meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Verdammtes Durcheinander (Montag, 28. Oktober)

6 Kommentare

Donnerstag wurde abends aus meinem Zimmer die kotzende Mitpatientin gegen eine 75-Jährige im Sterben liegende alte Frau ausgetauscht, die dauernd weinenden und Abschied nehmenden Besuch hatte. Das war echt extrem anstrengend…
Letztlich haben sie mich dann in ein anderes Zimmer gebracht zu einer 84-Jährigen, mit der ich abends dann ein ewig langes, unglaublich anregendes und interessantes Gespräch führen durfte.
Die wiederum wurde nachts um eins dann woanders hin verlegt, damit sie den Platz in meinem Zimmer für einen eventuellen Notfall zur Verfügung hätten.
Da kam dann aber keiner mehr und so war ich die restliche Nacht und den kompletten Freitag alleine im Zimmer.
Freitag vormittags kam dann die Stationsärztin, hat mir gesagt, ich dürfte dann nach Hause, den Blutdruck und die Migräne könnte man dann ambulant weiter betreuen. Ich hab meine Tasche gepackt, T. angerufen. Dann kam sie nochmal und meinte, die andere Ärztin würde wirklich gerne nur noch ganz kurz ein Ultraschall von Hals und Kopf machen um ganz sicher zu gehen. Okay, kein Problem, würde ich halt erst am Nachmittag das Krankenhaus verlassen. Das hat dann auch ewig gedauert, bis ich letztendlich drangekommen bin, ich bin da runterspaziert, die hat mir eklig viel von der Ultraschallpaste in die Haare geschmiert – und plötzlich ist sie aufgestanden und hat telefoniert. Und kurz drauf kam der Oberarzt, hat mich selber nochmal untersucht um mir dann abschließend mitzuteilen, dass ich eine Gefäßengstelle im Kopf hätte und wir einen ganzen Berg weiterer Untersuchungen zu machen hätten. Zurück auf Station durfte ich auch nicht mehr laufen, sondern wurde wieder gefahren….
So ein Riesenscheiß! Zum Glück war meine Mutter schon in meinem Zimmer, die mich eigentlich abholen wollte. Ich musste erstmal heulen, was passiert da gerade mit mir???
Sie haben mich dann relativ schnell zum CT mit Kontrastmittelgabe gebracht, ich war sehr überzeugt, dass sie sicher nichts finden und mich mit einem breiten Lächeln entlassen würden….
Pustekuchen. Nach mehreren Stunden kam am Abend endlich eine ganz junge Nachtärztin, die mir mitgeteilt hat, dass auch der Befund im CT auffällig war und sie jetzt gleich eine Lumbalpunktion vornehmen würde um festzustellen, ob eventuell eine Entzündung die Ursache für die Gefäßverengung wäre.
Und da ist bei mir die Sicherung durchgebrannt.
Gerade noch ein paar Stunden vorher hätten sie mich einfach so mit dem Befund „Migräne“ nach Hause gehen lassen und mehr durch einen Zufall sind sie dann auf etwas gestoßen, was so wahnsinnig bedrohlich im Raum steht.
Gut, dass meine Mutter noch da war, ich habe mich mit ihr besprochen und vor dem Hintergrund, dass es bereits Freitagabend war und das ganze Wochenende keinerlei Untersuchungen durchgeführt werden würden, bin ich gegen ärztlichen Rat nach Hause gegangen.
Ich brauchte Abstand, Ruhe und vor allem meine Familie um mich rum. Ich bin so erleichtert gewesen, als T. mich daheim in die Arme genommen hat. Trotz eines ruhigen und angenehmen Wochenendes im Kreise meiner Liebsten, war völlig klar, dass ich mich heute weiter darum kümmern müsste, was mit mir passiert. Eine Engstelle im Kopf ist schließlich kein Spaß. Die kann relativ leicht zu einem Schlaganfall führen und da ich nicht gerade zu den ruhigsten und gelassensten Menschen gehöre, bin ich definitiv sehr gefährdet!

Also habe ich heute rumtelefoniert wie blöd, letztlich aber festgestellt, dass ich auf diesem Weg überhaupt nicht weiterkomme.
Und dann habe ich mich entschieden, den netten Oberarzt aus dem Krankenhaus anzurufen und direkt mit meinen Bedenken und Fragen zu konfrontieren. Und das war letztlich die einzig richtige Entscheidung. Er hat sich sofort Zeit für mich genommen, war sehr verständnisvoll ob meiner Situation (selbständig, zwei kleine Kinder) und hat mir zugesagt, mir die nötigen Untersuchungen straff zu organisieren. Ich werde also Mittwoch Mittag wieder ins Krankenhaus gehen, habe um 15 Uhr schon die Kernspintomographie und danach diese blöde Lumbalpunktion. Eine Nacht muss ich trotzdem stationär bleiben, dann wird man am Donnerstag weiter entscheiden, was zu tun ist.

Ich muss mich da jetzt echt reinergeben, ich habe eine Familie und damit auch eine gewisse Verantwortung. Ich kann nicht mein weiteres Leben damit verbringen, das große Risiko eines Schlaganfalls in mir zu tragen und womöglich in der nächsten Situation einfach umzufallen und tot zu sein.

