestaurants? Damit sich die anderen (kinderlosen) Leute nicht über die Kinder ärgern müssen? Damit sie nicht stören? Eine ganz schreckliche Vorstellung. Natürlich bin ich auch der Meinung, dass Kinder erzogen werden sollten. Dass sie ihre Grenzen kennen und sie – auch in der Öffentlichkeit – einhalten. Dass sie lernen, was es heißt Rücksicht zu nehmen und erfahren, was andere Leute belästigt oder stört. Aber alles andere?
Ich habe nunmal zwei Kinder und verdammt noch mal, ich muss sie halt am Nachmittag mit zum Arzt nehmen. Aber nur weil da alle im Wartezimmer schweigend mit Trauer- oder Grieskrammienen sitzen, das kann doch nicht mein Problem sein.
So, jetzt muss ich aufpassen, dass sich das nicht ins Gegenteil verkehrt und ich wie wild darum kämpfe, dass meine Kinder im Wartezimmer spielen dürfen. Das wäre schon wieder eine große Portion Energie zu viel…Verrückt!
Jedenfalls wird mir momentan ein ums andere Mal wieder ein Spiegel vorgehalten. Immer mit der Überschrift: Willst Du eigentlich so sein? Oder auch: Bist Du wirklich so?
Es bleibt dabei, eine spannende und anstrengende Zeit.

Eine Sache sitzt mir noch im Nacken. Der Geburtstag meiner Mutter morgen. Ob ich fit genug bin für ein Konzert? Ich habe sie schon drum gebeten, einer ihrer Freundinnen Bescheid zu geben falls ich echt nicht kann. Das lange Stehen und der Lärm… boah, ich höre mich schon an wie die alte Ausgabe meines spießigen Selbst!! Natürlich will ich zu dem Konzert! Natürlich kann ich stehen. Und der „Lärm“ ist ja eigentlich das Geile an Konzerten. Ich muss noch ein bisschen hadern. Ist auch mal schön.

Auf jeden Fall ist morgen Donnerstag und um 13:30 Uhr beginnt mein Wochenende. Und ich bin mal richtig froh! Wieder drei Tage mit meinen Liebsten. Das bringt Heilung. Und Linderung. Und Zuversicht.
Habe ich schon erzählt, wie zuckersüß unser Baby im Moment ist? Die Sprache eröffnet ihm eine ganz neue Welt und mir einen herzlicheren, zärtlichen Zugang zu ihm. Er quatscht jetzt was das Zeug hält. Am liebsten benennt er sämtliche Körperteile, sowohl bei sich, als auch bei allen anderen. Das erleichtert uns unheimlich das Trösten, wenn er sich mal wieder wo angestoßen oder sonst wie wehgetan hat. Dann kann er hindeuten, wo es weh tut und man kann mit „Zauberpuste“ die Schmerzen wegblasen. Er befindet sich zwar immer noch täglich mindestens fünfmal in Lebensgefahr (da wird geklettert und gekraxelt und erobert wie verrückt) aber es wird immer weniger anstrengend. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein, strahlt und kichert den ganzen Tag und ich habe wirklich das Gefühl, jetzt sind wir komplett, so als Familie. Jetzt passt langsam alles. Jeder hat seinen Platz gefunden (auch er, das habe ich manchmal völlig aus den Augen verloren, dass er da auch drum kämpfen musste) und wir wachsen mehr und mehr zusammen. Auch, wenn es fast zwei Jahre gedauert hat…

So, das Rufen meines Schreibtisches wird immer lauter, dem kann ich mich nicht mehr entziehen.
Lieber Mittwoch, sei recht freundlich zu mir, lass es nicht die ganze Zeit dauerregnen, gib mir ein bisschen Rückenwind – für Energie und Zuversicht sorge ich selbst…

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

2 Kommentare zu “Immer langsam (Mittwoch, 6. November)

  1. Diesen Spiegel hätte ich auch gern.

    Also… ich mein, ich hab den Spiegel gedanklich immer vor Augen. Doch er ist beschlagen, ich kann nichts erkennen. Irgendwie muss ich mich durch diesen Schleier durchdenken und das strengt an…

    Ich freu mich so sehr für Dich, dass es Dir gelingt, Deine Stressmacher so knallhart zu entlarven. Und dass Du es jedes Mal schaffst, Dich zu fragen, ob Du das so willst.

    Und Babysprache? *lach*

    Wir haben uns von meinem Lütten zwei Wörter bewahrt:

    Wozilzimmer (Wohnzimmer)
    Tinnamizza (Kinderzimmer)

    Das ist herrlich 🙂

  2. Wahnsinn… es ist ein wenig so, als würde ich mein Leben in zwei Jahren lesen! Oder besser gesagt so in fünf Jahren vielleicht… und ich habe ein Gefühl: ja, so wird es bei mir auch. Und es beruhigt mich so sehr, dass man alles schaffen und in den Griff kriegen kann.

    Und Dir wünsche ich von Herzen, dass Du bald vollständig genesen bist und es wirklich ein Wink des Körpers war, ein wenig kürzer zu treten!

    Ich drück Dich

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