meinewelt

Gedanken, Ideen, Träume, Erinnerungen einer 41-Jährigen

Ein Mahnbescheid… (Mittwoch, 4. September)

2 Kommentare

…und alles steht wieder auf der Kippe.
Es liegen ein paar ruhige Tage hinter uns. Tage, in denen wir beide wieder zu Atem gekommen sind, in denen wir richtig miteinander reden konnten, in denen wir uns wieder näher gekommen sind, uns wieder mehr vertrauen konnten.

Gestern dann ein weiterer gelber Umschlag im Briefkasten. Ein neuer Mahnbescheid. Alte Krankenkassenbeiträge, dreihundert Euro Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren. Scheiße.
Seit Wochen arbeitet T. an einer Lösung. Es geht um Umschulden, um das Auflösen eines Depots, wie auch immer. Seinen Worten nach zu urteilen, steht diese besagte Lösung kurz vor ihrer Vollendung. Ich will ihn nicht jeden Tag darauf ansprechen. Nein, wenn ich es mir genau überlege, will ich ihn eigentlich garnicht darauf ansprechen. So lange er nichts sagt, will ich davon ausgehen, dass alles läuft und so weit in Ordnung ist. Ich will in dem Glauben und Vertrauen leben, dass er mich schon informieren wird, wenn etwas Bedeutsames oder Kritisches passiert. Dass er mir sagt, wenn was schief läuft oder er meine Hilfe braucht.

Aber nein, so läuft das eben nicht. Es gibt kein Gespräch so lange, bis wieder irgend etwas passiert. Bis sich ein „Gespräch“ nicht mehr vermeiden lässt. Und selbst dann ist er für jede sich ihm bietende Ablenkung dankbar, meidet mich wie der Teufel das Weihwasser, versucht sich durch Aktionismus unangreifbar zu machen. Und ich meine mit Aktionen nicht, sich um die Sache zu kümmern, sondern in der Wohnung rumzuwuseln, hier und da ein bisschen aufzuräumen, Regale an die Wand zu schrauben und und uns.

Und so habe ich ihn am Nachmittag angerufen, als ich den unsäglichen Brief im Kasten gefunden habe, er war scheinbar sehr betroffen, hat mir gesagt, dass er mich später noch einmal anrufen würde, weil er gerade in einer Sache drinstecken würde und nicht gut telefonieren kann.
Angerufen hat er nicht, er ist spät gekommen und dann musste er sich auch gleich auf F´s Zimmer stürzen, schließlich mussten wir alle Löcher gebohrt haben, bis Baby B. ins Bett geht.
Er war dann fertig, wir haben uns zum Essen an den Tisch gesetzt – nichts.
Irgendwann habe ich ihn darauf angesprochen und dann hat, just in diesem Moment, Baby B. die große Stehlampe umgeschmissen und der Glasschirm ist in tausend Einzelteile zerschellt. Zum Glück ist dem Baby nix passiert, das „Gespräch“ war damit aber natürlich auch schon wieder zu Ende.
Baby B. im Bett, T. im Kinderzimmer, ich hab krampfhaft versucht rauszufinden, welche Formulare ich für die Jahresumsatz- und die Jahresgewebesteuermeldung brauche (ich hasse alles was mit dem Finanzamt zu tun hat. Man versteht sowieso nur die Hälfte und ohne Steuerberater ist man eigentlich von vornherein aufgeschmissen…), T. ist dann auch ins Bett gekommen und hat seelenruhig neben mir angefangen zu lesen.
Ich hatte solche Kopfschmerzen, ich wollte einfach nur noch schlafen, manchmal gehen sie dann von selber weg. Und so hat er weitergelesen, ich geschlafen, das war´s.