Das wäre T. und den Kindern nicht fair gegenüber, ich muss das jetzt abklären lassen um dann wirklich Ruhe zu haben oder zumindest zu wissen, wie ich zukünftig damit umgehen muss. Der vernünftige Weg also, auch, wenn er mir noch so sehr wiederstrebt. Obwohl ich jetzt schon ein besseres Gefühl habe. Endlich hat sich ein Arzt Zeit und mich ernst genommen. Mir wirklich zugehört und mir genau erklärt, was und warum noch zu tun ist.
Ich bin jetzt trotzdem echt bedient. Gut, dass beide Kinder heute Morgen gut aufgehoben sind, ich werde Baby B. um zwei und F. um drei Uhr abholen und weiter möglichst langsam und ruhig machen. Hilft ja nix.
Vor so einer Situation war ich wirklich noch nie in meinem Leben gestanden.
Ich werde mein Leben komplett ändern müssen. Besser leben. Stressfreier. Viel gesünder. Entschleunigter. Weniger perfekt. Mein Körper ist da scheinbar sehr konsequent. Hat sich das Chaos eine Zeit lang angeschaut und schiebt mir jetzt rigoros einen Riegel vor.
Ich hab es kapiert und verstanden. Ich bin bereit mein Leben zu ändern. Für mich. Und meine Kinder. Und meinen Mann. Es muss sein…

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

6 Kommentare zu “Verdammtes Durcheinander (Montag, 28. Oktober)

  1. gratuliere Du Deiner Erkenntnis – das ist der richtige Weg:
    Gesundheit gibt es nicht im Handel, sondern nur durch Lebenswandel – schrieb schon Sebastian Kneipp.

    Aber lass Dich auch von Ärzten nicht kirre machen, denn die können ganz schön Stress erzeugen – wenn man ihnen glaubt. Und die Untersuchungen sind leider auch nicht ohne. Wie wäre es mit Baldrian zur Beruhigung, mit Johanniskraut -Tee, wie wäre es mit einem entpsannenden Bad bei Kerzenschein und Musik – ja und wie wäre es mit Musik ? Flötenspiel ? selbst musizieren tut unheimlich gut und vor allem auch für Deine Kinder. Es macht da gar nichts, wenn Du erst übst und nicht perfekt bist – Kinder mögen Musik trotzdem.
    Und wie ist es mit einer Märchenstunde – nicht für die Kinder, sondern für Dich. Auch das entspannt – aber lies die Märchen selbst und in der Orginalsprache.
    Du kannst ruhig dabei einschlafen – das macht nichts.
    Tut auch gut. Siesta – eine halbe Stunde Ruhe mittags ist sowieso sehr beruhigend und erholsam.
    Auch Rückenmassage, Reiki, Fußreflexzonenmassage ist immer gut – das kann auch Dein Mann machen oder eine Freundin – oder sogar die Kinder – oder Du selbst. Die Hauptsache körperliche Berührungen – das ist ein echtes Bedürfnis und tut gut.
    Ich wünsche Dir alles Gute – Du kriegst das hin – Mütter sind stark.

    • Vielen Dank für Deine vielen Ideen!
      Klingt alles ganz herrlich und ich hoffe sehr, dass ich das eine oder andere nach dem ganzen Krankenhausdebakel in mein Leben integrieren kann. Das habe ich fest vor!

      Und der Satz von Sebastian Kneipp hat das Zeug dazu mein neues Lebensmotto zu werden! Sehr cool!

  2. Ich finde es gut, dass Du den vernünftigen Weg einschlägst… Mensch, das ist nämlich alles mehr als besorgnis erregend. Habe das ganze Wochenende über an Dich gedacht und mich gefragt, was Du wohl machst…

    Also halte uns weiter auf dem Laufenden! That’s important!

    • Was ist schon vernünftig?! Aber natürlich hast Du recht, ich glaube, so ist es besser. Da muss ich jetzt irgendwie durch.
      Vielen Dank jedenfalls für Deine Gedanken, die kann ich gerade richtig gut gebrauchen!
      Mal sehen, wie es weitergeht…

  3. Ein guter Gedanke, der Dich gerade trägt – Entschleunigen.

    Wie genau das geht, frag ich mich auch schon seit längerem *grins* Doch vielleicht wird aus Deiner Suche des italienischen Hauses eine echte Suche und Du kommst runter und Dein/ euer gemeinsamer Wunsch nach Verbindung aus Leben und Arbeit, Kinder und ihr selbst im Grünen und einfach Runterkommen erfüllt sich vor diesem bedrohlichen Hintergrund schneller, als Du/ ihr gedacht hattet.

    Bitte achte immer noch gut auf Dich.

    Pausen sind dringend nötig.

    • Ich versuche auf mich zu achten. Auch wenn ich noch nicht immer genau weiß, wie das geht.
      Das wird in den kommenden Tagen vermutlich die größte Herausforderung. Einen Weg zu finden, gewisse Dinge (Untersuchungen, ein Doppelzimmer im Krankenhaus, greisliges Essen) zu ertragen, auszuhalten, auf der anderen Seite aber so nah bei mir zu bleiben, dass ich mich auch traue zu wiedersprechen, Dinge zu hinterfragen und mir so viele Informationen zu holen, wie ich sie brauche. Auch, wenn sie mich dann in die „Psycho-Schublade“ stecken.

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