Heute sind wir in einer saublöden Situation. Normalerweise würde ich die Situation aussitzen, warten bis heute Abend, schauen, ob er dann mit mir redet, vielleicht noch eimal das Gespräch suchen.
Aber heute kommt F.nach Hause. Und wenn wir dann gleich in so einer blöden Stimmung sind miteinander, das ist doch F. gegenüber nicht fair.
Also habe ich ihn heute Früh noch einmal angesprochen, aber letztlich hat es uns natürlich auch nicht weiter gebracht. Er ist in solchen Momenten ehrlich betroffen, gelobt schnellstmögliche „Besserung“ bzw. in diesem Fall, endlich schnellstmöglich seine Lösung voranzutreiben und endlich zu Potte zu kommen. Das wirklich Traurige ist nur, dass wir vor zwei Wochen über eine „Deadline“ gesprochen hatten. Es ist so eskaliert und er sagt von sich selber, dass er manchmal eine gehörige Portion Druck braucht und da haben wir – halb im Spaß und halb im Ernst – gesagt, dass er in der Zeit wo F. im Urlaub ist alles regelt. Sonst würden wir über eine Trennung nachdenken. Das klingt jetzt total blöd, wenn ich das so schreibe, aber die Situation ist im Moment wirklich so anstrengend für mich, wobei, was heißt im Moment? Eigentlich geht es schon einige Jahre so. Immer wieder massive Aufs und Abs, immer wieder Streit und Krisen wegen unerledigter Aufgaben, wegen Unzuverlässigkeit, verdaddelten Terminen. Und manchmal nagt einfach der Zweifel in meinem Hinterkopf, ob es nicht doch einfacher wäre, wenn ich mit den Kindern alleine leben, mich nur noch um meinen Kram kümmern müsste. Ob es auch für T. besser wäre, wenn er nur noch seine Angelegenheiten regeln müsste. Ich will mich nicht trennen. T. ist der Mann, den ich liebe und mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Aber der Preis ist manchmal so verdammt hoch. Und die Frage: „Kann ich so leben?“ oder besser „Will ich so leben?“ bedrängt mich und lässt mich zweifeln.
Ich will nicht, dass wir an so einem Schmarrn scheitern. Dass wir wegen dieser Alltagsprobleme nicht mehr zusammen sein können. Auf der anderen Seite ist es eine latente, täglich vorhandene Belastung, die scheinbar nie aufhören wird.
Was ist also richtig, was falsch? Miteinander oder alleine?

Und jetzt ist alles durcheinander. Ich freue mich so, F. heute wieder zu sehen, ihn wieder bei mir, die Familie komplett zu haben. Ich habe aber auch Angst. Angst davor, was jetzt wieder auf mich zukommt. Ob ich es schaffe, heute Abend ein „Heile-Familie-alles-ist-gut“-Theater zu spielen. Angst davor, dass sich nie etwas ändern wird. Angst vor allen Konsequenzen. Vor neuem Streit.
Ich habe Angst vor dem Schulananfang nächste Woche, vor all den Sachen, die vor mir liegen, die ich organisieren und erledigen muss. T. schiebt das alles geschmeidig vor sich her. Kümmert sich nicht. Kann sich vielleicht auch nicht kümmern. Sagt aber auch nichts. Ich bin jedenfalls ratlos.

Farbe des Tages: immer noch Himmelblau, das ist fast unverschämt, wie unglaublich intensiv blau der Himmel im Augenblick ist (so blau ist er nur im Herbst, komisch)
Stimmung: müde, durcheinander, rast- und ratlos
später: hole ich Baby B. aus dem Kindergarten, wir werkeln noch ein bisschen in der Wohnung und gehen dann zum Spielplatz, das Wetter ist zu schön!
noch später: F. kommt nach Hause…
noch später: T. und ich??????

Autor: longing for peace

I lost myself.... Und heute ist der Tag, an dem ich beginnen will, Stück für Stück mich und mein Leben zurück zu gewinnen. Und dazu will ich schreiben...

2 Kommentare zu “Ein Mahnbescheid… (Mittwoch, 4. September)

  1. Puh… ich kann das alles total nachvollziehen. Das liest sich schwer. So schwer, wie sich die Gedanken auch um einen legen. Und wo ich sonst so großkotzig rede, habe ich gar keinen Rat 😦

    Nur vielleicht, dass man allein dann andere Sorgen hat. Sprich: die Aufreibereien um Unzuverlässigkeit und Tatenlosigkeit von T. könnten vorbei sein, aber man hat dann andere Dinge, die ähnlich belasten. Oder (obwohl das jetzt nicht zur Debatte steht): ein anderer Mann hätte dann vielleicht diese Power und würde alles regeln, wäre aber nicht einfühlsam oder würde untreu sein oder oder oder…

    Hilft wahrscheinlich jetzt nicht viel. Ich würde, wenn F. im Bett ist, das Thema wieder ansprechen und ne Frist setzen, bis wann er das geregelt hat. Du bist fürs Frist setzen zuständig (so anstrengend das ist) und er für die Umsetzung. Konsequenzen sollten vorher besprochen und auch eingehalten werden. Das muss nicht direkt eine Trennung sein. Aber das umher schleichen um diese Auseinandersetzung ist meist noch anstrengender 😦

  2. P.S.: ich drücke Dich einfach mal gaaaanz fest!

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